LKR Bamberg

Gebot der Zeit oder Spaltpilz?

Der Katholische Deutsche Frauenbund im Erzbistum Bamberg beteiligt sich an der Aktion "Maria, schweige nicht!". Die Frauen wollen Veränderungen in der Kirche hin zu Gleichberechtigung. Doch nicht alle ziehen mit.
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Kardinal Reinhard Marx und Bischof Michael Gerber stellten sich den demonstrierenden Frauen in Fulda. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Kardinal Reinhard Marx und Bischof Michael Gerber stellten sich den demonstrierenden Frauen in Fulda. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Marion Krüger-Hundrup Das Motto "Maria 2.0" vereint inzwischen Katholikinnen in ganz Deutschland. Was im Bistum Münster begann, fand bei der jüngst tagenden Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz einen Kumulationspunkt: Etwa 200 Demonstrantinnen machten vor dem Fuldaer Dom lautstark auf sich aufmerksam. Forderten mit den skandierten Worten "gleich und berechtigt, gleich und berechtigt" mehr Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche bis hin zur Weihe von Frauen.

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz, und Fuldas Bischof Michael Gerber stellten sich den aufgebrachten Demonstrantinnen. Marx erklärte: "Ich weiß, es braucht Bewegung, aber manchmal geht es nur langsam voran." Die Rolle der Frau in der Kirche sei wichtig: "Ich spüre, dass der Druck wächst. Recht so. Aber wir können hier nicht alle Entscheidungen treffen. Die katholische Kirche in Deutschland kann sich nicht von Rom lösen", so der Kardinal. Die Kirche dürfe nicht gespalten werden, fügte er hinzu.

Damit vertritt Marx eine Position, die im ganzen Land zu hören ist. Auch im Erzbistum Bamberg. Hier hat es sich der Diözesanverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) zur Aufgabe gemacht, für die Anliegen von "Maria 2.0" zu kämpfen. Und zwar unter dem eigenen Leitwort "Maria, schweige nicht!" Der KDFB-Bundesverband hat diese Kampagne in Fortführung von "Maria 2.0" ins Leben gerufen. Denn "es geht um die Glaubwürdigkeit und somit Zukunftsfähigkeit unserer Kirche", meint KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth. Und: "Wir wollen nicht mehr schweigen. Wir wollen nicht, dass die Kirche noch mehr Frauen und Männer verliert, die über spirituelle Begabungen verfügen und deren Reden und Handeln ein Gewinn für das Volk Gottes auf dem Weg ist", unterstreicht Flachsbarth das Engagement des Frauenbundes.

Die Bamberger Diözesanvorsitzende Claudia Dworazik macht sich diese Worte zu Eigen. Sie spricht von "Gottesebenbildlichkeit aller Menschen" als tiefsten Grund für die Aktion. Darin geht es ihr und ihrem Vorstandsteam zunächst um den offenen Dialog mit Menschen, die sich nicht mit den Forderungen anfreunden können.

Für Veränderungen beten

"Es geht uns darum, miteinander für Veränderungen zu beten", sagt Claudia Dworazik. Sich an Vorfahrinnen zu erinnern, die nicht geschwiegen, sondern "das Geheimnis Gottes öffentlich gemacht haben zum Heil der ganzen Welt". Frauen eben wie die Mutter Jesu Maria, Elisabeth, Hannah, Maria Magdalena, Marta, Lydia, Junia, Rhode, Priszilla, Phöbe, Tabita, Johanna und, und, und.

Anders als die Initiatorinnen von "Maria 2.0" wollen die Bamberger Frauen aber nicht zum Kirchenstreik aufrufen. "Das ist nicht die richtige Methode", erklärt die promovierte Pastoralreferentin Andrea Friedrich, Geistliche Beirätin des KDFB in der Erzdiözese. Allerdings unterstütze der Frauenbund die Anliegen wie den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, eine konsequente Aufklärung der Missbrauchsfälle durch Kleriker und eine Sexualmoral, die an die Lebenswelt von Menschen angepasst ist, ideell.

In verschiedenen Zweigvereinen im Erzbistum hat die Aktion "Maria, schweige nicht!" bereits Fuß gefasst. In Heroldsbach etwa, in Adelsdorf oder Forchheim. Am 24. November wird es um 18 Uhr in Priesendorf einen entsprechenden Wortgottesdienst mit Andrea Friedrich geben, zu dem der KDFB diözesanweit Frauen einlädt.

In eigens gestalteten Donnerstagsgebeten in den jeweiligen Pfarrkirchen beten Frauen für eine Erneuerung der Kirchen. Mancherorts ist der Pfarrer dabei oder predigt sogar zum Thema. Und laut Maike Wirth, stellvertretende Pressesprecherin des Erzbistums Bamberg, "toleriert der Domberg diese Aktionen".

"Gemeinde wäre gespalten"

Doch nicht alle Zweigvereine tragen diese mit. So wie zum Beispiel der Zweigverein Memmelsdorf/Drosendorf mit seinen fünfzig Mitgliedern. "Wir haben beschlossen, uns nicht aktiv anzuschließen, weil viele ältere Mitgliedsfrauen die Aktion nicht verstehen. Die Gemeinde wäre gespalten", nennt Brigitte Dorsch einen Grund. Die Theologin ist Geistliche Beirätin dieses Zweigvereins. Außerdem würden andere Fragen als Frauenprobleme die kleine Gemeinde bewegen, etwa der Strukturprozess im Erzbistum, der Missbrauchsskandal oder die allgemeine Sprachlosigkeit in religiösen Dingen.

Natürlich sei bei den Frauen schon "ein gewisser Leidensdruck da, die Charismen der Frau werden unter dem Deckel gehalten", sagt Brigitte Dorsch. Doch Frauen müssten zunächst "theologisch sprachfähiger gemacht werden, Forderungen kann man nicht mit der Holzhammermethode erheben". Die 64-Jährige, die ehrenamtlich auch Wortgottesdienste gestaltet, betet schon für die Wertschätzung von Frauen, für ihre Stellung in der Kirche. "Ich hoffe auf den Heiligen Geist, und dass auf ihn gehört wird. Kirche darf nichts Statisches sein", blickt Brigitte Dorsch voraus.

Für den Memmelsdorfer Pfarrer Peter Barthelme halten sich Gebetsanliegen jedoch in Grenzen: "Es ist Unsinn, für Priesterinnen zu beten, das ist von der Kirche längst geklärt." Und falls der Frauenbund doch auf die Idee käme, zu einem Kirchenstreik oder Ähnlichem aufzurufen, "würde ich das verbieten".

Die Frage nach einer stärkeren Beteiligung von Frauen soll ein Meilenstein auf dem bevorstehenden "synodalen Weg" werden, der "ohne Stoppschild aus dem Vatikan" - so Kardinal Reinhard Marx - ab Advent 2019 anberaumt ist.

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