Neustadt bei Coburg

Geborgen in der Gemeinschaft

Im Haus am Moos in Neustadt leben Menschen mit Betreuungsbedarf weitgehend selbstständig. Es ist ein zukunftsweisendes Modell. Um es ganz fertig zu bekommen, ist der Verein Lebenshilfe auf Spenden angewiesen.
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Mitarbeiter und Bewohner haben im gemeinsamen Wohnzimmer vom Haus am Moos den Weihnachtsbaum geschmückt. Foto: Rainer Lutz
Mitarbeiter und Bewohner haben im gemeinsamen Wohnzimmer vom Haus am Moos den Weihnachtsbaum geschmückt. Foto: Rainer Lutz

Wenn Gerlinde Deutsch durch das "Haus am Moos" geht, dann fällt ein Satz immer wieder: "Wir brauchen mehr solcher Häuser." Die Behindertenbeauftragte des Neustadter Stadtrats ist von dem Projekt des Vereins Lebenshilfe begeistert, das gerade geschaffen wurde. Es ist noch im Aufbau. Dabei wollen wir mit unserem Verein "Franken helfen Franken" die Lebenshilfe unterstützen und um Spenden werben.

"Das Haus am Moos ist einfach ein Wohnhaus, ein ganz normales Wohnobjekt", betont Rolf Jürgen Freese vom Vorstand des Vereins Lebenshilfe. Dieser vermietet die Appartments an Menschen "mit Bedarf an Teilhabeleistungen", wie es Freese formuliert, der den Ausdruck "Behinderte" nicht mag.

Die sechs Wohnungen sind fertig. Fünf sind schon vermietet, die sechste ist es demnächst. Noch ist einiges am Haus nicht so, wie es einmal sein soll. Der Verein finanziert seine Leistungen rein aus Spenden. Im Garten, an der Terrasse, bei der Einrichtung muss nach gearbeitet werden, sind noch Anschaffungen nötig. Der Verein Lebenshilfe ist für jeden Euro dankbar.

Ein Haus wie das Am Moos gibt es in der Region noch nicht. "Unser Landesverband sagt, das gibt es in ganz Bayern nicht", sagt Rolf Jürgen Freese. Den Menschen, die dort einziehen, soll größtmögliche Selbstständigkeit ermöglicht werden. Die Mitarbeiter der Lebenshilfe stehen aber stets im Hintergrund zur Verfügung, geben Unterstützung, wo sie gebraucht wird.

Zielgruppe sind vor allem Menschen mit Betreuungsbedarf in einer Lebensphase, in der die Betreuung zu Hause durch die Eltern nicht mehr so einfach zu leisten ist. Eltern kümmern sich um ihre Kinder mit Behinderung. Wenn sie es einmal nicht mehr können, führt der Weg oft kaum noch an einem Heim vorbei. Da will der Verein Lebenshilfe Angebote schaffen. In Neustadt, aber bald möglichst auch an anderen Orten im Landkreis.

Modell mit Zukunft

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"Der Bedarf ist groß", stellt Sebastian Schelhorn fest. Er ist der Geschäftsführer des Vereins Lebenshilfe Coburg. Das Haus in Neustadt konnte mit großer Unterstützung durch die Aktion Mensch geschaffen werden. Der Verein trägt damit auch einem politischen Wandel Rechnung. In der Fortschreibung der Gesetzgebung wurde aus der "Eingliederungshilfe" für Menschen mit Behinderung die "Teilhabeleistung" als Aufgabe der Sozialpolitik.

Es ist auch die Offenheit der Aktion Mensch gegenüber dem Konzept der Lebenshilfe die Sebastian Schelhorn Mut macht zu sagen: "Wir wollen versuchen schon ein weiteres Objekt im Landkreis zu suchen, wenn wir hier in Neustadt ganz fertig sind." Die Aktion Mensch ist bereit erneut zu fördern. Anders könnte es nicht gelingen. Anders als in einem Heim leben die Bewohner im Haus am Moos in einer schon familiären Gemeinschaft. "Wenn ich hier her komme und sehe, dass alle gerade gemeinsam kochen, dann ist das einfach nur schön", sagt Rolf Jürgen Freese.

Die Mitarbeiter der Lebenshilfe helfen beim Einkauf und stehen auch beim Kochen oder anderen täglichen Aufgaben zur Unterstützung parat. Doch der Grad der Eigenständigkeit im Leben der Bewohner ist groß. Manuela Jürgens vom Team der Lebenshilfe hat dazu einen Schlüsselsatz im Kopf. Als einer der Bewohner von seinem Vater besorgt gefragt wurde, wie er zurecht kommt, antwortete dieser "Papa, ich bin jetzt selbstständig." Das, findet Manuela Jürgens, bringe auf den Punkt, was der Verein den Bewohnern im Haus am Moos bietet.

Gerlinde Deutsch fände das Modell passend für Objekte der Wohnbau des Landkreises, die mehrere Häuser am Siemensring in Haarbrücken hat. Dort wurde im Projekt "Soziale Stadt" schon seit Jahren sozialer Wohnungsbau mit Quartiersmanagement angeboten. Dafür lief die Förderung aus. Sebastian Schelhorn könnte sich vorstellen etwa in Seßlach ein Haus nach dem Neustadter Vorbild zu schaffen. In der Stadt gibt es mit der Werkstatt für angepasste Arbeit auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

Doch zuerst gilt es, das Haus in Neustadt noch fertig zu einem Zuhause zu machen, in dem sich die Bewohner wohl und geborgen fühlen. Dafür bittet der Verein Franken helfen Franken um Spenden.

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