Adelsdorf

Gebete für Freiheit und Frieden

Die Vertreter von Kirche und Politik gingen in Adelsdorf der Frage nach, ob die Parole "Nie wieder Krieg" nur noch ein frommer Wunsch ist. Pfarrer Thomas Ringer rief dazu auf, Mauern im Kopf einzureißen.
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Harald Hack, Lorenz Mölkner, Jutta Köhler und Karsten Fischkal (v. l.) legten Kränze nieder. Foto: J. Blum
Harald Hack, Lorenz Mölkner, Jutta Köhler und Karsten Fischkal (v. l.) legten Kränze nieder. Foto: J. Blum

Wie überall in Deutschland, so gedachten die Bürger auch in Adelsdorf am Volkstrauertag der unzähligen Opfer der beiden Weltkriege, aber auch der Opfer von Terror und Gewalt. Begleitet von dumpfen Trommelschlägen zogen nach dem Gedenkgottesdienst in St. Stephanus die Fahnenabordnungen und die Vertreter der Vereine sowie beide Bürgermeister und Gemeinderäte zum Ehrenmal auf dem Marktplatz.

Pfarrer Thomas Ringer war zuvor in seiner beeindruckenden Predigt auf die Mauern eingegangen - nicht nur die realen wie die Klagemauer in Jerusalem oder die ehemalige Mauer zwischen dem Westen und Osten Deutschlands, sondern speziell auf die Mauern im Kopf, die verschwinden müssen. "Am Anfang stehen immer Mauern in unseren Köpfen, die dann unsägliches Leid über andere Menschen bringen, die das Leid vieler Kriege, den schrecklichen Terror der Nazis über unser Volk gebracht haben. Mauern bringen Spaltung und Spaltung bringt Leid", mahnte er eindringlich.

"Fangen Sie an, die Mauern im eigenen Kopf einzureißen, was auch bedeutet, dass wir besonders auch die ,Kopf-Mauern‘ im eigenen Ort einreißen müssen, gerade jetzt in der Zeit der anstehenden Wahlen." Nach einem getragenen Choral, gespielt von den Adelsdorfer Musikanten, die den ganzen Festakt feierlich umrahmten, ergriffen die Politiker das Wort. "In den ersten Augusttagen 1914 erwartete man einen kurzen Blitzkrieg", sagte Zweite Bürgermeisterin Jutta Köhler (FW). "Doch wir alle wissen - es kam anders. Es begann ein vierjähriges blutiges Massensterben mit Millionen Toten", fuhr Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) fort.

Habe man nichts daraus gelernt? "Wir trauern nicht mehr um die Opfer zweier Kriege, vielmehr erinnern wir uns daran und wünschen uns natürlich, dass so etwas nie wieder passiert. Nie wieder passiert?" Das Heidelberger Institut für Internationale Konflikte sage, dass weltweit derzeit 213 gewaltsam ausgetragene Konflikte stattfinden.

"Stellen sie sich einmal vor: Es gäbe Krieg! Stellen Sie sich vor, die Nachrichten berichten: Europa hat einer anderen Nation den Krieg erklärt. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind muss an die Front - und sie können es nicht verhindern! Stellen Sie sich vor, Ihr Kind verlässt das Haus und Sie wissen nicht, ob Sie es jemals wieder sehen. Stellen Sie sich vor, es gäbe Krieg", so Köhler.

"Lasst uns einmal im Jahr - hier am Volkstrauertag - zusammenkommen und gemeinsam für Frieden und Freiheit beten, beten, dass wir unsere Kinder nie in den Krieg schicken müssen." Zur Mahnung und Erinnerung legte Fischkal im Namen des Gemeinderates und der Gemeindeverwaltung gemeinsam mit seiner Stellvertreterin einen Kranz am Denkmal nieder.

Für die beiden Adelsdorfer Kriegervereine sprach Lorenz Mölkner (Krieger- und Soldatenkameradschaft Adelsdorf) Gedenkworte. Er erinnerte daran, dass der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schon seit 100 Jahren für den Frieden in Europa arbeitet. Zusammen mit Harald Hack, dem Zweiten Vorsitzenden des Krieger- und Kameradschaftsvereins Adelsdorf, legte er einen Kranz nieder. "Ich hatt' einen Kameraden" beendete den feierlichen Akt und die vielen Teilnehmer gingen nachdenklich nach Hause.

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