Lichtenfels

Gastronomie: Personal fehlt

Mithilfe europäischer Programme möchte der Kreis den Fachkräftemangel angehen.
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Rund 83 Prozent der Gastronomiebetriebe des Landkreises sind auf der Suche nach geeignetem Personal. 75 Prozent von ihnen haben sechs beziehungsweise sieben Tage in der Woche geöffnet. Gesucht werden Köche, Küchenhilfen, Servicekräfte und Hotelfachkräfte. Doch die Sparte scheint wenig attraktiv zu sein, wie eine Befragung ergab.

Unattraktive Arbeitszeiten

Genannt wurden lange und unattraktive Arbeitszeiten, eine schlechtere Bezahlung sowie dass viele Betriebe kaum mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar sind. Zahlen, die Wirtschaftsförderer Helmut Kurz bei der Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung, Wirtschaft und Infrastruktur nannte.

Zwar sind die Landkreise für die Fachkräftegewinnung nicht zuständig, aber der Landkreis möchte im Rahmen seiner Möglichkeiten die Betriebe vor Ort bei der Fachkräftegewinnung in der Gastronomie unterstützen. Neben bereits erwähnter Umfrage fand am 19. Februar in Kooperation mit der Stadt Bad Staffelstein der erste "Fachkräftegipfel Gastronomie" statt, der eine Reihe von Ansätzen und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt hat. Mithilfe europäischer Programme möchte der Landkreis den Fachkräftemangel aktiv angehen. Ein Konzept für die Gewinnung von Nachwuchskräften im Alter zwischen 18 und 25 Jahren für Hotel- und Gastronomiebetriebe stellte Michael Zehner, Vertreter der Firma Eucontact, bei einer Informationsveranstaltung Anfang dieser Woche in Bad Staffelstein vor. Es ging um die Gewinnung von Nachwuchsköchen aus Rumänien, aber auch aus weiteren strukturschwachen Regionen des EU-Binnenmarkts wie Kroatien, der Slowakei, Ungarn, Irland und (noch) Großbritannien. Im Rahmen eines 14-tägigen Praktikums ab dem Frühjahr 2020 sollen 14 oder 15 potenzielle Nachwuchskräfte kurz vor ihrem Berufsabschluss in die Region kommen und auf die teilnehmenden Unternehmen aufgeteilt werden. Wichtig dabei ist die Sicherstellung der Betreuung der jungen Leute während ihres Aufenthalts beim Praktikumsbetrieb. An diesem Punkt sind laut Kurz alle bisherigen Projekte gescheitert. Bei der Infoveranstaltung am vergangenen Montag haben bereits drei Betriebe ihr Interesse signalisiert. Weitere Unternehmen werden gesucht. Bei Interesse wird eine Rückmeldung bei der Wirtschaftsförderung am Landratsamt erbeten.

Über 212 000 Gäste zu Besuch

Die Tourismusregion Obermain-Jura blickt auf ein erfolgreiches Tourismusjahr zurück. 2018 haben die Region 212 187 Gäste besucht, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Plus von 4,6 Prozent entspricht. Um 1,1 Prozent sind auch die Übernachtungszahlen auf 672 074 gestiegen. Die durchschnittliche Verweildauer liegt mit 3,2 Tagen (Vorjahr 3,3 Tage) über dem Bundesdurchschnitt von 2,7. Der Tourismus ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. Er sichert Arbeitsplätze und leistet über Steuereinnahmen einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Haushalte.

Die Aktivitäten der Tourismusregion Obermain-Jura zielten auf die Schaffung und Weiterentwicklung touristischer Angebote und Produkte und deren Vermarktung. Seit Aufstellung der Kreisentwicklungsstrategie im Jahr 2009 sind eine Vielzahl von neuen Konzepten und Projekten hinzugekommen. Als sechste Säule wurde im Rahmen der Zertifizierung zur Bayerischen Gesundheitsregion 2009 die Säule Gesundheit implementiert. Jetzt soll das Kreisentwicklungskonzept an die aktuellen Entwicklungen angepasst und fortgeschrieben werden. "Zudem wird bei Förderprogrammen immer ein Gesamtkonzept für den Landkreis vorausgesetzt", erläuterte Kreisentwickler Andreas Grosch. Mögliche Handlungsfelder seien die Digitalisierung und die demografische Entwicklung.

Zum Ende des Jahres endete das Regionalmanagement im östlichen Landkreis. Jetzt besteht für den Landkreis die Möglichkeit, für die Folgejahre 2019 bis 2021 einen neuen Förderantrag zu stellen. Dazu hat die Landkreisverwaltung bereits einige Projekte in Auge gefasst. Darunter sind die Umsetzung und Weiterentwicklung einer Homepage für die "Wirtschaftsregion Obermain-Jura", die Entwicklung des MyLif-Heimkehrer-Konzepts zu einem Willkommens-Paket, die Weiterentwicklung besonders geeigneter Ansätze aus dem Verantwortungskompass des östlichen Kreises, die Fortentwicklung des Konzepts Bildungsregion zur "Digitalen Bildungsregion" und die Einbindung des Konzepts VHS+ unter Berücksichtigung aktueller Überlegungen zu "VHS Digital" für Senioren.

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