Burggaillenreuth

Gaillenreuther Höhle im Fokus

Die Höhlen der Fränkischen Schweiz wurden sehr schnell für den Fremdenverkehr interessant. Der Ursprung der Speläologie, also der Erforschung von Höhlen und Karst, liegt in der Region.
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Stich der Gaillenreuther Höhle aus dem berühmten Esper-Buch von 1774  Repro: löw
Stich der Gaillenreuther Höhle aus dem berühmten Esper-Buch von 1774 Repro: löw

Mit der Veröffentlichung eines Stadtplans über Bamberg beginnt die Tourismusgeschichte der Fränkischen Schweiz und damit der von Bayern. Darin ist unter dem Punkt "Merkwürdigkeiten der Umgebung" die Gaillenreuther Höhle beschrieben; in Latein allerdings, und daher war der Text vermutlich zuerst für Bildungsreisende gedacht.

Das war viele Jahre, bevor die europäische Gesellschaft erstmals eine "Grand-Tour", eine Bildungsreise für junge und reiche Männer, ins Leben rief. Nicht nur der Tourismus in Bayern beginnt damit, sondern auch ein ganz neuer Fachbereich, den es bisher nicht gab: die Speläologie, die Erforschung von Höhlen und Karst, deren Ursprung in der Region liegt.

Im Volksmund Galtreut

"Unter anderen Merkwürdigkeiten kann man unweit dieser Stadt (Bamberg) im Gebiet eines Zweiges der adeligen Familie von Egloffstein einen Ort sehen, der im Volksmund Galtreuth (Gaillenreuth) heißt. Hier wird eine breite und lange Höhle gezeigt, die nach Art einer Kammer aus einem mächtigen Felsen gehauen ist. Darin öffnet sich ein weiterer Abstieg in die Tiefe, und wer dort den Grund aufgräbt, stößt zu seiner höchsten Verwunderung auf eine gewaltige Menge Knochen, Zähne und Schädel von Pferden. Von der Decke dieser Höhle sieht man Tropfen herabfallen, die am Boden sofort zu einem sehr harten Gestein zusammenwachsen, das mit Kiesel die allergrößte Ähnlichkeit hat."

Die Übersetzung stammt von Archivdirektor Michel Hofmann aus Bamberg (einem gebürtigen Waischenfelder), der schon 1956 in den "Fränkischen Blättern" von dieser ersten Reisebeschreibung berichtete. Es gibt eine noch ältere Höhlenbeschreibung, die des Ahornloches, später bekannt als Sophienhöhle, doch diese Höhle wurde nicht mit wissenschaftlichen Augen betrachtet. Sie ist 1490 vom Bayreuther Markgrafen Friedrich an Hans Preu zum Salpetersieden verliehen worden.

Wissenschaftlich geforscht wurde dort erst, als man 1833 - durch einen Luftzug aufmerksam geworden - weitere Hohlräume, die Räume der heutigen Sophienhöhle, entdeckte. Es dauerte aber noch Jahre, ehe die Beschreibung der Höhle weitere Wissenschaftler neugierig werden ließ.

1684 beschrieb der Muggendorfer Pfarrer Mayer die Höhlen rund um seinen Ort. 1716 wurde eine Befahrung der "Wizzenhöhle" beschrieben und der Text veröffentlicht. Professor Grebner besuchte 1748 die Gaillenreuther Höhle zum gleichen Zweck.

Wissenschaftlicher Durchbruch

Der wissenschaftliche Durchbruch kam mit der erstmaligen Begehung der Gaillenreuther Höhle durch den Uttenreuther Pfarrer Friedrich Esper im Jahre 1771. Er veröffentlichte 1774 seine Forschungsergebnisse und beschrieb viele "neu entdeckte Zoolithen", weshalb man die Höhle dann dauerhaft umbenannte in Zoolithenhöhle bei Gaillenreuth.

Besuche von Professoren

Mit der Veröffentlichung des Buches begannen die stark vermehrten Besuche von Professoren mit ihren Studenten aus ganz Deutschland in die Region. Der erste Tourismusboom war die Folge und es begann ein ganz neues Fachgebiet: die Erforschung von Höhlen und Karsterscheinungen. Je öfter die Höhlen erforscht und beschrieben wurden, umso größer fiel nach und nach der Radius aus, um den herum man weitere Höhlen entdeckte.

In Waischenfeld beispielsweise sprach sich schnell herum, dass viele Gäste nach Muggendorf kamen, um die dortigen Höhlen zu besuchen. Und so propagierte man erfolgreich die Försterhöhle bei Zeubach, in der dann sogar König Ludwig I. 1833 zu Besuch war - daher hieß sie eine Zeitlang Ludwigshöhle.

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