Forchheim

Futterstelle soll den Vögeln helfen

Die Futterhäuschen sind bereits eingelagert. Doch der Landesbund für Vogelschutz ruft zur Ganzjahresfütterung auf. Beim Bund Naturschutz gibt es abweichende Meinungen. Langfristig hilft nur eine Umgestaltung der Gärten.
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Ein Star sitzt auf dem Futterhaus und schaut, was heute auf dem Speiseplan steht. Foto: Petra Malbrich
Ein Star sitzt auf dem Futterhaus und schaut, was heute auf dem Speiseplan steht. Foto: Petra Malbrich
Alles grünt und blüht, die Futterhäuschen für die Gartenvögel sind längst wieder eingelagert für den nächsten Winter. Doch in der heimischen Vogelwelt herrscht Hochsaison. Fast alle Vogelarten haben schon gebrütet und sind eifrig damit beschäftigt, Nahrung für ihren Nachwuchs zu finden. Das ist nur nicht so einfach, weshalb der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zur Ganzjahresfütterung aufruft.
"In unseren Gärten ersetzen häufig Zierpflanzen und Exoten die oftmals als Unkraut verschmähten heimischen Pflanzen, die wichtige Nahrungsquellen für Vögel darstellen. Den Blattläusen und Raupen wird mit der Chemiekeule zu Leibe gerückt. Die Futterstelle im Garten ersetzt deshalb in gewissem Maße die verloren gegangene Vielfalt in den Gärten", erläutert Helmut Schmitt, Vorstand der LBV-Kreisgruppe Forchheim den Aufruf zur Ganzjahresfütterung.


Seit Jahren diskutiert

Der Bund Naturschutz (BN) hat noch kein klares Ja, aber auch kein klares Nein zur Ganzjahresfütterung genannt. Seit Jahren wird dort über das Thema diskutiert, doch die Meinungen sind unterschiedlich. Das Körnerfutter sei nicht gut, denn die Vögel bräuchten nun Eiweißfutter, also Würmer und Insekten, erklärt Friedrich Oehme vom BN Forchheim.
Das weiß auch der LBV. Doch Schmitt sagt: "Gerade zur Brutzeit ist eine solche Fütterung besonders wichtig, denn so können die Elterntiere ihren eigenen Futterbedarf schnell und einfach an der Futterstelle decken und die so gesparte Zeit in die Suche nach Insekten zur Jungenfütterung investieren."
Ein Jungvogel im Nest muss circa alle halbe Stunde gefüttert werden. Wenn das nicht geschehen kann, dann kann es schnell gefährlich werden. Der Wermutstropfen an der Sache: Mit den Futterstellen werden nur zehn bis 15 Vogelarten angesprochen, deren Bestand stabil ist. Dabei wäre die Lösung einfach, da sind sich LBV und BN einig. "Der Garten soll ein Insektengarten sein", sagt Oehme. Der Bund Naturschutz versucht, die Garteninhaber für die sogenannten Blühflecken zu begeistern. Diese Blühflecken können ebenso gut blühende Böschungen oder Straßenränder sein. "Blühende Pflanzen und Kräuter. Wer einen Kompost hat, kann dort auch ein paar Brennnesseln stehen lassen", rät Oehme.
Auch die LBV-Kreisgruppe Forchheim plädiert dafür, im eigenen Garten anzufangen, denn die Thujahecke, der Einheitsrasen und exotische Sträucher böten kaum Nahrung für Insekten. "Diese Insekten sind wiederum die Nahrung vieler Vögel. Am besten ist ein naturnaher Garten mit einheimischen Sträucher, die im Herbst Beeren tragen, und alte Bäume mit Höhlen. Auch eine Blühwiese wird ihren Beitrag leisten und viele Insekten anlocken", betont Schmitt.
Selbst wenn die Leute Blumen gerne haben, die exotischen sind nicht ertragreich, wenn sie keine Pollen aufweisen. Einfache traditionelle Blumen wie die Margerite oder das Gänseblümchen nennt Oehme als Beispiel für gute, Insekten anziehende Blumen.
"Der traditionelle Bauerngarten ist das Ideal", sagt Oehme, rät aber auch dazu, die Löwenzähne nicht ganz auszurotten. Diese Pflanzen, wenn man sie im Herbst stehen lässt, haben dann selbst im Winter noch großen Nutzen für die Vogelwelt, ernähren sich die Vögel doch dann von den Samen, die sich dann entwickelt haben.


Eiweißreiches Futter

Wer die Vögel mit der Ganzjahresfütterung unterstützen möchte, findet geeignetes, auch eiweißreiches Futter auf jeden Fall im Laden des LBV. Gerne angenommen werden auch Rosinen und Haferflocken, die von den Elterntieren als eigenes Futter schnell gepickt werden, bevor sie weiter nach Raupen und Würmern für den bettelnden Nachwuchs suchen.
Ganz wichtig bei der trockenen und heißen Jahreszeit ist Wasser. "Auch eine Vogeltränke im Garten wirkt sich positiv aus", beteuert Schmitt. Wie es um die Vogelwelt in den Gärten bestellt ist, wird das Ergebnis der Stunde der Gartenvögel zeigen. Die Not der gefiederten Tiere kann aber durch die Ganzjahresfütterung kurzfristig, langfristig durch eine Umgestaltung der Gärten verbessert werden.


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