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Bamberg

Fußtritt gegen Kopf eines Obdachlosen

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss ein 30-jähriger Bamberger ins Gefängnis und sich einer Therapie unterziehen.
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Ein Fußtritt gegen den Kopf eines am Boden liegenden Obdachlosen Ende Juli 2019 hat einem 30-jährigen Lageristen aus Bamberg am dortigen Landgericht eine dreijährige Freiheitsstrafe eingebracht. Zugleich muss er sich einer Therapie in einer Entziehungsanstalt unterziehen, um sein Alkoholproblem zu lösen, das er seit 20 Jahren mit sich herumträgt.

"Es geht mir nicht in den Kopf, warum man auf einen am Boden liegenden Menschen eintritt. Leider häufen sich solche Fälle in denen offenbar keine Hemmschwelle zum Tragen kommt." Es kommt nicht oft vor, dass ein Oberstaatsanwalt, ein Pflichtverteidiger und die Strafkammer sich einig sind. Zum Abschluss des Prozesses um eine gefährliche Körperverletzung aber geschieht es. Zuerst beim sonst umstrittenen Thema Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen. "Die ist für die Aufklärung ein Segen," spricht der Anklagevertreter Otto Heyder und sein Gegenüber Rechtsanwalt Jochen Kaller stimmt zu. Wohl auch, weil sein Mandant angesichts der Aufzeichnung der Tat in einem Lieferanteneingang eines Tanzlokals um den Vorwurf des versuchten Totschlags herumgekommen ist.

Angriff in "Macho-Pose"

Die Bildsequenz zeigt den Angeklagten nämlich, wie er "in Macho-Pose mit nacktem Oberkörper" an den vor sich hindösenden Obdachlosen herantritt - und dann zutritt. "Sie wollten den Helden geben", so Heyder. Dabei spielt eine Rolle, dass die Freundin des Opfers den Angeklagten "anstachelt", indem sie behauptet, sie werde von ihrem Geliebten nicht nur geschlagen, sondern auch vergewaltigt. Auch wenn Letzteres nicht bewiesen werden kann, der Angeklagte glaubt an die Geschichte und verpasst dem anderen in aufgeheizter Stimmung eine Abreibung. "Hätte sie das mit der Vergewaltigung nicht gesagt, ich wäre nicht zu ihm hinübergegangen", so der Angeklagte in seinem Schlusswort.

Keine Warnung, kein Gespräch geht dem Gewaltausbruch voraus. Der Fuß, der in Sicherheitsschuhen mit Stahlkappen steckt, geht gegen den Kopf und trifft das Kinn. Einige Zähne im Unterkiefer werden in ihrer Verankerung gelockert. Eine Platzwunde im Mund "sieht dramatischer aus als es ist", so Jochen Kaller. Tatsächlich sind keine Knochenbrüche zu beklagen, nur Prellungen und Blutergüsse, was dafür spricht, dass der Angeklagte nicht mit voller Wucht unterwegs ist. Dies, sein Geständnis und die Tatsache, dass es bei einem Fußtritt ohne mehrfaches Nachtreten geblieben ist, verhindern eine weitaus längere Haftstrafe.

Zum anderen plädieren alle für eine Einweisung des Angeklagten in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Dort soll er in einer rund einjährigen Therapie hinter verschlossenen Türen vom Alkohol lassen. Die Tat hatte er nämlich mit fast zwei Promille begangen, ähnlich einem anderen Ausraster vor fünf Jahren. "Unser Fall erinnert doch sehr an diese Tat", so der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt. Damals waren es schwere Stiefel und ein Tritt an den Kopf eines auf einer Treppe liegenden Menschen. Ein Jahr und drei Monate zur Bewährung hatte es gegeben.

Warnungen halfen nicht

"Die zig Warnungen haben nichts genützt", so Heyder. Insgesamt finden sich 17 Vorstrafen der Amtsgerichte Hersbruck, Nürnberg und Bamberg, viele davon Bagatelldelikte wie Schwarzfahren oder kleinere Diebstähle. Aber eben auch Angriffe gegen Menschen und der sexuelle Missbrauch eines Kindes. Wenn die Behandlung gelingt, dann kann es sein, dass der Angeklagte, der seit sechs Monaten in Untersuchungshaft in der JVA Bamberg sitzt, keinen weiteren Tag mehr hinter Gittern verbringen muss. Seine Reststrafe könnte ihm zur Bewährung ausgesetzt werden.

"Wir geben Ihnen die Chance. Nun haben Sie es selbst in der Hand", so Manfred Schmidt. Der Angeklagte könne die Strafkammer mit einer erfolgreichen Therapie überraschen. Andernfalls müsse er die drei Jahre absitzen. Am Ende drohe dann, dass man sich alle halbe Jahre wieder vor Gericht sehe. Dass man das nicht mehr möchte, da sind sich wiederum alle einig.

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