Bamberg

Fußabdrücke der Zisterzienser

Im Diözesanmuseum Bamberg werden zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa gezeigt. Die Abteien waren untereinander vernetzt und arbeiteten - mit Ebrach als Zentrum - europaweit nach einheitlichen Idealen.
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Zisterzienzisches Erbe in Bamberg: der Neue Ebracher Hof in Bamberg  Foto: Villa Concordia/wk
Zisterzienzisches Erbe in Bamberg: der Neue Ebracher Hof in Bamberg Foto: Villa Concordia/wk

Das Diözesanmuseum Bamberg hat nach der Winterpause wieder seine Pforten geöffnet. Zudem lockt im gotischen Dom-Kreuzgang eine ungewöhnliche kulturhistorische Ausstellung ins Museum: "Vielfalt in der Einheit - Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa". Sie ist noch bis zum 24. März zu sehen.

Mit einem Netzwerk aus über 700 Abteien prägten die Zisterzienser, wie das Erzbistum Bamberg mitteilt, als einer der mächtigsten Orden seit dem Mittelalter Europa. Noch heute ist ihr Wirken nicht nur in den Bauten, sondern auch in unserer Landschaft ablesbar. Eine im Rahmen des europäischen Kulturerbe-Jahres entstandene Ausstellung zeigt, welche europaweit vergleichbaren Fußabdrücke das Zisterzienserkloster Ebrach in der Region hinterlassen hat.

Mönche als Landschaftsgestalter

Die "Weißen Mönche", aus Frankreich kommende Zisterzienser, machten die Abtei Ebrach zum Dreh- und Angelpunkt der Ost- und Südostausbreitung des Ordens. Neben der wichtigen spirituellen Rolle entwickelten die Mönche auch eine bedeutende Wirtschaftsmacht und gaben wesentliche Impulse für die Siedlungs- und Landschaftsstruktur in einem Radius von mehr als 50 Kilometern um ihr Kloster.

Durch die Vernetzung der Abteien untereinander und ihre europaweit einheitlichen Ideale wurden seit dem Mittelalter Wissen und Saatgut ausgetauscht, Handel betrieben und nach der gleichen Verfassung gelebt und gearbeitet. Im Umkreis der Abteien Morimond (Frankreich), Ebrach und Waldsassen (Deutschland), Rein und Zwettl (Österreich) sowie Plasy (Tschechien) ist diese gemeinsame europäische Identität noch heute sichtbar.

Silvaner, Salz und Holz

Zu den wesentlichen Merkmalen der zisterziensischen Landschaftsprägung, die auf den Ausstellungstafeln erläutert werden, zählen Wasserkanäle, Mühlen und Teichketten, alte Weinberge, Wälder, Wirtschaftshöfe mit ihren Feldern, Wallfahrtswege und -kapellen, die ehemaligen Amtsschlösser mit ihren Gärten sowie die städtischen Warenumschlagplätze, die sogenannten Stadthöfe. Hier fand der Wein, vor allem der von den Zisterziensern eingeführte Silvaner, seinen Absatz, ebenso wie das aus dem Tochterkloster Rein in der Steiermark bezogene Salz oder die Apfelsorte Graue Reinette, die durch die Zisterzienser ihren Weg aus Frankreich nach Franken gefunden hatte. Auch an Fisch, Getreide, Bier, Wolle, Leder, Buchen- und Eichenholz produzierte das Kloster durch seine Wirtschaftsstruktur weit mehr als es zur klösterlichen Eigenversorgung benötigte.

Die Ausstellung entstand im Rahmen eines Förderprojekts zum europäischen Kulturerbe-Jahr in der Trägerschaft des Landkreises Bamberg zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Es erhielt Mittel von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das Projekt wird aktuell in einen transnationalen Antrag zu einem europäischen Kulturerbe-Siegel für zisterziensische Klosterlandschaften überführt, den auch das Erzbistum Bamberg fördert.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. März dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im Diözesanmuseum Bamberg zu sehen. red

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