Haßfurt
Himmlische Aussichten

Für solidarisches Handeln und eine gerechte Wirtschaftsordnung

S ie kennen sicherlich das Gleichnis vom Weinbergsbesitzer, der den Tagelöhnern, die den ganzen Tag gearbeitet haben, und den anderen, die erst am Abend begonnen haben, den gleichen Lohn gibt. Falls n...
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Rudi Reinhart
Rudi Reinhart

S ie kennen sicherlich das Gleichnis vom Weinbergsbesitzer, der den Tagelöhnern, die den ganzen Tag gearbeitet haben, und den anderen, die erst am Abend begonnen haben, den gleichen Lohn gibt. Falls nicht, können Sie es bei Mt 20,1-16 nachlesen.

Es ist ein sehr provozierendes Gleichnis. Aber es kann uns auch am Tag der Arbeit, dem 1. Mai, zum Nachdenken anregen. Anders als zur Zeit Jesu - der Weinbergsbesitzer entscheidet, wie er will - geht es heute nicht nur um individuelle Entscheidungen im Wirtschaftsleben. Vielmehr haben wir es über unsere Demokratie auch in der Hand, unsere Wirtschafts- und Sozialordnung zu gestalten. Anders als zur Zeit Jesu gibt es auch hier Wahlmöglichkeiten. Heute garantieren in Europa der Sozialstaat, die Gewerkschaften und andere Interessensvertretungen, dass Grundrechte im Wirtschaftsleben geachtet werden. Das ist durchaus ein Schritt zu der im Gleichnis angelegten Forderung des Rechts auf ein Existenzminimum für alle. Daher kann es auch nicht richtig sein, die Märkte mit immer neuen Verträgen und Abkommen international immer weiter zu öffnen, ohne gleichzeitig genau die Grundrechte zu verankern, die die Würde des Einzelnen und die Bewahrung der Schöpfung garantieren.

Es ist richtig, dass unsere Kirche sich nicht einem Christentum verschrieben hat, das nur der Erbauung des Einzelnen dient. Unsere Kirche stärkt beides: solidarisches Handeln des Einzelnen wie auch das Eintreten für eine gerechte Sozial- und Wirtschaftsordnung. Die katholische Arbeitnehmerbewegung und die Betriebsseelsorge sind gegen jede Form des Kapitalismus. Sie treten zu Recht für die soziale Marktwirtschaft ein, die dem privaten Streben nach Gewinn einen gemeinwohl-

orientierten Ordnungsrahmen geben will, der auch jede und jeden Einzelnen und unseren Planeten schützen will. Es ist auch die Aufgabe von Christinnen und Christen, Augen und Ohren offen zu halten für die Formen des Wirtschaftens, die uns helfen, dem Götzen des Geldes seine kulturell prägende Kraft zu entziehen, um sie dann in die Gesellschaft einzubringen. (Rudi Reinhart ist Gemeindereferent und Betriebsseelsorger.)

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