Kulmbach
leserbrief

"Für meine ehemalige Schule, das MGF, schäme ich mich besonders"

Zum Artikel "Klimaschutz mit Gegenwind" (BR vom 21./22. September) wird uns geschrieben: Es war eher ein "Friday for Omas & Opas" auf dem Marktplatz in Kulmbach. Diese waren mit tollen Schildern und z...
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Zum Artikel "Klimaschutz mit Gegenwind" (BR vom 21./22. September) wird uns geschrieben: Es war eher ein "Friday for Omas & Opas" auf dem Marktplatz in Kulmbach. Diese waren mit tollen Schildern und zahlreich da. Standen ein für die Zukunft ihrer Enkel. Traurig aber, dass sich einerseits so wenige Firmen durchringen konnten, wenigstens für ein Stündchen mal Profit gegen Engagement zu tauschen. Viel trauriger aber, dass sich nur 30 SchülerInnen auf ihre eigene Veranstaltung getraut haben, viele davon, weil sie ohnehin eine Freistunde hatten.

Ein Armutszeugnis ist hier den Kulmbacher Schulen auszusprechen. Die haben aus meiner Sicht klar ihren Bildungsauftrag versäumt. Denn, liebe Schulleitungen und LehrerInnen: politische Bildung und Zivilcourage gehören - gerade heute - ebenso dazu, wie Wissenschaft, Sprachen und Co. Dass es vom Kultusministerium Druck gab, das haben wir alle mitbekommen. Dass unsere LehrerInnen für den 3. (!) weltweiten Klimastreik - es geht also hier keineswegs um allfreitägliches Fehlen - keinen Weg drumherum finden, oder überhaupt suchen, das finde ich sehr enttäuschend.

Für meine ehemalige Schule, das MGF, schäme ich mich besonders. Hier wäre für jeden Lehrer sogar ein kleiner Schülerausflug mit der Klasse möglich gewesen, um einerseits Sanktionen für die Anvertrauten zu umgehen, andererseits, um eine aktuelle Gelegenheit zu nutzen, um zu bilden. Auf dem Marktplatz gab es von den Rednern durchaus was zu lernen und das anschaulicher als im trockenen Unterricht nach Lehrplan: Gelebte Demokratie durch eine offene Bühne und Redner, die sich auch mal spontan entscheiden, etwas zu sagen. Der Klimawandel betrifft alle Bereiche und wäre einfach auch auf der Veranstaltung in Physik, Chemie, Wirtschaft, Geografie, aber auch Sprachen, etwa im Zuge der bald kommenden Klimawandelbedingten Migrationsströme, zu integrieren.

Für die Lehrerinnen und Lehrer muss ich damit leider eine klare 6 aussprechen. Ich war beileibe kein guter Schüler, aber in Punkto Gesellschaftskunde und Zivilcourage würde ich klar Nachsitzen anordnen. Mir wären direkt mehrere Möglichkeiten eingefallen, um dem normalen Unterricht fernbleiben zu können.

Es war eine gute Demo, aber ohne die Hauptakteure, die Schüler.

Janosch Asen

Marktleugast

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