Laden...
Stadtsteinach

Für eine Handvoll Schüler ...

Für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind, gibt es an den Schulen in Stadt und Landkreis eine Notbetreuung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Notbetreuung in der Praxis: Gabriel Schieber (10) und Enya Hohn (8) am Kickertisch; mit im Bild Tina Hempfling vom Hort der Geschwister-Gummi-Stiftung Foto: Sonny Adam
Notbetreuung in der Praxis: Gabriel Schieber (10) und Enya Hohn (8) am Kickertisch; mit im Bild Tina Hempfling vom Hort der Geschwister-Gummi-Stiftung Foto: Sonny Adam
+1 Bild

Keine Kinder, die rennen, keine, die munter lachen oder in der Pause herumtoben. So ruhig wie in diesen Tagen ist es im Stadtsteinacher Schulhaus sonst selten. Schulleiter Michael Pfitzner hat in der "schulhausfreien" Zeit Hund Charly mitgebracht. Der liegt unter dem Schreibtisch und genießt die Ruhe.

Schon seit zwei Wochen haben Kinder keinen Zutritt mehr zu den bayerischen Schulen - wegen der Corona-Pandemie. Eigentlich. Denn zwei Kinder befinden sich dennoch im Stadtsteinacher Schulhaus: Gabriel Schieber, zehn Jahre alt, aus der vierten Klasse und Enya Hohn (acht) aus der zweiten. Die beiden kickern gerade im Chill-Raum. Hortleiterin Tina Hempfling kündigt an, dass jetzt gleich ein Ausflug in den Wald auf dem Programm steht. "Das wird gut. Endlich raus", freut sich Gabriel und erzählt, dass er in der schulhausfreien Zeit schon zum zweiten Mal da ist. "Mein Papa ist bei der Bundeswehr, meine Mama arbeitet im Krankenhaus. Sie hat jetzt viel zu tun", sagt der Zehnjährige.

Dass es in der Schule und im Hort sehr ruhig ist, stört ihn nicht. "Ich habe noch eine Schwester, die stört mich manchmal bei den Hausaufgaben", sagt der Zehnjährige. Deshalb geht er gerne in die Notbetreuung.

Enya Hahn leistet ihm in der Stadtsteinacher Schule Gesellschaft. Ihre Mutter arbeitet in einem Seniorenheim. "Man kann hier Hausaufgaben machen und bekommt alles erklärt", sagt Enya. Eine Notbetreuung gibt es derzeit in Neudrossenfeld, Stadtsteinach, Mainleus, Melkendorf, Neuenmarkt-Wirsberg, Lanzendorf, Untersteinach-Ludwigschorgast sowie in Kulmbach an der Meußdoerffer-Schule, an der Pestalozzischule und in Ziegelhütten.

"Die Notbetreuung ist ausgeweitet worden", erklärt Michael Hack vom Schulamt in Kulmbach. Sie sei für Eltern gedacht, die in der Gesundheitsversorgung oder Pflege tätig sind oder aufgrund betrieblicher Notwendigkeiten keine Möglichkeit haben, die Kinder adäquat zu betreuen. "Reinigungspersonal in der Klinikküche gehört beispielsweise auch dazu", so Hack. Außerdem wende sich das Angebot an Eltern, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie im Bereich Versorgung tätig sind.

Damit die Lehrer und Betreuer nicht gefährdet sind, müssen Eltern versichern, dass die Kinder keine Krankheitssymptome aufweisen und in den vergangenen 14 Tagen weder Kontakt zu nachweislich infizierten Personen hatten noch sich in Risikogebieten aufgehalten haben.

Nicht jeden Tag

"Insgesamt sind im gesamten Landkreis Kulmbach 25 Kinder für die Notbetreuung angemeldet", erklärt Hack. Allerdings nähmen die Eltern das Angebot nur in Anspruch, wenn es auch wirklich vonnöten sei - nicht jeden Tag. Dies kann auch Michael Pfitzner bestätigen. "Die Eltern haben extrem flexibel reagiert. Sie gehen sehr verantwortungsbewusst mit der Situation um", so Pfitzner. "Wir hätten heute eigentlich drei Kinder gehabt. Aber eines hat Schnupfen. Die Mutter hat es zu Hause gelassen", bestätigt Tina Hempfling vom Hort der Geschwister-Gummi-Stiftung.

"Wir helfen bei den Schulaufgaben, wir spielen, wir basteln. Wir gehen auch an die frische Luft und kochen selber. Die Kinder haben in der Notgruppe Spaß", sagt sie . Probleme, Lehrer und Betreuer zu finden, gab es nicht.

Michael Zeitler, der Leiter der Neudrossenfelder Schule, berichtet ähnliches. Auch an seiner Schule gibt es ein bis drei Kinder, die das Angebot in Anspruch nehmen. Generell kann eine Betreuung bis 16 Uhr sichergestellt werden, doch aktuell sei es nur bis 13 Uhr nötig. "Bei uns arbeiten die Eltern vor allem im Pflegebereich."

Bis zu acht Kinder sind an der Grund- und Mittelschule Mainleus zu betreuen. "Wir haben einfach eine Tabelle gemacht und die Lehrer eingeteilt", erklärt Schulleiterin Doris Hörath. Auch in Mainleus seien niemals alle Kinder zugegen, sondern immer nur eine Handvoll. "Wir machen natürlich Hausaufgaben, aber wir gehen auch raus in den Pausenhof. Bei dem schönen Wetter haben wir die Beete im Schulgarten angelegt. Und in der Sporthalle können die Kinder toben", sagt Hörath. Auch in Mainleus wäre eine Betreuung sowohl durch die Schule als auch durch die Nachmittagsbetreuung der Arbeiterwohlfahrt sichergestellt - bei Bedarf sogar bis 16 Uhr.

Verwandte Artikel