Uehlfeld

Für den Kiebitz wird es kritisch

Im Aischgrund gibt es immer weniger Wiesenbrüter. Einige Landwirte und Vogelkundler versuchen, den Trend zu stoppen.
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Noch vor 20 Jahren lebten im Aischgrund so einige Wiesenbrüter: der Große Brachvogel, Wiesenpieper, das Braunkehlchen und noch einige mehr. Im Jahr 2019 lebt nur noch der Kiebitz hier. Laut dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), einem Zusammenschluss aller landesweiten oder regionalen ornithologischen Verbände in Deutschland, der etwa 8000 bis 9000 Feldornithologen und Vogelbeobachter vertritt, ist aber auch der Kiebitz stark gefährdet. Demnach sei der Bestand des Vogels wischen 1992 und 2016 um 88 Prozent zurückgegangen - und auch im Aischgrund schaut es nicht allzu gut aus für den Wiesenbrüter.

Laut Johannes Marabini von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Erlangen-Höchstadt gäbe es im Frühjahr und Herbst durchaus mehr Wiesenbrüter: "Sie machen im Aischgrund Zwischenstation." Was er feststellt: "Das Problem sind die Brutvögel, die uns ausgegangen sind." Die Wiesenbrüter fliegen schnell wieder weiter. Der Kiebitz braucht im Optimalfall einen sehr feuchten Lebensraum, denn er stochert gerne im Boden. Vor allem in den letzten beiden Sommern sei der laut Marabini viel zu trocken gewesen - das wirkte sich auch auf den Kiebitz aus. Sein Vorteil: Er ist flexibel. "Immer häufiger geht der Kiebitz auf Äcker", erklärt Matthias Bull vom silvaea biome-Institut (sbi). Der Vogel sei nicht so sehr ans Grün gebunden und baut deshalb seine Nester auch auf Ackerflächen. Das wiederum kann auch gefährlich für die Tiere sein: "Der Landwirt hat keine Chance, das Nest während der Fahrt zu sehen." Zu unauffällig, zu klein.

Räuber fressen die Eier

Doch durch Kartierer gelang es dem Institut, die Brutpaare ausfindig zu machen und die Landwirte zu warnen. Mit Gelegemarkierungen versehen können sie dann außen herum ihr Feld bewirtschaften und den Kiebitz nicht töten. Bereits seit 2018 gibt es das Projekt - mittlerweile beteiligen sich einige Landwirte im Aischgrund, die jetzt ebenso wie die Kartierer in Uehlfeld für ihren Einsatz geehrt wurden.

Im Aischgrund zwischen Mailach und Rappoldshofen hat das Institut heuer 18 Nester gefunden, in denen jeweils durchschnittlich 3,17 Eier waren. "Das ist ein Wert, der unter dem Durchschnitt liegt, aber immer noch im Rahmen ist", meinte Bull bei der Abschlusspräsentation des Wiesenbrüterprojekts der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Das Problem sei vielmehr die Anzahl an Jungvögeln, die tatsächlich flügge (also flugfähig) werden: Nur vier von 15 Beobachteten sind letztendlich ausgeflogen. Bull rechnet vor: Vier flügge Jungvögel auf 20 Brutpaare ergibt eine Nachwuchsrate von 0,2. Um die Population im Aischgrund zu erhalten, bräuchte es aber eine Rate von mindestens 0,8.

"Wir kriegen einfach zu wenig Jungvögel groß - das ist das Problem", resümiert Bull. Im Wesentlichen sind für ihn dafür drei Faktoren verantwortlich: landwirtschaftliche Bewirtschaftung, Nahrungsmangel bei Trockenheit und das Dasein als Beutetier. Wobei der letzte Aspekt laut Bull wohl der entscheidende ist. Um Uehlfeld herum werden die Kiebitzeier vor allem von Füchsen und Mardern gefressen. "Die meisten Verluste passieren nachts", erklärt Matthias Bull.

Johannes Marabini sieht aber auch andere Feinde als großes Problem für den Vogel an. "Die Population des Storchs ist immens angestiegen", stellt er fest. Damit sei er ein Problem für den Kiebitz - ebenso wie die Krähe. Während der Kiebitz früher noch in Kolonien brütete, muss er das heute alleine tun, erklärt Marabini. Dadurch könne er sich schlechter gegen Fressfeinde verteidigen, meist habe er das Nachsehen.

Eine Lösung des Problems wäre die Bejagung von Tieren auf dem Boden, "aktives Prädatorenmanagement" nennt das Bull. "Das ist aber sehr umstritten", führt er an. Denn wenn ein Fuchs weg ist, besetzt das Gebiet wieder ein neuer. Vielversprechender findet Bull "passives Prädatorenmanagement." Das heißt im Wesentlichen: großräumig Gebiete rund um Nester einzuzäunen, damit die Vögel solange drinbleiben, bis sie flügge sind. Potenzial sieht Bull im Aischgrund bei einigen Flächen. Durch das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) gebe es für Landwirte Ausgleichszahlungen, wenn sie bestimmte Naturschutz-Kriterien erfüllen. Mit dem Programm, für das man sich noch einige Wochen anmelden kann, verpflichtet sich der Landwirt für fünf Jahre - und rettet womöglich den Bestand der Wiesenbrüter.

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