Bad Kissingen

Für den Alltag unentbehrlich

Sie transportieren alles von A bis Z: Die Zahl der Nutzfahrzeuge hat 2019 bundesweit einen neuen Rekord erreicht. Auch im Kreis Bad Kissingen steigt die Anzahl dieser Fahrzeuge.
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3,15 Millionen schwere, vor allem aber leichte Nutzfahrzeuge sind in Deutschland unterwegs. Im Kreis Bad Kissingen sind davon 4192 Fahrzeuge aller Gewichtsklassen stationiert, wie die Auswertung der neuesten Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes für 2019 ergibt. Das sind 153 mehr als im Vorjahr.

Das Leben ist heutzutage eine logistische Meisterleistung, Dreh- und Angelpunkt sind Nutzfahrzeuge, die transportieren, was zu transportieren ist. Produktion braucht Rohstoff und Halbfertigprodukte. Handel braucht Ware, Handwerker müssen Team und Werkzeug zum Kunden befördern und der Online-Boom wäre nicht möglich. Nicht mal Bioläden oder der Bauernmarkt um die Ecke können ohne Nutzfahrzeuge, sobald mehr als 300 Kilo zu transportieren sind (da endet heutzutage meist die Kapazität von Lastenrädern).

Die 291 Lkw über 12 Tonnen, die im Kreis Bad Kissingen registriert sind, sind also Teil eines recht ausgeklügelten Logistiksystems, das die ganze Republik versorgt (wobei die hiesigen Lkw dazu beitragen, die Staatskasse heuer mit 7,5 Milliarden Maut zu füllen). Aber zahlenmäßig sind die schweren Lkw Leichtgewichte im Vergleich zu dem, was unter 12 Tonnen und speziell unter 3,5 Tonnen unterwegs ist: Die schweren Lkw und Lastzüge machen bei uns gerade mal 6,94 Prozent des Nutzfahrzeugbestandes aus.

Insgesamt 3898 Nutzfahrzeuge der kleinen Klassen bis 12 Tonnen sind da etwas ganz anderes. Im Kreis Bad Kissingen machen dabei die 3504 Nfz von unter 2,8 bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht rund 83,6 Prozent der Nutzfahrzeuge aus. Die Fahrzeugmodelle über 3,5 Tonnen und bis 12 Tonnen stellen mit 394 Fahrzeugen 1,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Fahrzeuge in der Klasse bis 3,5 to um 151 oder 4,5 Prozent. Bei den Typen zwischen 3,5 Tonnen und 12 Tonnen stieg die Zahl um 1 oder 0,3 Prozent. Unterm Strich haben Nutzfahrzeuge derzeit einen "Anteil von über 70 Prozent an der Transportleistung und bilden damit das Rückgrat unseres Verkehrs- und Wirtschaftssystems"', hieß es 2018 bei der IAA Nutzfahrzeuge von den Herstellern. Es gibt auch Bestrebungen, die Zahl der Nutzfahrzeuge in den Städten zu verringern. Im Fahrrad sprich Lastenrad liegt dabei für die Befürworter der Verkehrswende das Heil. Indes, die Geschichte hat einen mathematischen Haken: Eine Pizza per Pedes oder Pedelec, statt per Fiat oder Vespa zu transportieren, kein Problem. Die gesammelten Zalando-Bestellungen plus ebay plus Amazon plus X, die in den Kreis Bad Kissingen strömen, auf Lastenräder zu laden, geht im Prinzip auch. Nur hat ein Lastenrad eine Maximalzuladung von 300 Kilo, ein Lieferwagen je nach Größe das Zwei- bis Vierfache. Sprich, für alles, was heute ein Lieferwagen mit einem Fahrer bringt, müssen dann zwei, drei, vier Radler her. Nehmen wir mal drei als Daumenpeilwert und gehen davon aus, dass alle Klein-Lkw durch Lastenräder ersetzt werden können. Dann ist die Frage, ob 11 000 Lastenräder die Straßen weniger verstopfen.

Teja Banzhaf/zds

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