Bamberg
Lebensmittelhandwerk

Für Bäcker und Metzger sind schwierige Zeiten angebrochen

Bamberg — Im Freistaat ist die Anzahl der Betriebe des Lebensmittelhandwerks binnen fünf Jahren um 14 Prozent gesunken. Diese Zahlen gehen auf eine Pressemi...
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Die Zahl der Bäcker und Metzger ist in Oberfranken in letzter Zeit deutlich zurückgegangen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa
Die Zahl der Bäcker und Metzger ist in Oberfranken in letzter Zeit deutlich zurückgegangen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa
Bamberg — Im Freistaat ist die Anzahl der Betriebe des Lebensmittelhandwerks binnen fünf Jahren um 14 Prozent gesunken. Diese Zahlen gehen auf eine Pressemitteilung der Coburger Landtagsabgeordneten Susann Biedefeld (SPD) zurück. Demzufolge gab es im Jahr 2016 im Landkreis Bamberg neun Betriebseinstellungen, dementgegen stehen drei Neugründungen. Seit dem Jahr 2011 schrumpfte die Zahl der Bäckereien von 48 auf 40, die Zahl der Metzger von 78 auf 55. Lediglich die Konditoreien konnten von einem auf sechs Betriebe zulegen. Dieser Negativtrend ist auch bei den sinkenden Auszubildendenzahlen und dem damit verbundenen Fachkräftemangel festzustellen: In Bamberg gab es 96 Azubis im Lebensmittelhandwerk im Jahr 2011, 2016 nur noch 60. Dieser Rückgang von 36 Prozent liegt nur geringfügig unter dem bayernweiten Durchschnittswert von 39 Prozent.
Der Obermeister der Fleischerinnung Bamberg, Norbert Liebig, kann diese Entwicklung bestätigen. "In den Achtzigern und Neunzigern hatten wir bis zu 90 Berufsschüler im Fleischerhandwerk. Heute wird es schwierig, überhaupt noch Klassen zu bilden", sagt er. Aktuell seien es 21 Schüler, die allerdings aus Bamberg, Forchheim und Coburg zusammenkommen.
Alfred Seel, Obermeister der Bäckerinnung Bamberg, sieht in den gesunkenen Auszubildendenzahlen und dem damit einhergehenden Mangel an geschultem Personal vor allem ein Problem für kleine Betriebe. "Wenn bei zwei Mitarbeitern einer ausfällt, hat man nur noch fünfzig Prozent der Arbeitskraft übrig. Hier ist es für kleine Betriebe dann schwierig, Ersatz zu finden." In Großbäckereien sei ein solcher Ausfall weniger dramatisch.


Geflüchtete in Ausbildung

Die Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld (SPD) kritisiert die "kontraproduktive Abschiebepolitik" der Staatsregierung. Die Betriebe hätten wenig Sicherheit, wenn sie Geflüchteten einen Ausbildungsvertrag anbieten und diese dann abgeschoben werden.
Demgegenüber steht die sogenannte 3+2-Regelung. Diese soll Arbeitgebern, die Geflüchtete ausbilden wollen, sowie den Geflüchteten selbst mehr Sicherheit bringen: Auch bei abgelehntem Asylantrag soll die Regelung den Abschluss der Ausbildung sowie zwei weitere Jahre Aufenthalt für eine Anschlussbeschäftigung garantieren. Ein Ausbildungsvertrag ist hierfür obligatorisch. Seel stimmt der Aussage von Biedefeld über die Abschiebung angestellter Geflüchteter zu, solche Erfahrungen habe er bereits gemacht. "Sie machen gute Arbeit, strengen sich an, lernen die Sprache - und kurz vor der Zwischenprüfung kommt der Abschiebebescheid", sagt er. Die 3+2-Regel werde nicht konsequent angewendet, das sei das Problem.
Liebig kann dem hingegen nicht zustimmen. Er habe keine ähnlichen Erfahrungen bei Auszubildenden im Fleischerhandwerk machen können. Seiner Meinung nach haben die Probleme - losgelöst vom Asylthema - andere Ursachen. Einerseits wächst die Konkurrenz, vor allem durch Supermärkte. Diese erklären jedoch nur einen Teil des Problems - ein anderer erschließt sich durch die Akademikerschwemme: Viele Jugendliche würden sich für ein Studium entscheiden, statt eine Ausbildung anzutreten. Die Arbeit im Fleischerhandwerk sei selbstverständlich hart, 40 Stunden in der Woche würden häufig nicht reichen. Doch gerade der Mangel an Fachkräften bedinge eine gute Zukunftsperspektive in diesem Berufsfeld.


Zu wenig Nachfolger

Ein weiteres Problem ist der Mangel an Meistern. Häufig ist kein Nachfolger zu finden. So stünden zwar viele Betriebe zur Übernahme, sagt Seel. Doch die Investitionen würden sich für Neueinsteiger oft nicht lohnen. Wer keinen Nachfolger hat, der investiere nur noch wenig in den Betrieb, der anschließend an vielen Stellen überholt werden muss. Das macht die Sache zu teuer. Susann Biedefelds Bestreben ist es daher, die Fortbildung zum Meister kostenfrei zu ermöglichen. "Das wäre super", sagt Seel, "ist aber Wunschdenken." Der Prozess sei schlicht zu teuer, um es zu realisieren.
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