Laden...
Forchheim

Für 365 Euro mit dem Bus fahren

Der Kreisausschuss Forchheim befürwortet mehrheitlich die Einführung eines Jugendtickets. Kritik kommt vom Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bayerischen Landtag, Sebastian Körber.
Artikel drucken Artikel einbetten
Schüler und Auszubildende sollen im Bereich des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg ab Herbst für einen Euro pro Tag mit dem Bus fahren können.  Foto: Josef Hofbauer/Archiv
Schüler und Auszubildende sollen im Bereich des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg ab Herbst für einen Euro pro Tag mit dem Bus fahren können. Foto: Josef Hofbauer/Archiv

Josef Hofbauer Gegen die Stimmen von MdL Sebastian Körber (FDP) und Barbara Poneleit (Die Grünen) haben die Mitglieder des Kreisausschusses die Einführung eines Jugendtickets im Verbundraum des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg beschlossen. Das so genannte 365-Euro-Ticket soll bereits ab dem Schuljahr 2020/21 eingeführt werden.

Zuvor hatte das Gremium einer Satzungsänderung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) zugestimmt. Dadurch sollen Fördergelder künftig direkt an den VGN ausbezahlt werden, der dann für die Verteilung der Finanzen auf die Busunternehmen zuständig ist. Kreisrat Edwin Dippacher (CSU) mahnte bei der Einführung des 365-Euro-Tickets zur Eile. Es sei wünschenswert, dass diese Maßnahme rasch umgesetzt werde. "Ich hoffe, dass dieser Vorstoß nicht noch durch eine sich kurzfristige Verschiebung der wirtschaftlichen Prioritäten verhindert wird", betonte Dippacher.

Kreisrat Sebastian Körber (FDP) hielt die Einführung des Jugendtickets für falsch. Darüber sei bereits im Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtages diskutiert worden. Im Beisein des VGN-Geschäftsführers Andreas Mäder hätten Experten bestätigt, dass dies der falsche Ansatz sei.

System wird Geld entzogen

"Ich halte dies für ein klassisches Wahlkampfversprechen unseres Ministerpräsidenten Markus Söder", betonte Körber. Durch die Übernahme von zwei Dritteln der Kosten dieses Tickets würden dem System Erlöse entzogen. Durch das von der Staatsregierung versprochene billige Jahresticket fehlten dem öffentlichen Nahverkehr Erlöse, wenn nicht auf Dauer hohe Staatszuschüsse fließen.

Bereits im Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtags war die Befürchtung laut geworden, dass dann womöglich beim Ausbau der Infrastruktur, etwa beim Schienenverkehr, Einsparungen vorgenommen würden. Körber fürchtete: "Das endet so wie bei der Maut!"

Kreisrat Wolfgang Fees (SPD) dagegen sprach beim Jugendticket von einem "Schritt in die richtige Richtung". Zuvor hatte er sich vergewissert, dass von der geplanten Vergünstigung Schüler und Auszubildende profitieren werden. "Das Ticket gilt für Schüler bis zur zehnten Klasse sowie für Auszubildende", verdeutlichte Geschäftsbereichsleiter Frithjof Dier vom Landratsamt. Ausgenommen, so Dier, seien Studenten. Für sie gebe es bereits Vergünstigungen. "Sehr gut", stellte Wolfgang Fees fest. Wenn der angedachte Personenkreis täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre, sei das zu unterstützten.

Fast 200 000 Euro

Die Zustimmung des Kreisausschusses zu dem 365-Euro-Ticket stehlt allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Freistaat zwei Drittel des anfallenden Defizites übernimmt.

Für den Landkreis Forchheim bedeutet die Einführung eine finanzielle Belastung von 196 145 Euro jährlich. Dieser Betrag kommt zum laufenden Haushalt für den öffentlichen Personennahverkehr und die Schülerbeförderung noch hinzu. Für das laufende Jahr 2020 ist ein anteiliges Einnahmedefizit von 68 650 Euro zu schultern.