Kloster Banz

Fünf kriminell gute Musiker

Musikalische Ironie präsentierte mit Augenzwinkern und viel Musikalität die "BlechMafia Nürnberg".
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Schlagzeuge sind ungewohnte Anblicke auf dem Rasen in Kloster Banz. Im Bruderhof schlagwerkte Wolfgang Schniske aber im Auftrag der "BlechMafia". Fotos: Markus Häggberg
Schlagzeuge sind ungewohnte Anblicke auf dem Rasen in Kloster Banz. Im Bruderhof schlagwerkte Wolfgang Schniske aber im Auftrag der "BlechMafia". Fotos: Markus Häggberg
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Ob die Strukturen mafiös waren, lässt sich nicht sagen. Immerhin waren sie pieksauber und pieksauber gespielt. Die "BlechMafia Nürnberg" gastierte am Sonntagabend im Rahmen der Programmreihe des "Musiksommer Obermain" im Bruderhof. Zwei Stunden zwischen Jazz, Nichtjazz, Klassik und Kuriosa.

Wer kennt Julius Fucik? Tja, wer kennt den schon. Aber die Mafia aus Nürnberg kennt ihn und so zog sie zu seinen Klängen des "Einzug der Gladiatoren" am Publikum vorbei auf einen ihnen vorbehaltenen Rasen. Und siehe da, diesen Fucik kennen doch alle, ist es doch das bekannteste Zirkusmusikstück.

Musikalische Ironie

Auf "Scherzo - musikalische Ironie mit Augenzwinkern" lautete auch das Programm des Quintetts, das sich im Bereich der Kammermusik ebenso einen klangvollen Namen machte, wie im Jazz oder bei Ausflügen nach musikalisch sonstwohin. Ein Schlagwerker und vier Blechbläser, alles kriminell gute Musiker, allesamt studierte, orchester- und ensembleerprobte, musiklehrende oder meisterklassenabsolvierende Musikanten.

Aber was ist die weibliche Form von Mafioso? Mafiosa? Eine solche ist Trompeterin Regina Scherer, so etwas wie die zu vermutende Frontfrau. Auch sie, wie die meisten, mit drei, vier Instrumenten zu ihren Füßen. Doch wo anfangen? Vielleicht in so etwas wie der musikalischen Frühzeit, dem Vorabend des Barock und bei Monteverdi. Seiner "Scherzi musicali" nahm sich die Mafia an, wobei besonders das gefällige "Quel sguardo sdegnosetto" begeisterte.

Weiche Tonlagen

Wie Posaunist Stephen Jenkins die immer wiederkehrenden Melodiensprengsel als Taktgeber setzte, zu denen Trompeter Matthias Eckert grandios melodische Phrasen spielend zustieg. Erstaunlich auch, zu welch weichen Tonlagen die Musiker dabei fähig waren. Die Mafia verteilt bekanntermaßen Gunst und Geschenke. Mit den Scherzi bestanden diese ans rund 120 Köpfe zählende Publikum unter anderem auch aus einem Blick auf Claudio Monteverdi als begnadeten Melancholiker.

Zu den Geschenken gehörten aber auch Kalauer, so wie der: "Das Quintett stellt sich jetzt erst mal vor", so ein Ensemblemitglied ans Publikum gerichtet. Dann schüttelten sich die Mafiosi gegenseitig die Hand und gedachten nicht weiter des Publikums. Apropos Scherzo - Hornist Charly Hopp, sein Instrument ob der runden Form "Glücksrad" nennend, kalauerte mit, behauptete er doch, das Gegenteil dieser musikalischen Satzform zu kennen: "S'khert net so" (es gehört nicht so). Ein Witz von Franken für Franken.

Ein andermal wurde viel Aufhebens um eine Posauneneinlage gemacht, bis Jenkins in Mendelssohn-Bartholdys "Elfenreigen" unter dem Lachen des Publikums gerade mal drei Tönchen solistisch ablieferte. Musikalisch beeindruckend war aber auch ihre Fassung von Astor Piazzollas Libertango. Pythonesk wurde es auch, dafür sorgte nach der Pause schon Schlagzeuger Wolfgang Schniske, als er mit John Cleeses berühmtem "Silly Walk" durchs Publikum ging. Und wer hätte auch gedacht, dass man noch über die Wagner-Opern "Rein-Colt und Niegelungen" zu reden hätte.

Mit Joseph Horovitz' "Music Hall Suite", bestehend aus fünf Filmmusik anklingen lassenden Sätzen, ließ das Quintett auch die Zeit des Slapstick-Kino auferstehen, obwohl das Werk selbst nicht aus dieser Zeit stammt. Es machte Laune, zuzuhören und zuzuschauen. Vor allem auch, weil der Humor nicht nur mündlich geäußert wurde, sondern auch über beherrscht-kontrollierte Widersprüchlichkeiten in der Musik selbst, dann, wenn Beschwingtheiten gewollt im Sande verliefen und dafür das Darth-Vader-Thema auftauchte, eingepflegt durch Tubist Susumu Kakioze.

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