Kronach

Fünf Jahre Haft für Vergewaltiger

Ein Mann aus dem Kreis Kronach hat die 14 Jahre alte Freundin seiner Stieftochter sexuell missbraucht und geschwängert, das Opfer ist heute Mutter einer Tochter. Gegen das erste Urteil ging er in Revision.
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Der Angeklagte, hier mit seinem Verteidiger Albrecht von Imhoff, ging gegen das erste Urteil in Revision. Er sollte fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis.  Foto: Sandra Hackenberg
Der Angeklagte, hier mit seinem Verteidiger Albrecht von Imhoff, ging gegen das erste Urteil in Revision. Er sollte fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Foto: Sandra Hackenberg

In einer verhängnisvollen Nacht im Januar 2017 geriet das Leben eines 14 Jahre alten Mädchens aus dem Landkreis Kronach komplett aus der Bahn. Eigentlich wollte sie nur das erste Mal bei einer Freundin übernachten. Doch aus der Übernachtungsparty wurde ein Albtraum, aus dem es bis zum heutigen Tag kein Erwachen für sie gibt.

Weil er die Freundin seiner Stieftochter vergewaltigt hat, wurde ein inzwischen 34-Jähriger aus dem Landkreis Kronach bereits im September vergangenen Jahres zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Doch am Mittwoch sitzen sich Täter und Opfer erneut vor Gericht gegenüber, weil der Staplerfahrer die Strafe nicht akzeptiert. Er geht in Revision - und hat damit teilweise Erfolg: Die Haftstrafe wird auf fünf Jahre verkürzt.

Opfer war noch Jungfrau

"Meine Jugend wurde einfach komplett versaut", fasst das Opfer mit leiser Stimme im Sitzungssaal des Landgerichts Coburg zusammen. Ihr Vergewaltiger sitzt nur wenige Meter entfernt, betrachtet während ihrer Aussage teilnahmslos seine Hände.

An besagtem Abend gab er ihr und seiner 11-jährigen Stieftochter Sahnelikör zu trinken. Ob er ihnen so Betäubungsmittel verabreicht hat, kann nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden. In der Nacht hatte er dann ungeschützten Geschlechtsverkehr mit seinem Opfer, das zu diesem Zeitpunkt noch Jungfrau war - während es geschlafen hat. Seine Stieftochter lag offenbar während der Tat mit im Bett.

Während der Hauptverhandlung vor einem Jahr hatte der Vater von drei eigenen Kindern zuerst behauptet, sich an nichts erinnern zu können, weil er zu betrunken war. Später jedoch hat er eingeräumt, dass sich die Tat so zugetragen hat. Seine damalige Einschätzung der Situation: "Ist halt alles scheiße gelaufen."

Keine Erinnerung an Tat

Seinem Opfer fehlt bis heute jede Erinnerung, es ist am nächsten Morgen mit starken Bauchschmerzen aufgewacht, musste sich übergeben und konnte vier Wochen lang nicht zur Schule gehen. Ein Gutachter merkt an, dass die Jugendliche unter einer dissoziativen Amnesie leiden könnte - Gedächtnisverlust, der durch extrem traumatisierende Erlebnisse ausgelöst wird.

Nicht nur, dass die heute 17-Jährige seit der Tat mit Angstzuständen und Depressionen zu kämpfen hat: Sie wurde von ihrem Vergewaltiger schwanger, ist nun Mutter einer fast zwei Jahre alten Tochter: "Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, ist für mich die Welt zusammengebrochen."

Trotzdem sei ihr nie in den Sinn gekommen, das Baby nicht auszutragen: "Ich habe immer gesagt: ,Egal, wie man schwanger wird, man sollte nicht abtreiben.‘" Das kleine Mädchen wartet draußen, während ihre Mutter sagt: "Ich sehe mein Kind und weiß, wie es entstanden ist." Trotzdem liebe sie ihre Tochter über alles: "Ich weiß, dass sie nichts dafür kann, was passiert ist." Die Tiefpunkte kämen schubweise, sie könne nichts dagegen tun.

Angst und Albträume

Hinzu kommt die Angst vor dem Täter, der noch immer auf freiem Fuß ist und nur wenige Häuser entfernt wohnt: "Ich habe Albträume, dass er mich mit einem Messer bedroht oder irgendwann vor der Tür steht und mir meine Tochter wegnimmt."

Aufgrund der Schwangerschaft musste die Jugendliche die Schule nach dem Hauptschulabschluss verlassen, findet derzeit keine Ausbildung. Unterstützung bekommt sie von ihrer Familie, besonders von ihrer Mutter. "Sie war damals noch sehr kindlich, hat zuhause noch mit Puppen gespielt", erinnert sich die 47-Jährige an ihre Tochter, wie sie vor der Tat war.

Angeklagter schweigt

Seitdem habe sich ihr Mädchen komplett verändert: "Sie ist sehr zurückhaltend geworden, oft auch aufmüpfig - besonders gegenüber Männern." Häufig würde ihre Tochter weinen und sich fragen, warum ihr das alles passiert ist. Psychologische Hilfe lehnt sie bis heute ab, weil sie nicht über die Tat sprechen möchte.

Der Angeklagte schweigt zu alledem. Die Vaterschaft hat er inzwischen anerkannt, Unterhalt zahlt er keinen. Eine pädophile Neigung kann dem durchschnittlich intelligenten Mann laut einem Gutachter nicht nachgewiesen werden, allerdings ein Interesse an jungen, frühreifen Frauen ("Lolitas").

"Die Folgen, die das Ganze hat, haben wir heute deutlich vor Augen geführt bekommen", fasst Staatsanwalt Johannes Tränkle seine Sicht zusammen und fordert, das Strafmaß von fünf Jahren und neun Monaten Haft beizubehalten. Der Angeklagte habe das ihm entgegengebrachte Vertrauen missbraucht und die Situation ausgenutzt.

"Für die Geschädigte hat sich das Leben durch die Tat entscheidend geändert - und zwar für immer", macht Richter Stephan Jäger in seiner Urteilsbegründung deutlich. Seiner Meinung nach habe der Verurteilte bis heute keine Verantwortung übernommen oder Reue gezeigt.

Vielmehr habe er während des gesamten Verfahrens ein egozentrisches Verhalten an den Tag gelegt und sich selbst bemitleidet. "Vielleicht ist jetzt die Zeit, für die Tat geradezustehen", gibt er dem 34-Jährigen mit auf den Weg, der ihn bald ins Gefängnis führen wird.

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