Egloffstein

Freundin von Goethe

Schon als Kind sorgte sie als Zeichnerin für Aufsehen: Julie von Egloffstein starb vor 150 Jahren, am 16. Januar 1869.
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Julie von Egloffstein, 1811 - unbekannter Künstler.
Julie von Egloffstein, 1811 - unbekannter Künstler.
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Sie war eine begnadete Zeichnerin und Malerin. Sie war, ob ihres musischen Talents, eine begehrte Hofdame der Großherzogin Luise. Und sie war eine sehr gute Freundin des Geheimen Rats Johann Wolfgang von Goethe, mit dem sie viele Stunden ihres Lebens verbrachte. Julie von Egloffstein aus Egloffstein starb vor 150 Jahren, am 16. Januar 1869.

Sie hatte schon früh das Reisen gelernt. Weimar war ihr erstes Ziel, mit drei Jahre lernte sie Johann Wolfgang von Goethe kennen und legte damit den Grundstein für das in späteren Jahren enge Verhältnis zu Goethe, der sich gerne als ihr väterlicher Freund um sie kümmerte, sie aber auch forderte. Deutlich wird die Beziehung bei einem der vielen Treffen, das schriftlich festgehalten worden ist:

1818, am 27. Februar. Mit Friedrich von Müller war Julie von Egloffstein zu Gast bei Goethe. Seinem Tagebuch vertraut Müller über den Besuch an: "Wir waren erst ganz allein mit dem alten Herrn und Ottilie, und da war er ganz allerliebst. Julie legte ihre Zeichenbücher vor, die er sehr humoristisch kritisierte. Sie solle "Perspective studieren" riet er ihr.

Wenige Wochen später, Mitte März belegte sie tatsächlich das Studium der Meisterwerke der Malerei in Dresden. In "Goethes Gespräche" findet sich der entsprechende Eintrag: "Außerdem noch habe ich auf Goethes Wunsch und Geheiß ein neues Studium begonnen - die Perspective nämlich, und zwar beim hiesigen Theatermaler, der die bequemste Methode haben soll es den Leuten beizubringen und zwar in kurzer Zeit. Ich scheute die neuen Kosten und sträubte mich; Goethe meinte, ich sei nur zwei Zoll breit vom wahren Weg entfernt und könne nur durch die Kenntniß der Perspective dahin gelangen."

Er hatte damit wohl recht. Goethe nahm lebhaften Anteil an der künstlerischen Entwicklung. Er nannte sie liebevoll "meine glückliche Zeichnerin".

Julie von Egloffstein war eine in Hofkreisen anerkannte Künstlerin, die schon als Kind für Aufsehen sorgte. Wegen ihres zeichnerischen Talents, rief ihr Herzogin Anna Amalia einmal zu: "O, warum lebt kein Raphael mehr um dich zu malen und dein Lehrer zu werden". Ihr Schwerpunkt lag im Portrait und in der Landschaftsmalerei.

Freundschaft pflegte sie unter anderem mit Ludwig Tieck, der gleiche, der mit Freund Wilhelm Heinrich Wackenroder 1793 die berühmte "Pfingstreise" durch die Fränkische Schweiz und das Fichtelgebirge unternahm. Inwiweit beide über die Heimat von Julie redeten, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass Wackenroder und Tieck das Trubachtal nicht durchritten haben, sondern vor allem die Gegend um Muggendorf, mit den damals berühmten Höhlen. Auch die Frage, ob Goethe jemals in der Fränkischen Schweiz war, ist noch nicht beantwortet, obgleich er mit Julie von Egloffstein und Kanzler von Müller, der aus Kunreuth stammte, zwei sehr enge Freunde in der Region hatte. Auch zu Jean Paul aus Bayreuth pflegte Julie enge Kontakte, die er, wie damals üblich, nach einem Besuch im Sommer 1821 in romantischen Texten wiedergab: "Ihr Blatt, verehrte Julie, ist weiß wie die Blüten; und die Kunstwerke Ihrer Hand sind ihre Früchte. Mein Blatt ist nur grün wie das Laub, das die Blüten umgibt, aber es ist doch noch nicht verwelkt, sondern die Hoffnung grünt fort, Sie wiederzusehen".

Julie von Egloffstein kam am 12. September 1792 in Erlangen auf die Welt. Mit ihren Eltern zog sie nach Weimar und später nach Hannover, ehe sie 1812 für längere Zeit wieder nach Egloffstein kam, um den Kriegswirren der Französischen Revolution zu entgehen. Eine Gedenktafel auf der Komtessen Ruh, einem Aussichtsplatz unterhalb der Burg Egloffstein, erinnert noch heute daran. Nachdem ihre Mutter Henriette nach einer Scheidung 1804 Carl von Beaulieu-Marconnay heiratete, wurde das Klostergut Marienrode ihr neues Zuhause. 1816 ging Julie wieder nach Weimar. Hier vertiefte sie ihre Beziehung zu Goethe und anderen Künstlern.

Bis Anfang der 1830er Jahre war Julie viel in Italien. Ihr gefällt der Lebensstil und das Klima tut ihrem Augenleiden gut. 1835 trifft sie den Bayernkönig Ludwig I. Sie malt ihn und seine Ehefrau, Königin Therese; beide sind hocherfreut über die Portraits. 1848 kehrt sie nachWeimar zurück. Sie wird überhäuft mit Annehmlichkeiten und Gunsterweisungen, doch sie geht nach Marienrode, zu ihrer Mutter Henriette und ihren Schwestern Auguste und Caroline. Dort blieb sie bis zu ihrem Tode am 15. Januar 1869.

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