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Seßlach

Freudenszeichen in Krisenzeiten

Auch im Coburger Land beteiligten sich viele Hobbymusiker an der Aktion "Musik aus dem Fenster". Sie spielten Beethovens "Ode an die Freude".
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Kevin Münch (von links), Michael Beetz und Philipp Stark von der Stadtkapelle Seßlach spielten gemeinsam für die Aktion "Musik aus dem Fenster" in der Seßlacher Siedlung, auch wenn sie den Titel (noch) nicht wörtlich nahmen. "Wir wollen irgendwie gemeinsam durch die schwere Zeit gehen", versicherte Beetz. Fotos: Bettina Knauth
Kevin Münch (von links), Michael Beetz und Philipp Stark von der Stadtkapelle Seßlach spielten gemeinsam für die Aktion "Musik aus dem Fenster" in der Seßlacher Siedlung, auch wenn sie den Titel (noch) nicht wörtlich nahmen. "Wir wollen irgendwie gemeinsam durch die schwere Zeit gehen", versicherte Beetz. Fotos: Bettina Knauth
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Die Coronakrise fördert kreative Ideen: Wenn keine Oper, keine Operette und kein Musical mehr aufgeführt werden und alle Konzerte ausfallen, bringen sich Musiker eben auf alternative Weise zu Gehör: Am Sonntagabend setzten bundesweit Musizierende mit "Musik aus dem Fenster" ein besonderes Zeichen. Nach italienischem Vorbild sangen und spielten sie aus dem Fenster ihrer Wohnung oder ihres Hauses heraus, positionierten sich auf dem Balkon oder vor ihrem Zuhause. Ausgewählt wurde die "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven, die instrumentelle Grundlage der Europa-Hymne.

Zur Unterstützung der Aktion hatte auch der Nordbayerische Musikbund (NBMB) aufgerufen. Auf seiner Website konnte sich jeder Teilnehmer rechtzeitig die Noten für verschiedene Stimmen und Instrumente von Alt- und Bariton-Saxofon über Fagott, Flöte, Horn, Klarinette, Kontrabass, Melodica, Stabspiele, Trompete und Tuba bis Violoncello und Waldhorn für den vierten Satz der neunten Sinfonie Beethovens herunterladen. Wer den Text "Freude schöner Götterfunken" dazu singen wollte, erhielt als Anweisung, die Zeilen "frisch und hoffnungsvoll" zu Gehör zu bringen.

Starke Beteiligung

"Diese Aktion soll ein Zeichen der Solidarität sein für alle von der Coronakrise ganz besonders betroffenen Mitmenschen, insbesondere die Erkrankten und die vielen Helfer in Krankenhäusern, Supermärkten oder wo auch immer", lautete die Ankündigung. Deshalb sollten sich auch weniger Geübte, große wie kleine Hobbymusiker, beteiligen, galt doch auch hier das olympische Motto "Dabeisein ist alles". Niemand erwarte ein perfektes musikalisches Event, hieß es vorab.

Der Aufforderung "Geben Sie sich einen Ruck, machen Sie mit!" kamen, wie in Ahorn, Dörfles-Esbach oder Rödental, auch in Seßlach zahlreiche Musiker nach. "Ich möchte ein Zeichen der Solidarität setzen", begründete Trompeter Alexander Leffer von der Stadtkapelle Seßlach seine Teilnahme. Er brachte die "Ode an die Freude" in der Seßlacher Altstadt, gegenüber dem Pflegeheim der Flender'schen Spitalstiftung, zu Gehör. Die Kollegen Michael Beetz, Kevin Münch und Philipp Stark spielten mit Tuba, Bariton und kleiner Trommel (Snare Drum) gemeinsam in der Seßlacher Siedlung - mit gebotenem Abstand voneinander.

"Ich bin durch die Aktion in Italien darauf aufmerksam geworden", erklärte Beetz, "wir wollen doch irgendwie gemeinsam durch die schwere Zeit gehen." Den Kopf in den Sand zu stecken und sich nur zu verkriechen sei nicht der richtige Weg, fügte er hinzu. "Stattdessen möchten wir der Gesellschaft und den Nachbarn etwas Mut und Aufmunterung schenken."

Eine kleine Abwechslung

In Heilgersdorf musizierten gleich 13 Mitglieder des Posaunenchors von daheim, aus dem Fenster oder im Garten. Thomas Obermeier war mit seiner Tuba dabei: "Das ist eine tolle Sache und bietet den Nachbarn eine kleine Abwechslung und Unterhaltung in der jetzigen schweren Zeit; wir Musiker können so unseren Beitrag leisten."

Einen Seitenhieb kann sich Obermeier angesichts des bundesweiten Hickhacks um geeignete Maßnahmen in der Coronakrise nicht verkneifen: "Vielleicht sollten wir bei einer Wiederholung deutschlandweit die Bayernhymne spielen, um zu zeigen, wer derzeit in Deutschland die Richtung vorgibt?"

An eine mögliche Wiederholung am kommenden Sonntag dachte auch Beetz bereits: Infolge des eingeschränkten Ausgangsverbots kündigte er an, nächste Woche "wirklich nur noch aus dem Fenster" spielen zu wollen. "Nicht nur wir Musiker, sondern sehr viele Menschen würden sich freuen, wenn wir dann noch viel mehr Unterstützer, Musiker wie auch Sänger, bekommen würden", sagte der Seßlacher. "Bis dahin: Bleibt daheim und bleibt gesund!"

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