Ebern
Ausflug (I)

Freie Wähler gingen ins Gefängnis

Es ist kein Kinderspiel, da rein zu gelangen, für viele noch schwieriger wieder rauszukommen: Eberns Freie Wähler gingen ins Gefängnis, aber nur zu Besuch, wie es bei Monopoly heißt. Die Exkursion in ...
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Es ist kein Kinderspiel, da rein zu gelangen, für viele noch schwieriger wieder rauszukommen: Eberns Freie Wähler gingen ins Gefängnis, aber nur zu Besuch, wie es bei Monopoly heißt. Die Exkursion in die Justizvollzugsanstalt Bamberg, mitten in der Altstadt zwischen Regnitz und Sandstraße gelegen, war für 21 Teilnehmer sprichwörtlich aufschlussreich und informativ. Mehrere Sicherheitsschleusen wurden passiert, jeder Schritt per Kamera überwacht. Und als die Besuchergruppe nach fast zweistündiger Führung wieder in die Freiheit gelangte, wurde sie vor dem schweren Gefängnistor von Touristen komisch beäugt.

Die seltene Gelegenheit eines Knast-Rundganges hatte Andreas Mölter arrangiert, der mit Details über seine Arbeit und die seiner Kollegen aufwartete. Er zeigte die Begegnungsräume für Besucher und Anwälte, die Gerätschaften für die erkennungsdienstliche Behandlung von Zugängen, aber auch die unterschiedlichen Zellen-Typen, die auf die Besucher wahrlich wenig attraktiv wirkten und für den Extremfall nur mit einer Matratze und einem Stehklo ausgestattet sind.

Auch Kraft- und Unterrichtsraum stehen zur Verfügung. Es gibt Sucht- und Schuldner-Beratung, Psychologen, Sozialarbeiter und Pfarrer beider Konfessionen, die zwei Mal im Monat in einer schmucken Kapelle Gottesdienst feiern. "Da kommen in der Regel zwischen 20 und 30 Leut', an Weihnachten sind alle da."

Resozialisierung im Vordergrund

Der Ansatz der Resozialisierung steht während des Vollzuges immer Vordergrund. Auch eine 100-prozentige medizinische Versorgung sei gewährleistet, versicherte Mölter. Für die Essenszubereitung zeichnet sich die Awo Bamberg verantwortlich, die zum Mittagsmahl bis zu sieben verschiedene Gerichte anliefert.

"Wir sind randvoll", sagte Mölter zur aktuellen Belegung, ohne Zahlen zu nennen. Laut Wikipedia ist die 1995 für 18,2 Millionen DM sanierte Haftanstalt für 212 Haftplätze im Erst- und Regelvollzug, darunter 25 für Frauen und 27 im offenen Vollzug konzipiert. Im Volksmund wird die Anstalt wegen ihrer Lage in der Oberen Sandstraße von den Bambergern fast liebevoll "Café Sandbad" genannt.

Viele der knapp 70 Mitarbeiter, die den Dienst im Vier-Schicht-System verrichten, hoffen aber auf einen baldigen Neubau, wie er von der Politik auch schon angekündigt wurde.

Weitaus wohler fühlten sich die Freien Wähler in der Nachbarschaft des Gefängnisses. Beim Abschluss im "Schlenkerla" waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Ausführungen höchst interessant waren, man es aber es bei gelegentlichen Informationsbesuchen im Café Sandbad belassen möge. red

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