Coburg

Frauengehalt ist 15 Prozent niedriger

Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen. Das fordert ein NGG-Gewerkschafter für alle Branchen.
Artikel drucken Artikel einbetten

Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: In Coburg verdienen Frauen, die in Vollzeit arbeiten, 15 Prozent weniger als Männer. Im Landkreis Coburg sind es sogar 20 Prozent weniger. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum heutigen Internationalen Frauentag mitgeteilt.

Sie verweist hierbei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle in Coburg auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 3724 Euro pro Monat - Frauen hingegen nur auf 3179 Euro. In Bayern beträgt der Verdienstunterschied bei Vollzeit zwischen den Geschlechtern 17 Prozent (Männer: 3556 Euro, Frauen: 2968 Euro). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen häufig hätten, insbesondere aber auch an der mangelnden Zahlungsbereitschaft von Unternehmen, so die NGG Oberfranken.

"Diskriminierung"

Gewerkschafter Michael Grundl spricht von einer "Diskriminierung per Lohnzettel". Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren zögen. "Dabei sind es immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem langen Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern - und das unbezahlt."

Auch deshalb seien sie oft gezwungen, weniger zu arbeiten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktuell 79 Prozent aller Teilzeitstellen in Coburg weiblich. "Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass sie nur eine halbe Stelle haben - oder noch weniger", kritisiert Grundl.

Allein das Gastgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur in der Stadt 810 Minijobber. 480 von ihnen sind Frauen.

Die Folgen seien spätestens im Rentenalter "dramatisch", so die NGG. Am Ende zahlten Steuerzahler die Quittung für die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Damit müsse Schluss sein. "Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen."

Die Möglichkeit dazu biete zwar das sogenannte Entgelttransparenzgesetz, das seit gut einem Jahr gilt. Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern das Recht zu erfahren, was ein Kollege in vergleichbarer Position verdient. Chefs müssen dann bestehende Unterschiede abschaffen. Doch laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wird das Gesetz bisher kaum genutzt. Nach Einschätzung von Michael Grundl liegt das auch daran, dass kleine Betriebe vom Gesetz ausgenommen sind - "obwohl die Lohnunterschiede dort besonders groß sind". red

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren