Forchheim

Franzosen besetzen Forchheim

Lorenz Neubauer aus Buckenhofen besitzt ein Schriftstück aus dem Jahr 1796. Trotz aller Beteuerungen an die Forchheimer kam es zu Plünderungen und Verwüstungen. Der Verfasser wurde später zum König von Schweden gekrönt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Original-Schreiben von General Bernadotte Foto: Rolf Kießling
Das Original-Schreiben von General Bernadotte Foto: Rolf Kießling
+1 Bild

Seit vielen Jahren sammelt Lorenz Neubauer aus Buckenhofen alte Postkarten und historische Briefe. Kein Wunder also, dass sich in seiner umfangreichen Sammlung so manche Rarität befindet. Dazu zählt auch ein Aufruf aus der Zeit, als französische Truppen in Deutschland Krieg führten. Der Brief stammt aus dem Jahr 1796, als die Festungsstadt Forchheim drei Wochen lang von Franzosen besetzt war.

Schon das Datum des Schreibens lässt aufhorchen. Der Brief wurde in "Vorchheim am 9. Fructidor des vierten Jahres der Regierung" verfasst. Diktiert hat ihn ein französischer General namens Bernadotte. Worum geht es in dem Schreiben? Was genau spielte sich damals in Forchheim ab?

Es bricht auseinander

Während in Frankreich infolge der Revolution von 1789 Aufbruchsstimmung herrschte, knarrte es im Gebälk des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bedenklich. Die jahrhundertealte politische Einheit, der neben Österreich und Preußen zahlreiche mittlere, kleine und kleinste Territorien angehörten, drohte auseinanderzubrechen.

Die Gefahr war umso größer, als die Revolutionäre nicht nur ihre Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ins europäische Ausland exportierten, sondern bald auch Truppen hinterhersandten, um französische Macht- und Besitzansprüche diesseits des Rheins geltend zu machen. Einer dieser Kämpfer war Jean-Baptiste Bernadotte.

Kriegsschauplätze

Von der Lahn aus drangen die französischen Truppen in südlicher und südöstlicher Richtung vor. Sie nahmen am 4. August 1796 Bamberg ein, die Hauptstadt des Hochstifts. Fürstbischof Christoph Franz von Buseck war nach Prag geflohen. Von Bamberg aus rückten die Franzosen auf die bischöfliche Festungsstadt Forchheim vor. In Eggolsheim setzten französische Soldaten mehrere Häuser in Brand.

In Forchheim hätte sich die Lage dramatisch zuspitzen können. Südlich von Forchheim hatten sich die kaiserlichen Truppen verschanzt, insgesamt 20 000 Mann. Die Truppen des Oberbefehlshabers, General Jean-Baptiste Jourdan, waren jedoch in der Überzahl. Vor den Toren der Stadt kam es zu Verhandlungen zwischen dem französischen General Michel Ney und dem Festungskommandanten Heinrich August Marschalk von Ostheim. Als dieser kapitulierte und die Festung übergab, konnten die französischen Truppen die Stadt Forchheim kampflos besetzen. Man hatte wohl erkannt, dass die gewaltigen Festungsmauern dem Artilleriebeschuss der Angreifer nicht standgehalten hätten.

Unter preußischer Herrschaft

In der Folgezeit verlagerte sich das Kriegsgeschehen in Richtung Oberpfalz. Die ehemals markgräflichen Städte Baiersdorf und Erlangen sowie ihr Umland gehörten seit 1791 zum Königreich Preußen. Wegen des Sonderfriedens zwischen Frankreich und Preußen blieben diese Gebiete vom Krieg verschont. Auch Hausen stand damals unter preußischer Herrschaft - zum Glück für die Einwohner des Dorfes.

Die französischen Truppen setzten den kaiserlichen Einheiten nach, die über Neunkirchen am Brand und Eschenau in südöstliche Regierung marschierten. Der Vormarsch der Franzosen konnte jedoch gestoppt werden. Bei Gefechten nahe Deining im Laabertal (21./22. August) und in der Schlacht von Amberg (24. August) erlitten die Franzosen empfindliche Niederlagen, so dass sie den Rückzug antreten mussten. Dies geschah in etwa auf der gleichen Route wie beim Vormarsch. So kam es, dass Ende August erneut französische Truppen - von Eschenau und Gräfenberg her kommend - in Forchheim einmarschierten.

Botschaft an die Bevölkerung

Der "9. Fructidor des 4. Jahres" war Freitag, der 26. August 1796. An diesem Tag diktierte General Jean-Baptiste Bernadotte jenen Aufruf. Es handelt sich um eine Bekanntmachung an die Bewohner der Stadt sowie mehrerer Landgemeinden, alle nördlich von Forchheim gelegen.

Bernadotte verfährt nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche. Er gibt bekannt, dass sich 25 000 Franzosen in der Gegend aufhalten "und ihren Posten verteidigen werden". Zugleich fordert er die einheimische Bevölkerung auf, "stille und ruhige Zuschauer der Kriegsereignisse zu bleiben". "Widerspenstiges Betragen" werde man mit Strenge beantworten. Im Gegenzug verspricht der General, dass seine Truppen "die treueste Manneszucht beobachten" werden. Verstöße dagegen würden hart bestraft. Wörtlich heißt es sodann: "Der Herr General gibt sein Ehrenwort, dass friedsame Bürger und Landleute in ihrem Eigentum beschützt werden."

Das Schreiben ist in einem etwas holprigen Deutsch verfasst, möglicherweise aufgrund einer mangelhaften Übersetzung aus dem Französischen. Für die Verbreitung des Schreibens hatte der Oberamtmann der Stadt und des Amtes Forchheim zu sorgen.

Trotz aller Beteuerungen Bernadottes: Die einheimische Bevölkerung hatte unter den Besatzungstruppen viel zu leiden. Im Laufe des Feldzugs kam es immer wieder zu Plünderungen, Felder wurden verwüstet, Häuser in Brand gesetzt.

Zeughaus leergeräumt

In Forchheim wurde das Zeughaus leergeräumt. Waffen und andere kriegswichtige Gerätschaften wurden in Kisten verpackt und diese auf vier Schiffen in Richtung Schweinfurt verfrachtet. Auch 70 Geschütze wurden demontiert und die bronzenen Kanonenrohre requiriert. Die außerhalb der Stadtmauern gelegene Papiermühle wurde in Brand gesteckt, das untere Brauhaus sowie andere Bauten in der Stadt wurden zerstört oder beschädigt.

Soldaten einquartiert

In den Bürgerhäusern der Stadt waren zahlreiche Soldaten einquartiert, die verpflegt werden mussten. Vor allem die Herren Offiziere ließen es sich auf Kosten der Einheimischen gutgehen, wie Zeitzeugen berichten.

General Bernadotte residierte im bischöflichen Amtshaus (heute Nürnberger Straße 3). Die angefallenen Kosten stellte der Oberamtmann Karl Freiherr von Münster der Stadt Forchheim in Rechnung. Auch die Pferde der Reitersoldaten mussten mit Hafer, Heu und Stroh versorgt werden. Als die Franzosen schließlich abzogen, atmeten die Menschen in Stadt und Land auf.

In französischer Geiselhaft

Sämtliche Kriegskosten wurden der einheimischen Bevölkerung aufgebürdet. Die Stadt Forchheim musste ein Darlehen in beträchtlicher Höhe aufnehmen, um die anfallenden Kosten bestreiten zu können. Als das Hochstift Bamberg nicht alle Geldforderungen erfüllen, die Requisitionen nicht in voller Höhe bezahlen konnte, schreckten die Franzosen selbst vor drakonischen Maßnahmen nicht zurück. Dies geschah zum Beispiel im Fall des Dekans und Stadtpfarrers Johann Baptist Reuder (1753 bis 1811). Der Seelsorger wurde am 18. August 1796 zusammen mit 13 anderen Männern aus dem Hochstift Bamberg in Geiselhaft genommen und nach Frankreich verschleppt. Bis zum 4. August 1797 war Reuder in der Festung Charlemont nahe der Stadt Givet in Haft. Aus Dankbarkeit für seine Rückkehr ließ Reuder eine Kapelle errichten, die noch heute an sein Schicksal erinnert. Auch eine Straße wurde nach dem damals ranghöchsten Geistlichen Forchheims benannt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren