Bad Staffelstein
Vortrag

Frankenpatron St. Kilian hält seine schützende Hand über Stadt und Land

Der Ort für den Vortrag des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) "Kilian, der Frankenpatron - ein Heiliger mit politischen Aufgaben" war sehr gut gewählt: Das Stadtmuseum, in dem...
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Die Figur des Staffelsteiner Kiliansbrunnen am Kirchplatz
Die Figur des Staffelsteiner Kiliansbrunnen am Kirchplatz
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Der Ort für den Vortrag des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) "Kilian, der Frankenpatron - ein Heiliger mit politischen Aufgaben" war sehr gut gewählt: Das Stadtmuseum, in dem rund 30 Interessierte den Ausführungen der Volkskundlerin lauschten, liegt nur wenige Meter entfernt von der Stadtpfarrkirche St. Kilian.

Referentin Inge Weid hat Volkskunde, Geschichte und Germanistik in Würzburg studiert - in jener Stadt, in der die Verehrung des Heiligen Kilian erwuchs und bis heute präsent ist.

Der Überlieferung zufolge ist der um 640 in Irland geborene Kilian ein iro-schottischer Missionsbischof gewesen. Zusammen mit seinen beiden Wegbegleitern Kolonat und Totnan kam er Ende des 7. Jahrhunderts nach Würzburg, soll in der Region missioniert haben und 689 ermordet worden sein.

Nach der Begrüßung der Referentin durch Bezirksheimatpfleger Günter Dippold ging Inge Weid auf die Frage ein, warum irische Glaubensboten nach Süddeutschland kamen. Ursprünglicher Beweggrund sei wohl das durch das Pilgern in Aussicht gestellte eigene Seelenheil gewesen, aber es gab auch immer wieder einzelne Menschen wie Kilian, die darüber hinaus anderen den Glauben näherbringen wollten.

Aus dem Leben des heiligen Kilian sei wenig Gesichertes bekannt, sagte die Referentin, zumal die früheste Heiligenbiografie über ihn, die "Passio minor", aus der Zeit um 800 stamme. Sie beleuchtete in ihren Ausführungen ohnehin die im Laufe der Jahrhunderte nach seinem Märtyrertod bis heute sich entwickelte Rolle Kilians als Patron, der seinen schützende Hand über Franken hält.

Kilian war nie ganz vergessen

Die Strömungen der Zeit, denen die Kirche ausgesetzt war, bewirkten jedoch im Lauf der Jahrhunderte ein Nachlassen der Verehrung Kilians als "Frankenpatron". Doch immer wieder kam es zu einer Renaissance, so etwa im 16. Jahrhundert. Der Würzburger Fürstbischof Julius Echter habe in dieser Zeit die Schaffung einen neuen Kiliansschreins angeregt. Und die Tatsache, dass die drei Frankenapostel das Titelblatt des 1604 gedruckten Schriftstücks "Christlich-fränkischer Ehrenpreis" zierten, beweise, dass die Frankenapostel im Grunde nie vergessen waren und nun eine neue Wertschätzung erfuhren.

Einen erneuten Einschnitt bedeutete die Säkularisation, im Zuge derer die Sockel, die die Häupter der Märtyrer Kilian, Kolonat und Totnan bargen, zunächst als verschollen galten. 1849 entdeckte man die Schädel aber wieder und ließ wieder einen Schrein anfertigen, der in der Folgezeit einige Male durch neue ersetzt wurde.

Auch die finsteren Jahre des Dritten Reiches wurde im Vortrag nicht ausgeblendet. In dieser Zeit wurde der Heilige Kilian sozusagen zur Symbolgestalt des geistigen Widerstandes gegen das Naziregime.

Reminiszenzen an den Heiligen

Vieles erinnere heute an den "Frankenpatron" Kilian. Er grüße als Brückenheiliger an der Mainbrücke in Würzburg, sei Namensgeber von Apotheken und Straßen, die Deutsche Post widmete ihm 1989 zum 1300. Todestag eine Sonderbriefmarke gewidmet - und eine der zentralen Figuren der vorzugsweise in Würzburg spielenden Kriminalreihe von Roman Rausch sei nicht umsonst ein gewisser Kommissar Kilian. Beim Pfarr- und Patronatsfest der Stadtpfarrkirche Sankt Kilian in Bad Staffelstein werde die Erinnerung an den Märtyrer und sein Leben für den Glauben und für christliche Werte lebendig, genauso wie bei der Kirchweih , die in wenigen Tagen gefeiert wird.

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