Stegaurach
stegaurach.inFranken.de  Vor zehn Jahren startete der Verein "Zukunft für Menschen in Südindien" ein Hausbauprojekt für Leprakranke.

Franken bringen Hoffnung ins Lepradorf

Die fünfzehn mehrköpfigen Familien haben ihrem Dorf im indischen Bundesstaat Tamil Nadu den Namen "Gothi Nager" gegeben. Das heißt übersetzt "Stadt des Lichtes". Und tatsächlich strahlt endlich wieder...
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Pfarrer Walter Ries (links) mit Bewohnern des Lepra-Dorfes Gothi Nager in Südindien Foto: p
Pfarrer Walter Ries (links) mit Bewohnern des Lepra-Dorfes Gothi Nager in Südindien Foto: p

Die fünfzehn mehrköpfigen Familien haben ihrem Dorf im indischen Bundesstaat Tamil Nadu den Namen "Gothi Nager" gegeben. Das heißt übersetzt "Stadt des Lichtes". Und tatsächlich strahlt endlich wieder Licht für diese geplagten Menschen: In jeder Familie gibt es mindestens einen Leprakranken. Zwar inzwischen genesen, doch mit den typischen Verstümmelungen.

Umso bedeutsamer ist die Hoffnung, die der Stegauracher Verein "Zukunft für Menschen in Südindien" nach Gothi Nager bringt. Mit dessen Hilfe konnte das Lepradorf überhaupt erst in einen menschenwürdigen Zustand gebracht werden: "Die Kranken wurden aus ihren eigentlichen Dorfgemeinschaften vertrieben, gründeten ein eigenes Dorf und lebten in primitiven Lehmhütten und einfachen Zelten, die dem Monsunregen nicht standhielten", berichtet Pfarrer Walter Ries aus eigener Anschauung.

Jetzt, zehn Jahre später, war der Stegauracher Ortsgeistliche erneut vor Ort. Mit dabei eine Reisegruppe aus seiner Pfarrei und aus Gundelsheim. Die zwölf Personen überzeugten sich mit eigenen Augen davon, wie der Südindien-Verein die eingehenden Spendengelder einsetzt. Jede Lepra-Familie hat ein eigenes festes Haus mit angebauter Toilette bekommen: Jedes Haus kostete 3000 Euro. Für die Wasserversorgung wurde der Dorfbrunnen vertieft. Die Kinder des Dorfes Gothi Nager sind allesamt Patenkinder des Vereins, erhalten also eine Chance auf den Schulbesuch und eine monatliche Unterstützung der ganzen Familie.

"Es ist eine große Bereicherung zu sehen, wie die Menschen aus Armut herauskommen", sagt Pfarrer Ries immer noch berührt von dem Erlebten. Früher hätten sich die erkrankten Dorfbewohner nur mühsam mit Teeverkauf oder Ziegenhaltung ein paar Rupien verdienen können. "Wir haben nicht nur Häuser hingestellt, sondern den Frauen auch Mikrokredite für den Aufbau von Handwerk und mehr zur Verfügung gestellt, damit sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen können", so Ries.

Natürlich hat auch in dieser wundersamen Geschichte sein Freund Pater Jeremias George die Hände mit im Spiel. Der rührige indische Priester, der in Stegaurach und Gundelsheim als Urlaubsvertreter gut bekannt ist, gab den Anstoß für den Aufbau von Gothi Nager. Mit seinen Helfern sorgt der Pater dafür, dass die vielfältigen Projekte des Südindien-Vereins am Laufen bleiben.

"Ich war vor zehn Jahren bei der offiziellen Eröffnung des Dorfes dabei", blickt Andreas Höllein zurück, der auch zur jetzigen Reisegruppe gehörte. Das Dorfjubiläum sei nun nicht extra groß gefeiert worden.

Doch die Freude und die Dankbarkeit der Bewohner "ist auch heute noch unbeschreiblich", erklärt Höllein, der zum ehrenamtlichen Vereinsvorstand gehört.

Der Gundelsheimer beteuert, dass der Verein auch künftig dafür sorgt, dass es mit dem Leben in Gothi Nager so gut weitergeht - allen möglichen Schwierigkeiten zum Trotz. Denn "es gibt keine Erkrankung auf der Welt, für die es so viele Gesetze gibt wie für Lepra", weiß Burkard Kömm, Geschäftsführer der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. "Doch sie richten sich gegen die Betroffenen und dienen nicht ihrem Schutz." Laut der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP), der die DAHW angehört, existieren aktuell in 38 Ländern der Welt 179 Gesetze, die Menschen diskriminieren, die von Lepra betroffen sind. Ein Umstand, der das religiös und traditionell bedingte Stigma der Krankheit manifestiert. Die Betroffenen erleben oft Ablehnung, Scham und soziale Ausgrenzung. Sie scheuen sich, ärztliche Hilfe aufzusuchen oder anzunehmen, wodurch eine frühe Diagnose und Behandlung behindert wird - dadurch steigt das Risiko für die typischen Verstümmelungen und eine Übertragung auf Angehörige. Ein Teufelskreis. 2017 wurden der WHO zufolge weltweit über 200 000 Lepra-Neuerkrankungen erfasst. Marion Krüger-Hundrup



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