Obertheres

Fränkische Kunst in New York

Das Metropolitan Museum of Art zeigt Werke Tilman Riemenschneiders und eine Darstellung aus Ebern.
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"Nativity of the Virgin - Die Geburt der Jungfrau (Maria)" heißt diese Skulptur, die aus der Pfarrkirche Sankt Laurentius in Ebern stammt und seit 1956 im Besitz des Kunstmuseums der Stadt New York, dem Metropolitan Museum of Art, ist. Zu sehen ist sie am Standort "The Met Cloisters".
"Nativity of the Virgin - Die Geburt der Jungfrau (Maria)" heißt diese Skulptur, die aus der Pfarrkirche Sankt Laurentius in Ebern stammt und seit 1956 im Besitz des Kunstmuseums der Stadt New York, dem Metropolitan Museum of Art, ist. Zu sehen ist sie am Standort "The Met Cloisters".
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Manchmal muss man eben doch um die halbe Welt reisen, um die Heimat beziehungsweise kulturelle Schätze aus der Heimat zu entdecken. In der Außenstelle "The Met Cloisters" des Metropolitan Museum of Art in New York sind gleich vier Kunstwerke, die ursprünglich aus Franken stammen: zwei Figuren von Tilman Riemenschneider sowie ein Palmesel aus Mellrichstadt und die Darstellung der Geburt der Jungfrau Maria aus der Sankt-Laurentius-Kirche in Ebern.

Fünf Klöster

Das Met ist das größte Kunstmuseum der USA und immer einen Besuch wert. Doch die Zweigstelle "The Met Cloisters" (die Kreuzgänge) im Fort Tryon Park nahe der Nordspitze von Manhattan steht bei Puristen der mittelalterlichen Kunst sicher nicht ganz oben auf dem Plan. Denn der Name des 1938 eingeweihten Museums "The Cloisters" bezieht sich auf Teile von fünf mittelalterlichen Klöstern. Sie wurden durch den Bau des modernen Museums im Stil eines mittelalterlichen europäischen Klosters zusammengeführt, um die Architektur des Spätmittelalters in Erinnerung zu rufen. "The Met Cloisters" beherbergt aber auch die Hälfte der Sammlung mittelalterlicher Kunst des Met, wobei der Schwerpunkt bei Exponaten aus dem zwölften bis zum 15. Jahrhundert liegt.

Von Riemenschneider

In der "gotischen" Halle stachen gleich zwei Skulpturen von Tilman Riemenschneider ins Auge: ein sitzender Bischof aus dem Jahr 1495 sowie die Skulptur "Die Heiligen Christophorus, Eustachius und Erasmus" als Reste einer Vierzehnheiligen-Gruppe aus der Zeit zwischen 1500 und 1505. Die Figur des Bischofs wurde von Graf Hans Wilczek aus Österreich 1970 über die Kunsthändler Ruth und Leopold Blumka aus New York an das Met verkauft.

Die Heiligengruppe wiederum ging aus dem Besitz des englischen Lords Delamare in verschiedene Hände, bevor sie 1961 in den Besitz von "The Cloisters" gelangte. Diese wunderschönen Arbeiten wurden zusammen mit vielen weiteren Werken, darunter Leihgaben auch aus Würzburg, Nürnberg, Berlin, Frankfurt und Stuttgart, im Jahr 2000 im Rahmen der Ausstellung "Tilman Riemenschneider: Bildhauer des Spätmittelalters" im Met gezeigt.

Über den aus Lindenholz geschnitzten, sitzenden Bischof heißt es im Museumstext, dass er wahrscheinlich einen der vier Kirchenväter repräsentieren könnte: entweder Sankt Augustin oder Sankt Ambrosius. Zur Heiligengruppe wird ausgeführt, dass hier folgende Personen dargestellt sind: Sankt Christophorus, der das Jesuskind trägt, Sankt Eustachius, ein Soldat aus der Armee Trajans, der zum Christentum konvertierte, und Sankt Ersamus, ein syrischer Bischof mit bischöflichen Insignien. Sie wurden aus einem einzigen Stück Lindenholz geschnitzt, wobei ein Stück hinzugefügt wurde, um Sankt Christophorus zusätzliche Tiefe zu verleihen.

Heilige Anna

Eine weitere Kostbarkeit in dem Saal fällt auf: Da hängt an der Wand auf einer weißen Platte die Darstellung von der Geburt Mariens. Die Heilige Anna liegt im Wochenbett, neben sich das gewickelte Baby Maria. Laut Museumstext stand diese Lindenholzfigur aus der Zeit um 1480 früher in der Pfarrkirche Sankt Laurentius in Ebern. Sie stammt wohl von der Predella (Sockel) eines spätgotischen, der Heiligen Anna geweihten Altarbildes. Als dieses Altarbild 1703 ersetzt wurde, wurde die Figur trotzdem behalten. Anschließend wurden die Beine des Bettes, das Kopfteil und die Rückwand weggeschnitten, um die Figur vermutlich in einen anderen Rahmen einzufügen. Dort knieten zwei Engel vor dem gewickelten Kind, die vielleicht eine Krone über seinen Kopf hielten. Zumindest sind Reste vom Flügel des rechten Engels noch ersichtlich. Brandflecken von Kerzen zeigen, dass die Skulptur als Andachtsbild diente.

Über Berlin

Über den "Weg" der Skulptur von Ebern zum "The Met Cloisters" ist nur so viel zu erfahren: Von 1913 bis 1937 befand sie sich im Besitz des hessischen Landesmuseums, bevor sie an Johannes Henrichsen aus Berlin und 1956 an das New Yorker Museum verkauft wurde.

In derselben Halle gibt es eine weitere ungewöhnliche Figur: einen Palmesel aus dem 15. Jahrhundert, der aus einer Kirche in Mellrichstadt stammt. Auf dem Esel, der auf Rädern bei den Palmsonntag-Prozessionen mitgeführt werden konnte, sitzt eine majestätische Jesus-Figur. Wie dem Text zu entnehmen ist, sind die Räder und die Plattform modernen Ursprungs, während die Hufe des Esels sowie die Finger von Jesus restauriert wurden. Der Palmesel war im 19. Jahrhundert im Besitz des Frankfurter Stadtpfarrers Ernst Franz August Münzenberger, auch wenn Münzenberger im Museumstext als Dompfarrer betitelt und als Verkaufsort Köln genannt wird. Vielleicht wurde ja sein Nachlass dort aufbewahrt, aus dem das Historische Museum Frankfurt 1892 den Palmesel erwarb.

1920/21 wurde der jüdische Sammler Carl von Weinberg der neue Besitzer. Er musste nach den Novemberpogromen 1938 seine Villen Waldfried und Buchenrode zusammen mit seiner bedeutenden Kunstsammlung für einen Bruchteil ihres Wertes an die Stadt Frankfurt verkaufen. Um 1950 schließlich wurden die zwangsverkauften Kunstwerke Weinbergs seinem Enkel, Baron Richard von Szilvinyi aus Frankfurt, zurückerstattet. Wobei er umgerechnet den Wert an das Museum zahlte, den sein Großvater damals erhalten hatte - ein Bruchteil des Wertes der Kunstsammlung. Er verkaufte den Palmesel schließlich im Jahr 1955 an "The Met Cloisters" in New York.

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