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Herzogenaurach

Fränkische Küche wird Mangelware

Mit dem "Roten Ochsen" hat in Herzogenaurach ein weiteres Traditionsgasthaus geschlossen.
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Klaus-Peter Gäbelein Das war's! Schäuferla aus - Bier aus - Schnaps aus - Lichter aus - Ende! Wehmütig haben am Freitagabend Stammgäste und Laufkundschaft von der Gaststätte "Zum roten Ochsen" in Herzogenaurachs Innenstadt Abschied genommen. Nach über 16 Jahren hat der Pächter, der "Mäx", wie Max Weiß von seinen Gästen genannt wurde, die beliebte Speisegaststätte am Marktplatz geschlossen. Und einmal mehr herrscht Ratlosigkeit und fast schon Verzweiflung unter den Original-Herzogenaurachern wegen des zunehmenden Wirtshaussterbens in der Innenstadt. Mit dem Ende des "Ochsen" geht auch ein Stück Wirtshaus-tradition zu Ende - zumindest vorübergehend, denn der Besitzer des Hauses plant weiterhin eine gastronomische Nutzung.

"Wo kann man in der Innenstadt noch Fränkisches zu essen bekommen?" Die Frage ist berechtigt. Nur in der "Frischen Quelle" bei der Familie Galster ist das künftig möglich, ansonsten muss man in die Ortsteile ausweichen, nach Burgstall (Gasthaus Bär), Dondörflein (Gaststätte Pfister) oder nach Niederndorf (Familie Hamper) - und das war es dann auch schon mit original fränkischer Küche. Im Lauf des Jahres hatte auch die beliebte Gaststätte in Beutelsdorf Schluss gemacht, in Haundorf in der "Blauen Traube" ist nur noch sehr sporadisch geöffnet und "aufgekocht" wird höchstens an der dortigen Kirchweih. Und dann ist da noch der "Bayerische Hof", doch der Wirt "Emmi" hat auch nur noch eingeschränkt geöffnet.

Wie war das vor 20, 30 Jahren oder gar vor 40 Jahren? Da konnte man noch in der Gaststätte Fröhlich in der Hauptstraße einen knusprigen Schweinsbraten essen, die "Krone" war das "nobelste" Lokal und im "Weißen Hahn" lobten Einheimische und Gäste das Essen von der "Schwarzen Henna", wie man die fesche Wirtin scherzhaft nannte. Es gab vor Jahren und Jahrzehnten noch den "Wari", die Gaststätte Wittmann in der Hans-Sachs-Straße, die "Tenne" in der Hinteren Gasse/Ecke Engelgasse oder das "Ansbacher Tor" mit deutscher Küche. Im Polster-Bräu-Stüberl am Ende der westlichen Hauptstraße kochte das Ehepaar Amon, das auch im FC-Heim lange Jahre beste fränkische Kost angeboten hat. Die Liste von Lokalen ließe sich noch weiterführen.

Veränderter Geschmack

Was nützt es, wenn die Bayerische Staatsregierung das Schulfach "Schafkopfen" einführen will, wenn es bald keine Gasthäuser mehr geben wird, in denen man "karteln" kann, wenn (hoffentlich nicht) vielleicht auch der Hellers Hans in der Hauptstraße noch schließen wird? Vorbei sind dann die Zeiten, als allein zwischen den Türmen bis in die Nachkriegszeit fünf Gaststätten beheimatet waren, als es noch den "Steigerwald" in der Engelgasse, die "Kastanie" am Beginn der Bamberger Straße, das Vereinshaus sowie das Volkshaus als Speise- und Vereinslokale gegeben hat! Freilich, der Geschmack hat sich geändert: Italienische und griechische Küche, japanische Gerichte oder exotische Speisen kommen heute auf den Mittagstisch - aber mit dem Schweine- oder Sauerbraten, dem "sauren Knöchla", Rouladen mit Klößen, Krautwickeln oder sonstigen typisch fränkischen Köstlichkeiten könnte es eines Tages ganz vorbei sein.

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