Herzogenaurach

"Fortschritt" zerstört Historisches

Vor 150 Jahren wurde das Ansbacher Tor abgerissen. Die Bürger wollten sich nicht mehr eingeengt fühlen.
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Hier stand einst das Ansbacher Tor. An der Fassade des Hauses links ist eine Erinnerungstafel angebracht.  Fotos: Panzer
Hier stand einst das Ansbacher Tor. An der Fassade des Hauses links ist eine Erinnerungstafel angebracht. Fotos: Panzer
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Klaus-Peter Gäbelein Das fürstbischöfliche Städtchen Herzogenaurach bot bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein äußerst wehrhaftes Bild. Zwei Mauerringe, zwei mächtige, rund 30 Meter hohe Stadttürme neben kleineren Mauertürmen und sieben stark bewehrte Stadttore standen etwaigen Angreifern im Weg. Herzogenaurach war eben eine Grenzstadt, im südlichsten Teil des Fürstbistums Bamberg gelegen, und jenseits der Aurach stand als fast übermächtiger Konkurrent die finanzkräftige Reichsstadt Nürnberg. Dazu kamen noch die nach Macht und Ausdehnung strebenden Burg- und späteren Markgrafen der Hohenzollern.

Der innere Mauerring umfasste das Städtchen fast kreisförmig: Vom Schlossgraben führte die Mauer zu den inneren Stadttoren: im Westen das Tor am Türmers-turm, im Osten das am Fehnturm und schließlich das "mittlere Tor" mit einem steinernen Brücklein oberhalb der Bäckerei Römmelt (Fundamente wurden bei den Grabungen vor Jahresfrist freigelegt).

Ein zweiter Mauerring

Und als die Stadt ab dem 15. Jahrhundert expandierte, musste der äußere Mauerring erbaut werden: Im Norden entstand die Mauer vom Wiwa-Weiher über den Hirtengraben bis hinunter zur Würzburger Straße. Dazwischen wurde in der Bamberger Straße das "Bamberger Tor" gebaut, beim Abgang zum heutigen Freibad stand das Würzburger Tor, und gegenüber der Steinernen Brücke am Ausgang der Steggasse mussten Besucher die Stadt durch das Ansbacher Tor betreten oder verlassen. Und dann stand im Osten der Stadt, am Ende der Hauptstraße (dem früheren "Hohen Pflaster") das Nürnberger Tor gegenüber der Einmündung zur Reytherstraße (heutiger "Nürnberger-Tor-Platz).

Das Ansbacher oder Stegtor auf der Südseite der Stadtbefestigung war, wie es in den alten Aufzeichnungen heißt, "das vorletzte (der Stadttore) dahier, das dem Untergang geweiht war". Angeblich stand es dem Verkehr im Wege. Zur Geschichte: 1409 wird der Ausgang aus der Stadt in Richtung zur Aurach "bei den Stegen" genannt, weil hier ein hölzerner Steg hinüber ins "Nürnberger Ausland" oder "Ansbacher Ausland" führte.

Vor dem genannten Tor führte eine hölzerne, später eine steinerne Brücke über den äußeren Stadtgraben zur Aurach. Dieser Aurachsteg wurde 1725 durch die erste "Steinerne Brücke" ersetzt, die bis zur Sprengung kurz vor Kriegsende (14. April 1945) Bestand hatte. Wie alle Stadttore war auch das Ansbacher Tor von einem Torwächter bewohnt. Diese "Torhüter" hatten eigentlich einen verantwortungsvollen Posten (Kontrolle des Eintritts von Fremden, des Eingangs der Waren usw.). Allerdings gab es immer wieder Klagen wegen ihrer allzu laschen Dienstauffassung.

Ein Ratsherr passte auf

Die Herzogenauracher Stadtväter als Verantwortliche für die Sicherheit nahmen den Dienst an den Toren sehr gewissenhaft. Im Oktober 1622 im Dreißigjährigen Krieg wurde zusätzlich ein Ratsherr zu den Toren abkommandiert, der beim Bürgermeister jeweils den Schlüssel für das Tor abholen musste. Für die Bürgerschaft gab es in Krisenzeiten immer wieder eine besondere Steuer zu bezahlen, das sogenannte Torhutgeld (hut von hüten).

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das "Stegtor" in "Ansbacher Tor" umbenannt. Bei Einführung der Hausnummern im Jahr 1804 erhielt das Ansbacher Tor die Hausnummer 67. Bereits seit 1788 ist unter den städtischen Besitzungen eine Wohnung auf dem Tor bezeugt samt einem "Wachthäuslein" sowie einem kleinen Garten am gegenüberliegenden Bräuhaus.

Heimatforscher Luitpold Maier bedauerte vor 90 Jahren, dass nach 1800 mit dem "Beginn des sogenannten Fortschritts" wertvolle historische Bausubstanz zerstört worden ist. Damals entfernte man unter anderem den überdachten Wehrgang entlang der Stadtmauern, der bis dahin den Bürgern, welche die Stadt verteidigten, wertvollen Schutz geboten hatte.

In den Folgejahren ging es mit der Zerstörung alter Bausubstanz weiter. Dem Zeitgeist entsprechend wollte man in Zukunft frei sein von persönlicher und somit auch baulicher Einengung. Daher wurden die Torbögen am Fehn- und am Türmersturm abgetragen. Dieses Schicksal traf am 18. März 1869 schließlich auch das Ansbacher Tor. Für ein Gebot von 148 Gulden erhielt der benachbarte Tuchmacher Georg Fischer den Zuschlag für den Abbruch des Tores mit der Auflage, den Knopf auf dem Turm und den Stein mit dem eingehauenen Wappen zu erhalten, ebenso das Bild mit der heiligen Dreifaltigkeit. Es wurde später an der Gaststätte "zum Ansbacher Tor" angebracht. Das Torhaus wurde auf die Höhe des angrenzenden Hauses der Familie Fischer bis auf die Höhe von 18 Schuh (etwa 5,5 Meter) abgetragen.

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