Kulmbach

Forschen am "bewohnten Objekt"

Digital sollen in Kulmbach sowohl der Klimaschutz als auch sie Wirtschaft- lichkeit von Liegenschaften optimiert werden.
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Die Ausstattung mit innovativer Sensorinfrastruktur zur Erfassung der Verbrauchsdaten in Echtzeit ist hier an einem Stromzähler in der Staatlichen Fachschule für Lebensmitteltechnik bereits erfolgt. Von links Professor Markus Brautsch, Landrat Klaus Peter Söllner und Dipl.-Ing. Tobias Eder.  Foto: Werner Reißaus
Die Ausstattung mit innovativer Sensorinfrastruktur zur Erfassung der Verbrauchsdaten in Echtzeit ist hier an einem Stromzähler in der Staatlichen Fachschule für Lebensmitteltechnik bereits erfolgt. Von links Professor Markus Brautsch, Landrat Klaus Peter Söllner und Dipl.-Ing. Tobias Eder. Foto: Werner Reißaus

Der Landkreis Kulmbach ist ab sofort Partner bei einem Forschungsprojekt der TH Amberg-Weiden. Dabei werden 15 Landkreise und 200 Kommunen in Bayern betreut. Damit hält die digitale Energieplanung 4.0 Einzug im Landkreis und in der Staatlichen Fachschule für Lebensmitteltechnik, die zum Reallabor wird.

Landrat Klaus Peter Söllner ist stolz darauf, dass der Landkreis für das Teilprojekt "Anwendung sektoral gekoppelter Engergietechnologien" ausgewählt wurde. Das betonte er am Beginn eines Pressegespräches im Beisein von Prof. Dr.-Ing. Markus Brautsch von der Technischen Hochschule Amberg-Weiden, Fakultät Maschinenbau/Umwelttechnik.

Diplom-Ingenieur Tobias Eder, Geschäftsführer des Instituts für Energieinformatik an der TH Amberg-Weiden, ging kurz auf das Forschungsprojekt ein, mit dem man gut in der Halbzeit liege: "Wir haben Systeme entwickelt, die es uns ermöglichen, Liegenschaften zu erfassen, dabei einfach einen Erfassungssensor auf den stinknormalen Wasserzähler aufzukleben, der die Daten in Echtzeit senden kann."

Das wurde bereits nach eineinhalb Jahren Entwicklungszeit erfolgreich umgesetzt, und jetzt müsse noch Intelligenz in das System. Eder: "Das heißt, die Daten laufen auf und die Intelligenz ist einerseits, ein System dahingehend zu entwickeln, dass der Sensor am Wasserzähler erfasst, es tröpfelt Wasser über zwei Tage hinweg; dass dann das System eine SMS an den Hausmeister schreibt und sagt: ,Pass auf, da stimmt was nicht'."

Mit einer innovativen Senso rinfrastruktur wurde die Fachschule zur Erfassung der Verbrauchsdaten an Wasser- und Stromzählern in den vergangenen Monaten bereits ausgestattet. Zusätzlich wird dem Landkreis Kulmbach ein cloud-basiertes Energiemonitoringsystem aufgebaut und die in Echtzeit erfassten Verbrauchsdaten sind jederzeit abrufbar.

UmfassendesWerkzeug

IT-Infrastrukturen werden über ein Rechnernetz zur Verfügung gestellt. Wie Brautsch erläuterte, soll insbesondere die Weiterentwicklung der Software mit den anderen am Versuch Gebietskörperschaften zu einem umfassenden Werkzeug für die digitale Planung und das Energiemonotoring für die Kommunen umgesetzt werden.

Bislang sind folgende Gebietskörperschaften dabei: Landkreis Berchtesgadener Land, Erzbistum Bamberg, Stadt Roth und Markt Wolnzach. Brautsch: "Wir haben eine sehr starke Verankerung in der Praxis, in der Anwendungsorientierung und wir suchen diese Nähe auch zu den Kommunen und zu den Betrieben, weil wir wissen, wo euch der Schuh drückt, und versuchen, daraufhin auch Lösungen zu entwickeln." Mit Diplom-Ingenieur Tobias Eder, Geschäftsführer des Instituts für Energieinformatik der TH Amberg-Weiden, gelang auch der Sprung in die Digitalisierung.

Brautsch: "Wir haben die Reallabore hier an der Front und wir haben die akademische Entwicklung in den Laboren, das ist dieser Zweiklang." Das Ziel, das nach den Worten Brautschs alle verbindet, ist der Klimaschutz und die Wirtschaftlichkeit der Liegenschaften: "Wir müssen uns da zukunftsfähig aufstellen und was wir hier aufbauen, ist ein absoluter Quantensprung in der Technik, denn wir können analoge Signale, ohne den Zähler rauszuschmeißen, digital übersetzen."

Standardisierung

Der Fokus des Landkreises Kulmbach lag stets auf der Standardisierung und der integrierten kommunalen Energieplanung für alle relevanten Bereiche. Landrat Söllner machte deutlich, dass sich insbesondere im Bereich kommunaler Energienutzungsplanung der GIS-Beauftragte des Landkreises, Michael Beck, seit 2013 über einen Runden Tisch für eine bayernweite Standardisierung eingesetzt habe und aus diesem Engagement auch das sektorale Teilprojekt "Geothermischer Energienutzungsplan Landkreis Kulmbach" entstanden sei.

Der Landkreis Kulmbach kann alle Daten zum Wärmebedarf und geothermischen Potenzial beispielhaft für Bayern einbringen und umgekehrt die anderen Bereiche und Werkzeuge wie das digital erfasste Solarpotenzial des Landkreis Berchtesgadener Land für seine Ergänzung nutzen.

Landrat Söllner verwies darauf, dass das Forschungsprojekt "Anwendung sektoral gekoppelter Energietechnologien" mit einer Projektlaufzeit von November 2017 bis November 2020 über das Bayerische Energieforschungs-Programm vom Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert wird: "Der Landkreis Kulmbach wurde aufgrund unserer mehr als 20-jährigen Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz als Partner und Reallabor für das Forschungsprojekt ausgewählt."

Klimaschutz sei "eine Herzensangelegenheit unseres Landkreises", so Söllner weiter. Zahlreiche Projekte und Aktivitäten seien über die Jahre entwickelt worden und mittlerweile selbstverständlich.

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