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Forchheim
Corona-Krise

Behörde droht mit Polizeieinsatz: Fränkisches Freibad bleibt zu

Das Königsbad in Forchheim bleibt geschlossen. Die von Forchheims OB Uwe Kirschstein (SPD) betriebene vorzeitige Öffnung zum Vatertag wurde gestern von der Aufsichtsbehörde gestoppt. Kirschstein hofft jetzt auf eine gerichtliche Lösung.
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OB Kirschstein erklärte gestern Nachmittag, warum die geplante Baderöffnung scheitern musste.  Foto: Roepert
OB Kirschstein erklärte gestern Nachmittag, warum die geplante Baderöffnung scheitern musste. Foto: Roepert

Für Mittwoch hatte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) seine Badehose bereitgelegt. Doch der Versuch, das Königsbad trotz der Corona-Krise zu öffnen, scheiterte im letzten Moment: Gestern Nachmittag ereilte den Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt ein Bescheid der Aufsichtsbehörde. Ulrike Martin, zuständig für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, teilte mit, dass "die Wiedereröffnung und der Betrieb untersagt" sei. Sollte das Bad dennoch geöffnet werden, werde die Behörde eine "Schließung und gegebenenfalls Räumung des Königsbades durch unmittelbaren Zwang" betreiben. Mit anderen Worten: Die Aufsichtsbehörde drohte mit einem Polizeieinsatz, falls das Bad geöffnet würde.

Geplantes Anschwimmen: "Ich darf sie nicht einlassen"

Und so machte sich am Mittwoch um 16 Uhr die große Ernüchterung breit. Die Schwimmer vom SSV, die zum "Anschwimmen" gekommen waren, stellten sich hinter Uwe Kirschstein vor dem Bad auf. Der OB griff zum Mikrofon und erläuterte die Lage: "Ich darf sie nicht einlassen." Kirschstein drückte sein Unverständnis aus: Seit 11. Mai seien Sportstätten wieder geöffnet - das Bad sei eine Sportstätte. "Es schmerzt sehr, dass die Schwimmer jetzt wieder den Heimweg antreten müssen."

Bereits im April hatte OB Kirschstein angekündigt, die Wiedereröffnung des Königsbades für den 21. Mai zu betreiben. Die Stadt arbeitete ein Hygienekonzept aus und bestellte einen Sicherheitsdienst.

Öffnung des Bades "eindeutig verboten"?

Noch gestern Vormittag war Kirschstein zuversichtlich, dass sein Plan aufgehen würde. Während die Aufsichtsbehörde (Landratsamt Forchheim) die Meinung vertrat, die Öffnung des Bades sei "eindeutig verboten" (Pressesprecher Holger Strehl), erklärte Uwe Kirschstein unserer Zeitung: "Wir haben die Regeln gelesen und verstehen sie auch." Der OB hatte die Paragrafen 9 und 10 der Infektionsmaßnahmenverordnung anders ausgelegt als das Landratsamt. Kirschstein verwies darauf, dass das Königsbad als Sportstätte und als Spielstätte genutzt werden könne. "Wir stellen die Reha und den Gesundheitssport in den Vordergrund." Kirschstein erinnert daran, dass "viele Menschen mit Gesundheitsproblematiken" auf ihn zugegangen seien und beklagt hätten, dass sie übersehen würden. Wer in der Corona-Zeit an keiner stationären Reha teilnehmen könne, falle "hinten runter".

Verstoß gegen Infektionsmaßnahmenverordnung

Für das Landratsamt Forchheim war das aber kein ausreichender Grund, das Bad zu öffnen. "Laut Infektionsmaßnahmenverordnung müssen Schwimmbäder geschlossen bleiben", betonte Pressesprecher Holger Strehl. Ein Verstoß gegen die Verordnung sei eine Ordnungswidrigkeit und werde mit einem Bußgeld von 5000 Euro bestraft.

Uwe Kirschstein hofft weiter, dass sich diese Rechtsauffassung nicht durchsetzen wird. Gestern sagte er den Bürgern, den Schwimmern und den Vertretern der Medien, dass er die Rechtsmeinung der Aufsichtsbehörde nicht teile und dass er sie "für einen Fehler" halte. Dieses Thema werde wohl ein Gericht klären müssen; möglicherweise werde sich eine "Lesart" der Verordnung durchsetzen, die zum "Signal für die bayerischen Bäder" werden könnte.

Falls sich Kirschsteins "Lesart" der Infektionsmaßnahmenverordnung juristisch behaupten sollte, könnte der Badebetrieb so aussehen: Ein Sicherheitsdienst würde auf die Abstandsregeln achten. Und darauf, dass nicht mehr als 800 Gäste im Bad sind. Die Besucher aus Stadt und Landkreis müssten sich dann vor dem Bade-Besuch ausweisen.

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