Ermershausen

Fokus wandelt sich in 125 Jahren

Der Gartenbauverein in Ermershausen feiert runden "Geburtstag". Der Anbau von Erntefrüchten und Obst ist in den Hintergrund gerückt. Heute stehen die Pflege des Ortsbilds und des Dorflebens und der Naturschutz im Blickfeld.
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Ein prunkvoll geschmückter Wagen mit Erntekrone durfte beim großen Festumzug zur 100-Jahr-Feier- des Ermershäuser Vereins im Jahr 2004 nicht fehlen. Foto: Archiv/Michael Dros
Ein prunkvoll geschmückter Wagen mit Erntekrone durfte beim großen Festumzug zur 100-Jahr-Feier- des Ermershäuser Vereins im Jahr 2004 nicht fehlen. Foto: Archiv/Michael Dros

Eckehard Kiesewetter Ermershausen —  550 Einwohner, ein hübsches gepflegtes Ortsbild, ein reges Vereinsleben und jede Menge Gemeinschaftsgeist: In Ermershausen stimmt die Chemie unter den Ortsvereinen und viele ziehen an einem Strang - erst recht wenn es darum geht, einen verdienten Jubilar wie den örtlichen Gartenbauverein zu feiern. Er ist einer der Garanten für ein blühendes Dorfleben und dies schon seit 125 Jahren.

Das heißt, um genau zu sein, hatten die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts, als etliche der heute 78 Gartenbauvereine im Landkreis aus der Taufe gehoben wurden, noch anderes im Sinn. Damals ging es um Nahrungsversorgung, um Obst- und Gemüseanbau, ums Zusammenhelfen beim Mosten und Einlagern und um die Bekämpfung von Schädlingen. Deshalb taten sich damals vor allem Landwirte zusammen.

Wann dies im Falle Ermershausens genau geschah, vermag heute niemand mehr zu sagen. Die ersten schriftlichen Belege eines Obstbauvereins datieren aus dem Jahr 1894. Dies ist der Grund, weshalb der Verein in diesem Jahr sein 125-Jähriges feiern will. Er gilt damit als einer der ältesten Vereine im heutigen Landkreis Haßberge.

Unterlagen von 1894

Ein Protokollbucheintrag aus diesem "Gründungsjahr", in dem von 14 Männern und einer Verminderung des Mitgliederbeitrags die Rede ist, deutet darauf hin, dass der Zusammenschluss wohl schon vorher bestand, in welcher Form auch immer. Doch es gilt das belegte, geschriebene Wort - also Gründung vor 125 Jahren. Unter dem Vorsitzenden Ludwig Leder aus Birkenfeld haben die Garten- und Obstbauern damals offenbar fleißig beraten und zusammengeholfen. Wie bei so vielen Vereinen haben die Krisen- und Kriegsjahre in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die Arbeit der Ermershäuser Vereinsmitglieder in den Hintergrund gedrängt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es wieder voran und das Anlegen von Obstplantagen und Streuobstwiesen rückte stärker ins Blickfeld. Doch seit die Landwirtschaft in den 60er Jahren intensiviert wurde und viele Betriebe nur noch im Nebenerwerb bewirtschaftet wurden, verlor der Obstbau an Bedeutung. Im Zuge der Flurbereinigung verschwanden Obstbäume von der Ackerfläche. In dieser Zeit verlagerte sich das Augenmerk der Gartenbauvereine zusehends hin zu Blumenschmuck und zur Pflege des Ortsbilds und dann auch zur Gartenkultur und Landespflege. Fortan ging es zunehmend darum, das Bewusstsein der Menschen für die Natur zu erhalten.

Seit 1971 hatte der Verein gerade mal drei Vorsitzende. Bis 1992 war dies Gerhard Schmidt, bis 2007 dann Günter Schüler und seit 2007 Michael Dros. Heute hat der Verein 90 Mitglieder und kümmert sich um die Verschönerung des Dorfes und die Pflege der Kulturlandschaft.

So hat der Verein eine Streuobstwiese am "Belzig" einem Berg Richtung Dippach, angelegt, die es zu pflegen gilt. Er betreibt einen kleinen Weinberg und legt Blühwiesen und Insektenhotels an. Beispielhaft für den Einsatz des Ermershäuser Vereins ist die Entsiegelung im Umfeld des Rathauses und der Kirche. Vereint haben die Gartenfreunde einen Friedhofsbrunnen errichtet, die Kräuterschnecke im Pfarrgarten renoviert und mit Aussaaten an mehreren Stellendes Ortes für anhaltende Blütenpracht gesorgt.Bei Festzügen erregt der Verein regelmäßig mit seinem Kartoffeldämpfer Aufsehen. "Das gehört zur Brauchtumspflege", sagt der Vorsitzende.

Laut Michael Dros prägt der Jahresverlauf das Vereinsgeschehen, beginnend von der Jahresversammlung des Kreisverbands im Frühjahr, über das Schmücken des Osterbrunnens, über Beiträge zum Ferienprogramm bis hin zur Gestaltung des Adventsfensters. Größere Veranstaltungen sind das Kellerfest im Sommer, bei dem man bewusst auf Musikuntermalung verzichtet und statt des Grills den Kartoffeldämpfer einsetzt, Most und Quarkspeisen anbietet. "Ein Fest, das ein bissle aus dem Rahmen fällt", sagt Dros.

Fredi Breunig kommt

Im Jubeljahr will der Verein mit einer Baumpflanzaktion zur Eröffnung des neuen Wassertretbeckens am Angelteich und dem Angebot von Gartenspaziergängen an wechselnden Orten Akzente setzen.

Das Jubiläum soll rund um das Erntedankfest stattfinden, das im Dorf schon früher mit großen Umzügen begangen wurde. Am Samstag, 28. September werden Fredi Breunig und die Preppachtaler Musikanten bei einem Kabarett- und Musikabend zu Gast sein und am Sonntag ist nach dem Erntedankgottesdienst in der Adolf-Höhn-Halle ein Festakt geplant.

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