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Lichtenfels

Flüchtlinge lernen Erste Hilfe

Zehn Asylbewerber übten an praktischen Beispielen, wie man seinen Mitmenschen im Notfall schnell helfen kann.
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Mit den Tipps der Ausbilderin gelang auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Fotos: Corinna Tübel
Mit den Tipps der Ausbilderin gelang auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Fotos: Corinna Tübel
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Kreis Lichtenfels — Beim Erste-Hilfe-Kurs im Pfarrzentrum St. Marien lernten zehn Geflüchtete am Wochenende alles über die Erstversorgung. Das BRK legte viel Wert auf praktische Übungen.

Verbinden, drehen und massieren: Neun Männer und eine Frau durften am Samstag an einer Puppe, aber auch an ihren Kollegen üben. Von 9 bis 13 Uhr brachte Karin Stengl-Ruppert, Ausbilderin beim BRK-Kreisverband Lichtenfels, zehn Asylbewerbern bei, wie man sich und seinen Mitmenschen im Notfall schnell helfen kann. Dazu gehört nach dem Auffinden einer Person beispielsweise die Drehung in die stabile Seitenlage oder der Wärmeerhalt. Auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung wurde ausführlich an einem mechanischen Torso geübt.

Nur wenig Theorie

Karin Stengl-Ruppert gab immer wieder Tipps: "Das ganze nochmal, bitte!" "Nicht so schnell!" Sie ist mit den Teilnehmern zufrieden: "Alle sind sehr motiviert und interessiert. Vorkenntnisse bringen die wenigsten mit." Der Jüngste ist 24 Jahre alt, der Älteste 53. Theoretische Teile gab es wenig, vielmehr erklärte die Ausbilderin innerhalb der Übungen die Hintergründe. Praktisch wurde es auch bei der Autorettung. Mit dem eigenen Auto der Ausbilderin stellten sie Unfallszenen nach. Auf diese Weise lernten die Teilnehmer, wie man eine Unfallstelle absichert, den Notruf absetzt und verletzten Motorradfahrern den Helm abnimmt.

"Der Kurs soll aufs Leben vorbereiten", so Karin Pfeiffer. Sie arbeitet als Integrationslotsin beim Landratsamt Lichtenfels und hat den zweitägigen Kurs in Zusammenarbeit mit dem BRK Kreisverband organisiert - mit wenig Vorlaufzeit, dafür mit schneller Anmeldung der Teilnehmer. "Natürlich wollen viele aber auch irgendwann einmal den Führerschein in Deutschland machen. Dafür ist so ein Kurs ja Voraussetzung."

In diesem Punkt unterscheidet sich Deutschland von vielen Herkunftsländern der Teilnehmer. Doch das ist nicht die einzige Motivation der Teilnehmer. Fedlu Kelil arbeitet schon seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Kreisverband Bayerisches Rotes Kreuz Lichtenfels, indem er Hausmeistertätigkeiten verrichtet, aber auch beim Blutspendedienst oder der Kleiderkammer mithilft. Für ihn ist es wichtig zu wissen, wie man anderen in einer Notlage helfen kann.

Auch der einzigen weiblichen Teilnehmerin an diesem Tag gefällt der Kurs gut. Sima Taherbahrami hatte zwar als Kind ein bisschen was zur Ersten Hilfe gelernt, aber bis heute sei es wieder verblasst: "Ich finde es gut, zu lernen, wie man helfen kann: zu Hause in der Wohnung, aber auch auf der Straße." Ihren Führerschein möchte sie dennoch in Deutschland machen.

Keine Berührungsängste

Berührungsängste gab es an diesem Tag nicht. Die Ausbilderin erklärte in deutscher Sprache die Übungen, ein bisschen Fränkisch mischte sich auch darunter. "Ansonsten halt mit Händen und Füßen", scherzte sie. Zwar schmunzelte der ein oder andere Geflüchtete manchmal über seinen Kollegen, gab aber dennoch Tipps und übersetzte, wenn nötig, für die anderen.

Abschließend übte die Gruppe noch Wundverbände, die nicht einengen, aber auch nicht rutschen sollten. Am kommenden Wochenende findet der zweite Kursteil dieser Reihe für Geflüchtete in Weismain statt. Alle dürfen sich dann stolz "Ersthelfer" nennen. "Es ist ein großer Schritt für die Integration, wenn man diesen Kurs besucht hat. Man kann sich im Leben in der Unterkunft, aber auch im Alltag in der Gesellschaft einbringen", schloss Karin Stengl-Ruppert.

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