Coburg
90. geburtstag

Flucht und Auswanderung der Familie von Helmut Udolf endeten in Coburg

Am vergangenen Dienstag feierte Helmut Gerhard Udolf seinen 90.Geburtstag im Kreise seiner Familie. Helmut Udolf wurde am 9. Juli 1929 in Beuthen, einer Großstadt im Oberschlesischen Kohlenrevier (heu...
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Kreise seiner Familie feierte Helmut Gerhard Udolf (vorne) seinen 90.Geburtstag (von links): Dritter Bürgermeister Thomas Nowak, Iris Böckle, Renate Oberender, Manuela Zetzmann, Engelbert Udolf, Andrea Mundry, Jamie Böckle.  Foto: Edwin Meißinger
Im Kreise seiner Familie feierte Helmut Gerhard Udolf (vorne) seinen 90.Geburtstag (von links): Dritter Bürgermeister Thomas Nowak, Iris Böckle, Renate Oberender, Manuela Zetzmann, Engelbert Udolf, Andrea Mundry, Jamie Böckle. Foto: Edwin Meißinger

Am vergangenen Dienstag feierte Helmut Gerhard Udolf seinen 90.Geburtstag im Kreise seiner Familie. Helmut Udolf wurde am 9. Juli 1929 in Beuthen, einer Großstadt im Oberschlesischen Kohlenrevier (heute Bytom, Polen), geboren. Er war der älteste Sohn von Johann und Anna Udolf. Seine Geschwister Reinhold und Renate kamen 1931 und 1938 zur Welt. Seit 1931 lebte die junge Familie im Bergmannsheim Beuthen. Der Vater des Jubilars war als Bergmann tätig und wurde, wie so viele Deutschstämmige, in den letzten Jahres des Zweiten Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen. Er fiel kurz vor Kriegsende. Seine Frau Anna, die Mutter des Jubilars, war damals schwanger. Nachdem die Rote Armee Beuthen eingenommen und besetzt hatte, wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Helmut Udolf war noch als 16-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen worden. Aus diesem Grund durfte er Beuthen als gefangener Soldat nicht mehr verlassen.

Seine Mutter und die Geschwister konnten nach Österreich fliehen. Hier erblickte der jüngste Bruder Engelbert das Licht der Welt.

Die Flucht und Auswanderung der Familie endeten in Coburg. Kurze Zeit später verstarb die Mutter und Bruder Engelbert kam zu einer Pflegefamilie.

Helmut Udolf hatte nach seiner Schulzeit in Oberschlesien den Beruf des Schreiners erlernt. In der Schreinerei seines Onkels arbeitete er einige Jahre, bevor er vom polnischen Militär zum Wehrdienst eingezogen wurde. Als Militärangehöriger und Schreiner hatte der Jubilar die Möglichkeit, im Grenzgebiet zu arbeiten. Nur ausreisen war nicht möglich. Und zivile Kleidung konnte er sich auch nicht so einfach beschaffen. Da er aber als Schreiner beim polnischen Militär trotzdem gut verdiente, bot er einem Zivilisten Geld und seine Uniform für zivile Kleidung an. So gelang es Helmut Udolf schließlich, als Zivilist die polnische Grenze zu passieren und zu seiner Familie nach Coburg zu fliehen.

Sein Bruder Engelbert berichtet: "Ich war damals zwölf Jahre alt. Als mein Bruder Helmut bei meiner Pflegefamilie zur Türe hereinkam, versteckte ich mich erst einmal unter dem Tisch." Der Jubilar erhielt die Vormundschaft über seinen jüngsten Bruder. Zusammen mit seinen Geschwistern Reinhold, Renate und Engelbert bezog er eine gemeinsame Wohnung in Coburg.

Drei Brüder eng verbunden

Die drei Brüder liebten vor allem das Kegeln, das Fußballspielen und das Karten. Beim SV Hut fanden alle drei eine sportliche Heimat. "Helmut spielte Rechtsaußen, Reinhold Linksaußen und ich stand im Tor", erzählt Engelbert.

Als es nach Jahren wieder möglich war, besuchte der Jubilar gelegentlich seine Geburtsstadt in Polen. Helmut Udolf arbeitete in dem Coburger Karosseriebetrieb N. Trutz und bei der Nachfolgefirma Pfiffer. Einige Zeit später fand er in seinem erlernten Beruf bei der Coburger Firma "Schreinerei und Zimmerei Schubart" eine Anstellung und arbeitete dort bis zu seinem Rentenalter.

Am Dienstag konnte der Jubilar zusammen mit seinem Bruder Engelbert und dessen Ehefrau Regina, seiner Schwester Renate Oberender, der Nichte und dem Patenkind Iris Böckle, der Nichte Manuela Zetzmann, der Nichte Andrea Mundry und dem Großneffen Jamie Böckle seinen 90. Geburtstag feiern. Bruder Reinhold Udolf konnte nicht mehr dabei sein, er ist vor einem Jahr gestorben. Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak überbrachte die besten Grüße des Oberbürgermeisters Norbert Tessmer und des Coburger Stadtrates sowie einen bunten Blumenstrauß. em

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren