Kulmbach

Flucht nach Unfall nur vorgetäuscht

Gericht  Ein 26-Jähriger setzte das Auto seines Arbeitgebers gegen eine Mauer. Die Schuld wollte er einem anderen in die Schuhe schieben. Die Quittung: vier Monate auf Bewährung.
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Gegen eine Mauer hatte der 26-jährige Angeklagte sein Firmenfahrzeug gesetzt. Mit dem Unfall im Kulmbacher Stadtteil Mangersreuth wollte er einen BMW-Fahrer belasten, der geflüchtet sei. Die Polizeibeamten erkannten den Schwindel sofort. Foto: BR-Archiv/Symbolbild
Gegen eine Mauer hatte der 26-jährige Angeklagte sein Firmenfahrzeug gesetzt. Mit dem Unfall im Kulmbacher Stadtteil Mangersreuth wollte er einen BMW-Fahrer belasten, der geflüchtet sei. Die Polizeibeamten erkannten den Schwindel sofort. Foto: BR-Archiv/Symbolbild
von unserem Mitarbeiter 
Stephan Herbert Fuchs

Kulmbach — Wegen Vortäuschung einer Straftat hat das Kulmbacher Amtsgericht einen 26-Jährigen aus Plauen zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Der junge Mann war in der Mangersreuther Straße in Kulmbach mit dem Ford Transit seines Arbeitgebers gegen eine Steinmauer gefahren. Gegenüber der Polizei hatte er angegeben, ein BMW sei ihm aufgefahren und der Fahrer wäre geflüchtet.
Die Beamten schöpften damals, am 24. Mai dieses Jahres, aber schnell Verdacht. "Wir haben gleich gesehen, dass der Schaden nicht von einem anderen Fahrzeug verursacht wurde, sagte ein Polizeibeamter der Inspektion in Kulmbach. Stattdessen war der Mauerabrieb am Fahrzeug deutlich zu erkennen.
Den Schaden bezifferten die Beamten auf rund 8000 Euro. Der Angeklagte war allerdings noch am selben Abend auf der Dienststelle erscheinen und hatte reumütig zugegeben, dass die Geschichte mit dem BMW-Fahrer nur erfunden gewesen sei.
Er sei erst seit drei Wochen bei der Firma beschäftigt gewesen, "und dann gleich ein Schaden über 8000 Euro", rechtfertigte der junge Mann sein Vorgehen. Arbeitslos ist er trotzdem schon wieder. Eine angefangene Lehre als Fliesenleger habe er krankheitsbedingt nicht beenden können; mittlerweile lebe er mit Frau und Kind von Hartz IV.

Beachtliche kriminelle Karriere

Trotz seiner jungen Jahre hatte der Angeklagte allerdings bereits eine beachtliche kriminelle Karriere aufzuweisen. Im Alter von 15 Jahren erfolgte eine erste Verurteilung wegen Diebstahls, verschiedene Verurteilungen folgten - vom Fahren ohne Fahrerlaubnis bis hin zu Körperverletzung. Zuletzt musste er eine zweijährige Haftstrafe teilweise absitzen.
Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft nannte es "denkbar schlecht", die Polizei anzulügen und forderte die letztlich auch verhängte Bewährungsstrafe von vier Monaten.
Richterin Sieglinde Tettmann setzte außerdem ein einmonatiges Fahrverbot fest. Sie sprach von einer nicht gerade unerheblichen Straftat mit einem hohen Sachschaden. Besonders negativ fielen die zahlreichen Vorstrafen ins Gewicht, von denen die letzte Bewährung erst fünf Monate vor der jetzigen Tat endete. "Schuldeinsicht oder Reue sehe ich nicht", sagte die Richterin. Sie habe den Eindruck, dass der Angeklagte die Sache gar nicht so richtig ernst nehme.
Neben der Bewährungsstrafe setzte das Gericht 100 Stunden gemeinnützige Arbeit nach Weisung des Vereins "Fähre" fest. Der Angeklagte bekommt außerdem drei Jahre lang einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss die Kosten der Verhandlung tragen.
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