Ebern

Fledermäuse brauchen sichere Plätze

Der Arbeitskreis Fledermausschutz im Bund Naturschutz besteht 30 Jahre. Die Helfer widmen sich einer besonderen Aufgabe im Kreis.
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Fledermausberater Arthur Scholl kümmert sich auch um kleinste Jungtiere, die aufgefunden wurden und alleine nicht überleben könnten.  Foto: Harald Amon
Fledermausberater Arthur Scholl kümmert sich auch um kleinste Jungtiere, die aufgefunden wurden und alleine nicht überleben könnten. Foto: Harald Amon
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In Teilen Afrikas und Asiens gelten Fledermäuse als Delikatesse. In Deutschland stehen 17 Arten auf der Roten Liste, unterstehen also einem besonderen Schutz. Und es gibt unermüdliche ehrenamtliche Helfer, die sich um das Wohl der kleinen Säugetiere kümmern. So auch der Arbeitskreis Fledermaus des Bundes Naturschutz, der in diesem Jahr bereits 30 Jahre alt wird.

Am Freitag, 16. November, feiern die Fledermausschützer ihr Jubiläum im kleinen Saal der Haßfurter Stadthalle, zu dem auch die Öffentlichkeit eingeladen ist. Matthias Hammer, der Leiter der Fledermauskoordinierungsstelle Nordbayern, will die Festrede halten und neben dem Fledermausschutz in Bayern auf die vielen Projekte im Landkreis Haßberge eingehen. Der Sprecher des Arbeitskreises, Harald Amon, Vorsitzender der Ortsgruppe Ebern im Bund Naturschutz, wird auch die letzten drei Jahrzehnte in einer Chronik Revue passieren lassen.

Neben zwei Ausstellungen werden einige ausgestopfte Fledermäuse präsentiert, die seinerzeit tot aufgefunden wurden. Ein geschickter Tierpräparator hat die kleinen Flugkünstler anschaulich hergerichtet, die später auch im Heimatmuseum in Ebern zu sehen sein werden. Durch eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Unterfranken war dies möglich, denn Fledermäuse dürfen normalerweise sowohl lebendig als auch tot nicht in Privatbesitz sein.

Feudale Wochenstube

Bereits seit 1988 machen die Naturschützer regelmäßig Exkursionen durch den Landkreis. Bei über 200 Quartieren wird dann nach dem Rechten geschaut und die nachtaktiven Tiere gezählt. Eine Hochburg ist hier zum Beispiel Ebelsbach, wo die Fledermäuse in einem drei Kilometer langen Stollen beheimatet sind.

Für ihre Wochenstube hatten die Weibchen im letzten Sommer das Schloss Burgpreppach auserkoren. Hier fanden sich 1370 Fledermaus-Mütter, die gemeinsam den Nachwuchs großzogen. In dem großen, alten Gebäude fühlen sie sich besonders wohl, denn die Fledermäuse bevorzugen ein mit Schiefer oder Biberschwänzen gedecktes Dach und am liebsten keine zugige Luft. Die meisten Arten bringen nur einmal im Jahr ein einzelnes Jungtier zur Welt. Dies wird durch eine für Säugetiere ihrer Größe hohe Lebenserwartung kompensiert. Manche Arten können unter günstigen Umständen ein Alter von 20 bis 30 Jahren erreichen.

Ohren wie Mäuse

Besonders das Große Mausohr ist hier weit verbreitet. Ihren Namen verdankt diese Gattung der Ähnlichkeit ihrer Ohren mit denen von Mäusen. Im Gegensatz zu diesen besitzen die Mausohrfledermäuse einen funktionalen Tragus. Das ist die anatomische Bezeichnung für jenen Knorpelanteil der Ohrmuschel, der eine Erhebung vor dem Eingang des äußeren Gehörgangs bildet. Dieser ist beweglich und damit kann der Gehörgang verschlossen werden.

Mausohren erreichen eine Kopfrumpflänge von 35 bis 100 Millimetern, ihr Schwanz wird 28 bis 65 Millimeter lang. Ihr Gewicht variiert von drei Gramm bei den kleinsten Arten bis zu 45 Gramm beim Großen Mausohr. Von den Mausohren gibt es über 100 Unterarten.

Praktiker und Theoretiker ergänzen sich in hervorragender Weise im Arbeitskreis. So hilft ein Teil der Ehrenamtlichen zum Beispiel bei der Restaurierung von Gewölbekellern, denen der Verfall droht und die deshalb angepachtet werden. Andere Mitglieder wiederum verbringen große Teile ihrer Freizeit mit der Artenbestimmung, denn das ist nicht immer sofort zu erkennen. Aber auch die Rufe der Fledermäuse werden analysiert, die sich in ähnlicher Umgebung oft zum Verwechseln anhören. Mit einem sogenannten Batcorder können die Stimmen vor Ort aufgezeichnet und später ausgewertet werden. Mit wenig Aufwand kann man so viele Informationen erhalten.

Bestellt vom Landesamt für Umwelt ist Arthur Scholl aus Unfinden als Fledermausberater. Dieser ehrenamtlichen Tätigkeit geht er sehr gewissenhaft nach, so dass er oft Anrufe aus ganz Deutschland erhält. Meistens fragen die Leute, was man machen soll, wenn man daheim bei sich Fledermäuse entdeckt. Das Beste sei immer, das Tier in seiner Umgebung zu lassen, so Scholl. Denn Fledermäuse richten keinen Schaden an und sind verträgliche "Untermieter".

Der Experte ist stolz darauf, dass er bisher jeden Anrufer überzeugen konnte, die Fledermäuse in Ruhe zu lassen. Oft bekommt Scholl auch Jungtiere, die aufgefunden wurden. Erst vor kurzem hatte er ein nur 3,4 Gramm wiegendes Exemplar bekommen, das er erfolgreich mit Katzenmilch wieder hochgepäppelt hat.

In manchen Fällen sei es aber auch sinnvoll, die Fledermäuse an größere Auffangstationen in beispielsweise Schweinfurt oder Coburg weiterzugeben, meint der Fachmann. Denn unter ihresgleichen fühlen sich die kleinen Säuger am wohlsten.



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