Zeil am Main

Film rückt Epilepsie in den Fokus

Im "Capitol" in Zeil steht am 18. Januar ein besonderer Kinomoment auf dem Spielplan. In "Back for Good" muss ein Reality-TV-Sternchen lernen, Verantwortung für ihre an Epilepsie erkrankte Schwester zu übernehmen.
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Eine Szene aus "Back for Good”: Dicke Luft herrscht zwischen Angie (Kim Riedle, rechts) und Kiki (Leonie Wesselow).  Foto: SWR/Zum Goldenen Lamm
Eine Szene aus "Back for Good”: Dicke Luft herrscht zwischen Angie (Kim Riedle, rechts) und Kiki (Leonie Wesselow). Foto: SWR/Zum Goldenen Lamm

Im Zeiler Kino findet am Samstag, 18. Januar, ein besonderer Filmnachmittag statt. Die unterfränkische Epilepsieberatung zeigt dort den deutschen Spielfilm "Back for Good", in dem das Thema Epilepsie eine wichtige Rolle spielt. Beginn des Nachmittags im Kino ist um 16.30 Uhr. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit den Haßberg-Kliniken, der Volkshochschule und der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (Kos) angeboten.

"Skurril und schrill, aber sehr verantwortungsvoll einem ernsten Thema gegenüber!" Was beim ersten Lesen ein wenig widersprüchlich klingt, ist für Henrike Staab eine mehr als gelungene filmische Umsetzung eines Themas, das ihrer Ansicht nach in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig präsent ist: Epilepsie. Mit "Back for Good" soll sich das zumindest ein bisschen ändern. "Mir gefällt der Film richtig gut", sagt Staab über den im Jahr 2017 gedrehten Streifen mit Kim Riedle, Leonie Wesselow und Juliane Köhler in den Hauptrollen.

Austausch mit Fachleuten

Sozialpädagogin Staab kümmert sich im Auftrag der Stiftung Juliusspital um die Epilepsieberatung in Unterfranken. Auch im Landkreis Haßberge finden regelmäßig Sprechstunden in Haßfurt und Hofheim statt. Der Filmnachmittag im Zeiler Kino soll nun ein weiterer, gezielter Schritt sein, um das Thema Epilepsie einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen.

Ab 17 Uhr wird im Kino die preisgekrönte deutsche Komödie "Back for Good" gezeigt. Der Eintritt beträgt fünf Euro, wie der Veranstalter mitteilt. Bereits ab 16.30 Uhr gibt es im Foyer des "Capitol" einen kleinen Empfang sowie Informationen über die Krankheit, unter anderem von der Selbsthilfegruppe "Epilepsie". Laut Veranstalter besteht nach der Filmvorführung die Möglichkeit, sich mit Betroffenen und Fachleuten auszutauschen.

Zehn von 100 Menschen betroffen

"Epilepsie ist leider noch immer eine Krankheit, die nicht frei von Vorurteilen und falschen Informationen ist", sagt Henrike Staab. Und das, obwohl Schätzungen zufolge etwa zehn von 100 Menschen mindestens einmal im Leben einen der für die Krankheit typischen Krampfanfälle erleiden. Rein statistisch kennt also jeder jemanden, der an Epilepsie leidet.

Auch Reality-TV-Sternchen Angie, die in "Back for Good" aus PR-Gründen einen Drogenentzug macht, mit dessen Hilfe sie sich wieder ein bisschen mehr ins Rampenlicht rücken will - schließlich gilt es, einen Platz im nächsten Dschungelcamp zu ergattern. Ein Plan, der nicht aufgeht. Denn die Konkurrenz in der Welt der B-Prominenz ist hart.

Soziale Isolation

Als Angie dann auch noch von ihrem Freund und Manager verlassen wird, bleibt ihr nichts anderes übrig, als wieder bei ihrer Mutter Monika einzuziehen. Dort trifft sie auch auf ihre pubertierende Schwester Kiki, die wegen ihrer Epilepsie-Erkrankung den ganzen Tag über einen Schutzhelm tragen muss und unter der damit einhergehenden sozialen Isolation leidet. Die beiden Schwestern finden langsam wieder zueinander.

Doch erst als ihre Mutter ins Krankenhaus muss, sieht sich Angie gezwungen, echte Verantwortung für Schwester Kiki zu übernehmen.

Was zunächst wie ein Desaster aussieht, könnte eine Chance für die zerrüttete Familie sein. Regisseurin Mia Spengler gelingt es, auch aufgrund der fantastischen Darstellerleistung von Kim Riedle als Angie, Leonie Wesselow als Kiki und Juliane Köhler als überfürsorgliche Mutter, Angies Welt der B-Promis und die Provinz immer wieder aufeinanderprallen zu lassen - auch durch die glaubhafte und authentische Einbindung von Social Media. Daraus entstehen dank pfiffiger Dialoge immer wieder höchst amüsante und unterhaltsame Momente.

Vergebene Chancen

Doch auch die Tragik der einzelnen Schicksale mitsamt all den vergebenen Chancen und den nicht erfüllten Träumen blitzt in den einzelnen Szenen auf. Mit "Back for Good" ist Mia Spengler ein reifer und fein ausbalancierter Film gelungen, der sein Thema frech-charmant und berührend ehrlich erzählt, heißt es vom Veranstalter.

"Der Film rückt nicht nur Epilepsie in den Fokus", berichtet Henrike Staab. "Er beleuchtet auch, was mir besonders wichtig ist, was die Krankheit für ein Familiengefüge bedeutet." Schließlich seien nicht nur die Erkrankten, sondern auch die Angehörigen betroffen und müssten lernen, mit Epilepsie und den Folgen umzugehen.

"Das ist nicht immer einfach, aber gemeinsam zu schaffen. Das kommt in ,Back for Good‘ sehr gut raus", findet die Sozialpädagogin und hofft, dass am 18. Januar möglichst viele Menschen den Weg ins Zeiler Kino finden, damit Betroffene und Interessierte über das Thema Epilepsie miteinander ins Gespräch kommen, aber auch gemeinsam lachen können. red

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