Neudrossenfeld
Violinkonzert

Festspiel-Musiker nahmen Abschied unter Schlossarkaden

Es war ein Abschied mit Wehmut. Ein Fest des magischen Bogens. Provencalisches Spätsommerlicht fiel unter die Arkaden des Schlosses, die sonst nicht zugänglich sind. Das nutzten die vielen Besucher, u...
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Ein Quartett der Extraklasse: Bernhard Hartog, Michael Frenzel, Ulf Klausnitzer und Kiichiro Mamine (von links).
Ein Quartett der Extraklasse: Bernhard Hartog, Michael Frenzel, Ulf Klausnitzer und Kiichiro Mamine (von links).

Es war ein Abschied mit Wehmut. Ein Fest des magischen Bogens. Provencalisches Spätsommerlicht fiel unter die Arkaden des Schlosses, die sonst nicht zugänglich sind.

Das nutzten die vielen Besucher, um vor Orleander, Ölbaum und Lorbeer eine erinnerungswürdige Stunde zu goutieren. Das "Bayreuth-Festival-Violinquartett", langjährige Musiker des Festspielorchesters, erfüllte das historische Areal mit einer kammermusikalischen Kostbarkeit.

Das "Divertimento für vier Violinen", die "Heptagon"-Suite, der "Recueillement op.203 Nr. 3" und die "Lohengrin-Variationen" schufen eine Sphäre von Schöngeist und Zeitlosigkeit. Die Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Philipp Telemann, Berthold Hummel und Ladislav Kupkovic waren wie maßgeschneidert für die Interpreten Ulf Klausnitzer aus Hamburg, Bernhard Hartog aus Berlin, Michael Frenzel aus Dresden und Kiichiro Mamine, dem Japaner aus Neudrossenfeld. Das jahrezehntelange Engagement in Bayreuth hat sie geprägt, trotz ihres hohen Alters sind sie noch hellwach. Getragene Harmonie, melodiös-jubilierende Galanterie, Passagen wie geschliffene Diamanten und sonores Dahinschreiten zeichneten das Quartett aus, zudem nahezu schwerelose Behändigkeit und ein leichtfüßiger Rhythmus.

Die Musiker sind in den Tontiefen genau so perfekt zu Hause wie himmelhoch, Mozart sublimierten sie in spielerischer Reife. Das Allegretto, die Sarabande und das Allegro via Doppelritt leuchteten im Werk von Kupkovic, tonaler Walzerklang und schraffiert-schnarrende Tonfolgen bei Berthold Hummel. Wer solange zusammenspielt, weiß die Tücken der Violine professionell zu umschiffen.

Die Zeit angehalten

Und Charles Dancia "Andante cantabile e sostuno" war Anhalten der Zeit, das Festhalten des Moments in höchster Konzentration. Wer das so hinkriegt, hat Potenzial. "Das Meer im Frühling" von Michio Miyagi suggerierte lichtdurchflutete Inspirationen, die Geigenbögen ließen die Geishas tanzen.

Euphorie beim Publikum - und es folgte eine Zugabe: Auszüge aus der Oper "La Traviata" von Guiseppe Verdi. Zum Weinen schön.

Professor Ulf Klausnitzer schwärmte nach dem Abschiedskonzert von der "Fränkischen Toskana" hier in Neudrossenfeld mit der unvergleichlichen Aussicht vom Barockgarten ins Rotmainauental. Von der wunderbaren Architektur und dem musikalischen Leben im Schloss. "Wir sind das einzige Kammermusikensemble, das aus dem Kontext der Bayreuther Festspiele entstanden ist und nach 15 Jahren noch besteht. Die Auftritte im Schloss in über einem Jahrzehnt haben wir in vollen Zügen genossen."

"Für mich als Wagner-Enthusiast war es eine Herzensangelegenheit, diesen Interpreten eine Bühne im privaten Bereich zu geben", betonte Schlossherr Karl Gerhard Schmidt. Bürgermeister Harald Hübner, ein Freund klassischer Musik, war ganz begeistert von dem Gehörten. "Wir von der Gemeinde haben solche Veranstaltungen gerne unterstützt", sagte er.

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