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Coburg

Fesselnde Klavierkunst

Wie der Pianist Benjamin Moser das Publikum bei der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg mit einem anspruchsvollen und vielseitigen Programm beeindruckt.
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Zu Gast in Coburg bei der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg: Der Pianist Benjamin Moser beeindruckte die Zuhörer bei seinem Solo-Abend im HUK-Foyer. Foto: Jochen Berger
Zu Gast in Coburg bei der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg: Der Pianist Benjamin Moser beeindruckte die Zuhörer bei seinem Solo-Abend im HUK-Foyer. Foto: Jochen Berger

Gerhard Deutschmann Der Pianist Benjamin Moser beeindruckt bei seinen Gastspielen in Coburg immer wieder nicht nur durch sein Können, sondern auch durch die Breite seines Repertoires. So führte er einesteils den Beethoven-Zyklus der Musikfreunde mit sämtlichen Klaviersonaten weiter, andererseits wagte er sich an ein solches Riesenwerk wie Prokofjews 6. Klaviersonate, die er in diesem Konzert zum ersten Mal öffentlich spielte. Auch für Debussy brachte er das nötige Feeling mit. Von den im Zyklus noch fehlenden sieben Beethoven-Sonaten waren im 1. Teil gleich drei weitere zu hören, während die letzten vier im Dezember erklingen werden.

"Pranke des Löwen"

Benjamin Moser begann mit den zwei kleinen Sonaten op.49/1 und 2, die Beethoven vermutlich für seine Schüler komponierte. Sie haben nur zwei Sätze und werden daher auch häufig als Sonatinen bezeichnet.

Die technischen Schwierigkeiten sind hier gering, dürfen aber nicht unterschätzt werden, denn - wie Moser in seiner Einführung erwähnte - je einfacher der Notensatz, desto schwieriger ist er zu spielen, da jedem Ton eine größere Bedeutung zukommt. Natürlich spielte der Pianist - inzwischen Professor am Konservatorium in Luzern - die beiden kleinen Sonaten in g-Moll und G-Dur lupenrein, durchsichtig und mit dezentem Anschlag, der diesen Werken durchaus angemessen ist.

Ganz anders in der Gestaltung musste die folgende Sonate C-Dur op. 2 Nr. 3 angegangen werden. Sie ist das erste bedeutende Werk Beethovens dieser Gattung und verlangt in seinen virtuosen Ecksätzen und der Kadenz im 1. Satz schon nach der "Pranke des Löwen". Benjamin Moser zeigte echtes "con brio" im Kopfsatz, kultivierten Anschlag im andächtigen Adagio sowie Spritzigkeit und Virtuosität im Scherzo und Finale.

Nach der Pause standen vier Klanggemälde von Claude Debussy aus dem 1. Buch der Préludes auf dem Programm. Mit sensiblem, differenziertem Anschlag ließ Benjamin Moser die "Versunkene Kathedrale" aus dem Nebel erstehen, den "Ostwind" mächtig stürmen, das "Mädchen mit den flachsblonden Haaren"mit zarten Klängen bewundern und die "Hügel von Capri" voller Lebendigkeit erscheinen. Vom Leichten zum Schwierigen führte das Programm dieses Konzerts.

Krönender Abschluss

Und das Schwierigste folgte nunmehr als krönender Abschluss in Gestalt der 6. Sonate A-Dur von Sergej Prokofjew, der insgesamt neuen Klaviersonaten schuf.

In der sechsten, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstand, dominieren die Angstgefühle und das Grauen, die sich in Brutalität und dissonanten Ballungen äußern. Es muss eine enorme Fleißarbeit gewesen sein, dieses fast halbstündige Riesenwerk mit seinen horrenden Schwierigkeiten auswendig einzustudieren.

Benjamin Moser zeigte sich den hohen Anforderungen jederzeit gewachsen und beeindruckte mit einer fesselnden Wiedergabe wie aus einem Guss.

Für den anhaltenden Beifall bedankte er sich mit zwei Zugaben aus den "Kinderszenen" von Robert Schumann, womit er wiederum vom Schwierigen zum Leichten zurückführte.