Trebgast

Feinsinnig und bitterböse

"Mensch bleiben" - das war die Botschaft, die der Kabarettist Christoph Sieber am Samstag den Besuchern auf der Naturbühne vermittelte.
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Christoph Sieber steht seit fast 20 Jahren auf den Brettern der Kabarettbühnen. Links Gerd Kammerer, der für die Gastspiele an der Naturbühne verantwortlich ist. Foto: Werner Reißaus
Christoph Sieber steht seit fast 20 Jahren auf den Brettern der Kabarettbühnen. Links Gerd Kammerer, der für die Gastspiele an der Naturbühne verantwortlich ist. Foto: Werner Reißaus

Christoph Sieber warf bei seinem Gastspiel auf der Naturbühne Trebgast einen feinsinnigen, aber auch bitterbösen und schonungslosen Blick auf die Gesellschaft, Politik und die Kunst. So fragte er sich zum Beispiel: "Wie konnte es so weit kommen, dass wir Konsumenten sind, User, Zuschauer, Politiker, Migranten, Deutsche, aber immer seltener Mensch?" Doch Sieber wäre nicht Sieber, gäbe es nicht auch seine andere, die schelmische, urkomische und komödiantische Seite, die den Besuchern einen herrlichen Kabarettabend par excellence bereitete.

Christoph Sieber ist auf der Naturbühne dem Titel seines neuen Programmes bis zur letzten Minute treu geblieben: Er ist einfach Mensch geblieben, auch wenn er mitunter über Gott und die Welt wütend loslegte und Missstände schonungslos aufdeckte. Der gebürtige Schwabe, der 2015 den Deutschen Kleinkunstpreis erhielt, zeigte sich wortgewandt und scharfsinnig. Sieber gehört ohne Zweifel zur "Crème de la Crème" dieses Genres in der Bundesrepublik. Nur schade, dass der Abend nicht den Zuspruch fand, den er eigentlich verdient hätte. Die Besucher waren am Ende begeistert von einem nie enden wollenden Wortwitz und auch einem gewissen Galgenhumor bei den ernsten Themen dieser längst nicht mehr heilen Welt. Warum er ausgerechnet in Trebgast auftritt, verriet Sieber gleich am Anfang: "Ich war jahrelang im Knast und als Resozialisierungsmaßnahme muss ich heute Abend in Trebgast auf der Naturbühne auftreten."

Christoph Sieber durchleuchtete das aktuelle Zeitgeschehen und versteht es dabei erfrischend ehrlich, den Finger tief in die Wunde zu legen. Zum Glück hat der gelernte Pantomime das Redeverbot seiner Zunft nicht übernommen. Denn nur so kann er sein Publikum mit herrlichen Schimpftiraden und messerscharfen Pointen begeistern.

In einem Mix aus spitzzüngigem Politkabarett und pantomimischen Tanz sowie Gesangseinlagen verkörperte Christoph Sieber eigentlich alles, was einen guten Comedian auszeichnet. Mitunter zeigte er auch eine lyrische Seite und präsentierte postwendend Zynismus in Reinkultur, der das Publikum betroffen nachdenklich macht, aber im nächsten Moment herzlich lachen lässt. Siebers Texte sind Ausdruck einer gesellschaftlichen Schieflage und die Pointen sitzen messerscharf. Und noch eines: Christoph Sieber ist kein Mann für die billigen Slapsticks, sondern er rüttelt an den Grundfesten der Gesellschaft.

Der sympathische Kabarettist bot an dem Abend einen kabarettistischen Rundumschlag der Extraklasse. Dass es der deutsche Kabarettist derzeit nicht einfach hat, das liegt für Christoph Sieber auch daran, dass die Politik jetzt auf einmal Zukunft gestalten will, "aber das will der Deutsche bis heute überhaupt nicht", sondern er wolle einfach mit der Gegenwart unzufrieden sein.

Verständnis zeigte Sieber für die Proteste "Fridays for Future" während der Schulzeit: "Ja, wann denn sonst? Nachts um Eins auf dem Friedhof von Pusemuckel, wo sie kein Feedback haben? Leute, das ist der Sinn von Protest, dass er den Betriebsablauf auch einmal stört. Von normalen Arbeitnehmern hat man auch noch nicht verlangt, dass sie in ihrer Freizeit die Arbeit niederlegen."

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