Bad Kissingen

FC 06 hält es im Pokal einstellig

An einen Sieg dachten Spieler und Verantwortliche des FC 06 Bad Kissingen gegen den Drittligisten Kickers Würzburg zu keiner Minute. Doch ärgern konnte der Bezirksligist den großen Favoriten schon ein wenig.
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Fuaad Kheder (links) und Christian Heilmann vom FC 06 versuchen, den Spieldrang von Kickers-Akteur Simon Skarlatidis einzudämmen. Foto: Hopf
Fuaad Kheder (links) und Christian Heilmann vom FC 06 versuchen, den Spieldrang von Kickers-Akteur Simon Skarlatidis einzudämmen. Foto: Hopf

Steffen Standke FC Bad Kissingen - Würzburger Kickers 1:9 (1:3). Tore: 1:0 Christian Laus (4., Foulelfmeter), 1:1 Daniel Hägele (16.), 1:2 Patrick Breitkreuz (21.), 1:3, 1:4 Enis Bytyqi (30., 51.), 1:5 Florian Kohls (62.), 1:6 Bytyqi (74.), 1:7 Hägele (76.), 1:8 Bytyqi (77.), 1:9 Dennis Mast (90.). Rot: Ibrahim Hajtic (67., Würzburg, Notbremse). Da wunderten sich doch viele der rund 600 Zuschauer im Bad Kissinger Sportpark, darunter viele Fans der Würzburger Kickers: 1:0 nach vier Minuten. Für den FC 06 durch Elfmeter! Die Euphorie währte eine Viertelstunde. Dann machte der Favorit aus der Dritten Liga ernst.

FC-06-Trainer Mario Wirth machte seine Ankündigung wahr und stellt e durchaus offensiv auf, mit Andrei Puscas in der Spitze und Ruslan Zhyvka dahinter. Außerdem beförderte der 39-Jährige Cedric Bäßler in sein Team. Er spielt eigentlich noch A-Jugend, so wie Jonas Schaupp, der eingewechselt wurde.

Die Würzburger Kickers ihrerseits wollten im Dr.-Hans-Weiß-Sportpark kein Risiko gehen. In der Startaufstellung standen nur Spieler, die zum Drittliga-Kader gehören. Gleiches galt für die Ersatzbank. Von Beginn an dabei erfahrene Profis wie Simon Skarlatidis, Patrick Göbel und Daniel Hägele.

Trotzdem schienen diese Haudegen zu Beginn überrascht - und zwar besonders vom frechen Ruslan Zhyvka. Der setzte sich im Zweikampf um den Ball an der Strafraumgrenze vor seinen Gegenspieler Anthony Syhre. Dessen Schubser geschah dann im Sechzehner - Elfmeter durch Schiri Steffen Ehwald.Christian Laus verwandelte in die rechte untere Ecke. Kickers-Torwart Leon Bätge war noch dran; aber die frühe Überraschung war perfekt.

Der Kissinger Führungstreffer machte die Kickers wütend. Richtig wütend. Doch sie probierten es meist mit hohen Bällen. Mehr als ein Schuss vom völlig freistehenden Patrick Breitkreuz, den Florian Rottenberger hielt, kam nicht heraus. Die Kissinger versuchten indes, den Ball nicht nur blind rauszuschlagen - was selten gelang.

Nach einer Viertelstunde dann doch der Ausgleich für die spielerisch und technisch weit überlegenen Würzburger. Kapitän Hägele köpfte nach einer Ecke ein. Danach verbuchten die Kickers, die das Spieltempo hoch hielten, noch einen Pfostenschuss. Und schließlich traf Breitkreuz zur Führung, nachdem er von Onur Ünlücifci schön freigespielt wurde.

Beim 1:3 zahlte die Abwehr der 06er besonderes Lehrgeld: Der Ball trudelte aufs Kissinger Tor zu; Christian Heilmann hätte ihn rausschlagen können. Doch er zögerte ein klein wenig zu lange; Enis Bytyqi hielt einfach nur den Fuß dagegen - drin. Bei diesem Ergebnis blieb es bis zur Pause - weil die Würzburger ihre Chancen nicht nutzten beziehungsweise Rottenberger sehr gut hielt. Auf der anderen Seite verbuchte die Heimmannschaft nur eine Chance. Christian Laus setzte einen Freistoß über das Tor.

Nach der Halbzeit wollte Kickers-Trainer Michael Schiele wohl keinen Schlendrian einziehen lassen. Er wechselte mit Kai Wagner und Dennis Mast noch einmal Drittliga-Power ein. Beide wirbelten die rechte Kissinger Abwehrseite gehörig durcheinander. Beinahe regelmäßig fielen nun Gegentore - drei Mal durch Bytyqi, je einmal durch Florian Kohls, Hägele und schließlich in der Schlussminute durch Dennis Mast. Auch, weil die Kräfte bei den Spielern des FC 06 schwanden.

Nur einmal sorgten sie noch für Aufsehen im Sportpark. Stürmer Andrei Puscas bearbeitete in seiner einzig guten Szene seinen Gegenspieler Ibrahim Hajtic in der 67. Minute, wie es Zhyvka am Anfang des Spiels getan hatte. Der riss ihn um. Und da er letzter Mann war, pfiff der Schiri Notbremse. Und gab Hajtic die Rote Karte. Die Kickers störte diese Unterzahl in ihrem Spielfluss nicht mehr.

Nach dem Spiel freute sich Bad Kissingens Torschütze Laus schon über seinen verwandelten Elfmeter. "Es ist schön, dass wir ein Tor geschossen haben. Aber ich würde nicht sagen, dass danach Hoffnung aufkeimte. Wir wussten, dass irgendwann die Gegentore fallen würden."

Dass man mit nur 1:3 in die Halbzeit ging und einstellig verlor, wertete Laus als Erfolg. "Dazu ist der Unterschied zwischen Amateur- und Profibereich viel zu groß. Und er wird immer größer." Für ihn und die Mannschaft sei es ein Erlebnis gewesen, in einem Pflichtspiel gegen ein Profiteam gespielt zu haben.

Sein Trainer Mario Wirth machte seiner Mannschaft ein Kompliment. "Wir haben die Schnittstellen-Bälle nicht zugelassen, bis unsere Kräfte schwanden." Der FC 06 habe sich vorgenommen, einstellig zu bleiben. Das sei gelungen. Kickers-Coach Schiele ärgerte sich etwas über die erste Halbzeit seines Teams und die Rote Karte. "Wir sind schwer ins Spiel reingekommen, haben einen Elfer verursacht, wo wir nicht gut verteidigen." In Hälfte zwei habe man den Gegner noch viel mehr "bespielen" wollen. Das 9:1 sei dann über 90 Minuten standesgemäß gewesen.

Der Pokal war die Kür; jetzt folgt wieder die Pflicht. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel nahm ein Spiel aus dem Bezirksliga-Alltag eine erstaunlich große Rolle ein - das am Freitag, 18.15 Uhr beim SV Rödelmaier. Dann hofft Trainer Wirth darauf, dass sein Team "fit in den Beinen und frisch im Kopf" sein möge. Die nächsten 48 Stunden würden vor allem der Regeneration gelten. FC 06 Bad Kissingen: Rottenberger - Bäßler (51. Hüfner), Greubel, Heilmann, Schmitt - Kheder, Zhyvka, Laus (46. Schaupp), Heimerl, Ruja - Puscas.

Kickers Würzburg: Bätge - Göbel (46. Wagner), Hajtic, Syhre, Langhans - Skarlatidis (46. Mast), Kohls, Hägele (79. Hansen), Ünlücifci - Bytyqi, Breitkreuz.



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