Bad Staffelstein
Konzert

Farbenfrohe Hommage an den "Mann in Schwarz"

Es gibt Musiker, die laufen dem Mainstream hinterher. Und es gibt Songwriter, die lassen sich nicht verbiegen, legen mit ihren Texten auch einmal den Finger in die Wunde. Zu diesen ist zweifelsohne au...
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Die Gattin des Musikers, Johanna Mengesdorf-Raida, moderierte den Abend. Foto: Mario Deller
Die Gattin des Musikers, Johanna Mengesdorf-Raida, moderierte den Abend. Foto: Mario Deller

Es gibt Musiker, die laufen dem Mainstream hinterher. Und es gibt Songwriter, die lassen sich nicht verbiegen, legen mit ihren Texten auch einmal den Finger in die Wunde. Zu diesen ist zweifelsohne auch der 2003 verstorbene Johnny Cash zu zählen. Neben dem Unterhaltsfaktor eine gehörige Portion Tiefsinn verkörperte vor diesem Hintergrund eine musikalische Johnny-Cash-Biografie mit Herbert Mengesdorf in der Schön-Klinik.

Wenn der Ebensfelder mit Gitarre und Gesang in die Rolle des legendären Countrysängers und Songwriters schlüpft, wird er dem Beinamen "German Johnny Cash" gerecht. Das zeigte sich auch während der eineinhalbstündigen Darbietung vor rund 40 Zuhörern. Zu behaupten, auch nur ansatzweise dem Original gleichzukommen, würde sich Mengesdorf nie anmaßen. Er hatte aber das Glück, Johnny Cash in Washington DC noch persönlich getroffen und sich eine Stunde lang mit ihm unterhalten zu haben.

"Folsom Prison Blues"

Zwischen den Liedern erzählte Mengesdorfs Gattin Johanna Episoden zur Entstehungsgeschichte und Philosophie der Lieder. In den frühen Musikerjahren Cash's entstand 1955 etwa der "Folsom Prison Blues". Damals war Cash als GI bei der US Air Force in Landsberg am Lech stationiert, gründete seine erste Band, die "Landsberg Barbarians". Wie zu erfahren war, hatte Johnny Cash auch immer ein Herz für diejenigen, die am Rand der Gesellschaft standen - und warf US-Präsident Nixon vor, die Indianer und ihr Land auszubeuten, thematisierte dies musikalisch in der Ballade "Irah Hayes". Der Songwriter konnte auch seine Plattenfirma überzeugen, Live-Aufnahmen in Gefängnissen zu machen. So entstand 1963 das Album "Sankt Quentin". Ein Song hieraus ist "A Boy Named Sue". Dieses Lied handelt davon, dass ein Vater beschließt, seine Familie zu verlassen, aber möchte, dass sein kleiner Sohn später gezwungen ist, sich durchzubeißen, indem er ihm den weiblichen Namen "Sue" gibt.

Es war kein Konzert zum Mitklatschen, aber gerade dieses In-Sich-Gehen, der den Liedern innewohnende immerwährende Appell an Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit, gefällt der Johnny-Cash-Fangemeinde, die es noch immer gibt. Die nach jedem Stück einsetzenden Beifallsbekundungen der Zuhörer offenbarten, dass es Mengesdorf sehr gut gelang, den "Spirit" eines Johnny Cash zu transportieren.

Wer es nicht schon vorher wusste, erfuhr auch, warum Johnny Cash seit den frühen 1970er Jahren nur noch in schwarzer Kleidung auftrat. Wie Johanna Mengesdorf-Raida ausführte, fasste Cash damals diesen Entschluss, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. So trug er Schwarz beispielsweise für die Armen und Unterdrückten, für die Kranken und einsamen Alten. Seine Haltung setzte Cash in einem bewegenden Song um, der an diesem Abend nicht fehlen durfte und welcher die Liedzeile enthält "Till things are brighter I am the man in black". Johnny Cash feierte große Erfolge, aber es gab auch Zeiten, in denen war der Musiker ganz weit unten, sein Leben glich einer Achterbahn. In schweren Zeiten half ihm seine tiefe Gläubigkeit.

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