Hundshaupten

Fahrplan für Wildpark 2050 steht

Der Wildpark Hundshaupten wird fit für die Zukunft gemacht. Der Kreistag hat das Konzept für die schrittweise Umgestaltung gebilligt. Der Leiter des Tierparks, Daniel Schäffer, erläutert seine Ideen.
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Das Luchs-Gehege ist auf dem Breitenstein unweit der Schafe. Hier sollen die Besucher auch etwas über den Lebensraum der Tiere erfahren.
Das Luchs-Gehege ist auf dem Breitenstein unweit der Schafe. Hier sollen die Besucher auch etwas über den Lebensraum der Tiere erfahren.
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Der Wildpark Hundshaupten, so Landrat Hermann Ulm (CSU), gehöre zu den attraktivsten und beliebtesten Freizeiteinrichtungen in ganz Bayern. Dieses Kleinod soll durch eine verbesserte Infrastruktur sowie weitere Angebote und Attraktionen für die Zukunft fit gemacht werden. Über das Gesamtkonzept sprachen wir mit Daniel Schäffer, dem Leiter des Wildparkes.

Herr Schäffer, war Ihnen klar, welche Aufgabe auf Sie zukommt , als Sie die Leitung des Wildparkes übernommen haben?

Daniel Schäffer: Nein, aber ein Konzept war politisch gewünscht. Die notwendigen Sanierungsmaßnahmen sollten möglichst planvoll in Angriff genommen werden. Es galt, Belange des Tierwohles, der Mitarbeiter und der Besucher in Einklang zu bringen.

Bekommt der Wildpark eine neue Identität?

Auf keinen Fall. Der Wildpark wird seinen Charakter als familienfreundliche Einrichtung - in erster Linie für die Landkreisbürger - behalten. Deshalb haben wir uns bei jeder geplanten Maßnahme gefragt, ob und inwieweit sie den Charakter des Parkes beeinflusst.

Wie sind Sie an die Herausforderung herangegangen?

Neben Familien zählen Kindergärten und Schulen zu unserer Hauptklientel. Wir haben überlegt, wie wir dem Bildungsauftrag in einer zeitgemäßen Form am ehesten gerecht werden können. Es hat sich gezeigt, dass Texttafeln vor den Tiergehegen mit langen Erklärungen nicht gelesen werden. Ein Ansatz ist beispielsweise, dass wir künftig mehr mit Führungen arbeiten wollen, bei denen Experten Zusammenhänge anschaulich erklären.

Das klingt nach einer großen Herausforderung.

Stimmt. Dabei haben wir uns auch die Frage gestellt: Wie viele Informationen kann jemand bei einem Besuch mitnehmen. Das ist nicht allzu viel. Aus diesem Grund wollen wir die Infos mit Freizeitspaß kombinieren. Etwa bei ejnem Kindergeburtstag im Wildpark. Wenn die Kinder hier Fährten lesen oder das unterschiedliche Nahrungsangebot den Tieren zuordnen, haben sie Spaß gehabt und viel gelernt.

Das Angebot an Tieren reicht vom Kaninchen und Hühnern bis zum Waschbären und dem Wiesent. Wie bringen Sie hier eine Ordnung rein?

Wir haben hier europäische Wildtiere, seltene Haustierrassen sowie "invasive Arten und Neubürger". Zu den letzteren zählen beispielsweise Nandus. Der Waschbär dagegen ist eine "invasive Art". Wir wollen zeigen, dass diese Tiere nicht abgeschottet für sich leben; sie teilen sich vielmehr einen Lebensraum. Das heißt: Ein Waschbär sieht zwar niedlich aus, richtet durch seine Nahrungssuche aber auch erheblichen Schaden an. Wenn wir darüber informieren, leisten wir (hoffentlich) einen Beitrag, die Bürger für das Thema "Eindringlinge" zu sensibilisieren. Sie haben einen massiven Einfluss auf unsere Flora und Fauna. Übrigens: Auch unsere Kaninchen zählen in Australien zu den invasiven Arten.

Was können Sie uns über die künftige Anordnung der Gehege verraten?

Ich halte nichts davon, eine Voliere neben die andere zu setzen. Nach den ersten fünf weiß keiner mehr, welche Art er gerade angeschaut hat. Für sinnvoller halte ich es, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu präsentieren. So gehören Gemsen nun einmal in ein steiles, felsiges Gelände. Haustiere kann man im Bauernhofbereich, der in der Nähe des Eingangsbereiches entstehen soll, zusammenfassen. Sehe, Riechen und Berühren der Tiere führen zu einem intensiveren Erlebnis, als bisher. Andererseits kann beim Schaf-Lehrpfad auf dem Breitenstein die Entwicklung vom "Ur-Schaf", dem Mufflon über das Soay-Schaf bis zu unseren Schafrassen veranschaulicht werden. Während beim Mufflon der Zaun noch zwei Meter hoch ist, damit die Tiere nicht drüber springen, reicht bei unseren Schafen ein Zaun mit einer Höhe von einem Meter aus. Für solche Zusammenhänge brauchen wir keine langen Texte.

Heißt das, der Erlebnischarakter soll noch mehr gestärkt werden?

Definitv, aber wir werden kein Disneyland. Da, wo es sich anbietet, werden wir Pfade interaktiv gestalten, Fühlboxen installieren und Quiz-Stationen aufbauen, wo die Besucher nachgucken können, ob sie die richtige Antwort gewusst haben. Auch Vogelstimmenwanderungen sind denkbar. Wir wollen faszinierende Anpassungsstrategien von Tieren in Zusammenhang mit ihrem Lebensraum vorstellen und artspezifische Verhaltensäußerungen erklären. Das gilt auch für den Lebensraum Wasser, den wir erlebbar machen wollen.

Gibt es bei der Vielzahl von Maßnahmen eine Prioritätenliste?

Wir haben Maßnahmenpakete geschnürt, die Dringlichkeitsstufen zugeordnet sind. Ihre Umsetzung hängt aber nicht zuletzt von den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln ab.

Bis wann soll das neue Gesamtkonzept für den Wildpark Hundshaupten abgeschlossen sein?

Eine Zeitvorgabe gibt es nicht. Hier geht es um ein Langzeitprojekt, das zehn oder 20 Jahre dauern kann. Das hat aber den Vorteil, dass wir unseren Besuchern immer wieder etwas Neues bieten können.

Steigen mit der Umgestaltung auch die Eintrittspreise?

Eine moderate Preisanhebung wird es im Rahmen der allgemeinen Preisanpassung sicher geben. Die für den Wildpark geplanten Maßnahmen werden aber keinesfalls auf den Eintrittspreis umgelegt. Das Gespräch führte Josef Hofbauer.

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