Wonfurt

Fällaktion erhitzte die Gemüter

Im Wonfurter Gemeinderat gab es Streit wegen einer abgesägten Pappel - und wegen der Form der Kritik.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Pappel am Ortseingang von Wonfurt musste aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. In der Sitzung des Gemeinderats kam es zum Streit darüber, auf welche Weise das Ratsmitglied Karl Hellwig sein Bedauern über diese Fällaktion ausgedrückt hatte.  Foto: Ulrike Langer
Die Pappel am Ortseingang von Wonfurt musste aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. In der Sitzung des Gemeinderats kam es zum Streit darüber, auf welche Weise das Ratsmitglied Karl Hellwig sein Bedauern über diese Fällaktion ausgedrückt hatte. Foto: Ulrike Langer

Ulrike Langer "Not amused" war Bürgermeister Holger Baunacher (CSU), als er vor der Sitzung des Gemeinderates in Wonfurt eine Mail von Gemeinderat Karl Hellwig erhielt. Denn sie enthielt eine "Todesanzeige" und ein Bild von einer Pappel, die bisher an der Straße kurz vor dem Ortseingang von Wonfurt stand. Darin schrieb Karl Hellwig: "Diese herrliche, uralte Pappel musste sterben, damit der Bürgermeister ruhig schlafen kann." Baunacher wiederum fand: "Das ist nicht der Umgang, den wir pflegen sollten. Am liebsten hätte ich alles hingeschmissen!"

Vor kurzem wurde die Pappel abgesägt. Baunacher betonte, dass er einen Spezialisten hinzugezogen habe und der Baum gefällt worden sei, da die Gemeinde der Verkehrssicherungspflicht nachkommen müsse. Auch seien ein Baum am Weg zum Hundesportplatz sowie Weiden an der Lehmgrube aus diesem Grund gefällt oder gestutzt worden. Wobei die gestutzten Weiden wieder austreiben. Weiter sei ein Baum im Friedhof geschnitten worden.

Für Karl Hellwig unverständlich, zumal Weiden im Frühjahr eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen seien. Er befürchtet, dass auch die Linden in der Hauptstraße in Wonfurt demnächst so radikal geschnitten würden. Dem widersprach der Bürgermeister. "Die Linden werden nur gestutzt, aber es muss vom Gesetz her ein Lichtraumprofil von 4,5 Metern vorhanden sein", betonte er. Außerdem werde die linke Säuleneiche vor der Kirche in Wonfurt demnächst radikal geschnitten.

"Sauberkeitsfimmel"

Gemeinderat Wolfgang Thein warf in die rege Diskussion, die am Ende im Streit über die Art und Weise des Umgangs ausartete, ein, dass der Bauhof einen "Sauberkeitsfimmel" habe. Er begrüße daher, wenn ein Spezialist hinzugezogen werde, mahnte aber auch den Grünpflegeplan an. Denn darauf warte der Gemeinderat schon einige Jahre.

Auch Hellwig bedauerte, dass man ständig mehr Grünwüsten anlege. Dem gegenüber erklärte Baunacher, dass man so viele Bäume wie möglich erhalte und die Gemeinde Wonfurt immerhin fast drei Hektar Fläche für das Programm "Blühender Landkreis" zur Verfügung gestellt habe. Auch wolle man bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ weitere Sträucher in der Flur setzen.

Gemeinderat Franz-Josef Selig meinte, dass die ganze Aufregung über die Baumfällarbeiten hätte vermieden werden können, wenn der Gemeinderat vorher informiert gewesen wäre. Baunacher erwiderte, dass das Vorhaben bekannt gewesen und sogar im Mitteilungsblatt veröffentlicht worden sei.

Für das neue Baugebiet "Stöcklesanger" in Wonfurt liegt der erste Entwurf als Arbeitsgrundlage vor. So sagte Baunacher, dass der Bauausschuss sich jetzt mit den gestalterischen Inhalten beschäftigen müsse. Franz-Josef Selig vermisste allerdings innovative Ideen unter anderem bezüglich des Wasserhaushalts oder erneuerbarer Energien. Er regte an, den Architekten zu ermuntern, sich anzustrengen und ein "Glanzstück" abzuliefern. Karl Hellwig wiederum brachte ein Wärmenetz ins Gespräch.

Baunacher sagte, dass Einzelheiten erst noch geklärt werden müssten. Schließlich sei der Bebauungsplan ein Prozess. Andererseits dürfe man den Bauherren nicht mehr so viel vorschreiben, da auch das Landratsamt Haßberge zukünftig Befreiungen von den Festsetzungen eines Bebauungsplans nicht mehr "durchwinken" werde. Am Ende stimmten alle Gemeinderäte zu, dass sich der Bürgermeister und der Bauausschuss um die weiteren Planungen kümmern und dann dem Gemeinderat ein schlüssiges Konzept vorlegen sollten.

Welche Nutzung?

Mit dem bayerischen Förderprogramm "Innen statt Außen" möchte die Gemeinde die alte Schule in Steinsfeld sanieren. Damit zeigte sich der Gemeinderat einverstanden. Für Bürgermeister Holger Baunacher bedeutet dies auch, die alte Schule langfristig einer geregelten Nutzung durch Gemeinde, Organisationen, Einrichtungen, Vereine und Interessengruppen zuzuführen.

Was die Schule in Dampfach betrifft, so ist noch nicht ganz klar, ob die Lebenshilfe Sylbach die Räumlichkeiten während ihrer eigenen Sanierungsarbeiten nutzen wird. Der Bürgermeister schlug vor, auch wenn die Lebenshilfe die Schule nicht nutzen möchte, den Schulbetrieb für einen Zeitraum auszusetzen und Sanierungsmaßnahmen im Innenbereich zeitnah auszuführen. Die Schulkinder sollten dann auf die Schulstandorte in Obertheres und Gädheim verteilt werden. Dem stimmte der Rat zu.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren