Ebern

Eyrichshöfer hoffen auf Bürger-Votum

Im Stadtrat von Ebern wird morgen darüber entschieden, ob das Bürgerbegehren der Bürgerinitiative Eyrichshof zulässig ist. Die Sprecher der Initiative beanstanden das Klima bei Gesprächen mit Firma und Politik und kritisieren die jüngste Debatte im Stadtrat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Firma Uniwell aus Richtung der B 279: Hinter der Firma würde das 21 Meter hohe Hochregal entstehen, wie es der Eberner Stadtrat vor einigen Tagen beschlossen hat. Gegen das Projekt regt sich heftiger Widerstand. Eine Bürgerinitiative strebt ein Bürgerbegehren an.  Foto: Helmut Will/Archiv
Die Firma Uniwell aus Richtung der B 279: Hinter der Firma würde das 21 Meter hohe Hochregal entstehen, wie es der Eberner Stadtrat vor einigen Tagen beschlossen hat. Gegen das Projekt regt sich heftiger Widerstand. Eine Bürgerinitiative strebt ein Bürgerbegehren an. Foto: Helmut Will/Archiv
+1 Bild

In Ebern bestimmt derzeit ein großes Thema die Diskussion. Groß nicht nur der Ausmaße von 21 Meter Höhe und mehr als 220 Meter Länge wegen. Groß auch wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit, des breit angelegten Protests und der angeprangerten Auswirkungen auf den Naturraum und das Ortsbild von Eyrichshof. Groß auch war bei der jüngsten Sitzung des Stadtrats von Ebern die Eintracht, mit der das Gremium dem umstrittenen Bauvorhaben, einem Hochregallager der Firma Uniwell im Gewerbegebiet Eyrichshof, zustimmte. Zuvor hatte das Gremium mehr als drei Stunden lang Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange und Einwürfe von Privatpersonen behandelt.

Die Zuhörerreihen waren bei dieser Sitzung dicht besetzt, vor allem mit Vertretern der Bürgerinitiative Eyrichshof, die das Vorhaben verhindern will. Mitglieder der Bürgerinitiative äußerten sich nach der Sitzung enttäuscht über den Gleichmut und die Oberflächlichkeit, mit der fundierte Argumente beiseitegewischt worden seien.

Die Bürgerinitiative baut jetzt darauf, dass Volkes Wille die Hochregalpläne noch kippen wird, 754 Bürger hatten sich mit ihrer Unterschrift für ein Bürgerbegehren ausgesprochen, über dessen Zulässigkeit der Stadtrat in seiner Sitzung am morgigen Mittwoch entscheiden wird.

Zum Stand der Dinge nimmt die Bürgerinitative, die Hans-Peter Fuchs, Adalbert Holzberg, Norbert Arndt, Hermann von Rotenhan, Kerstin Fertsch-Angermüller und Klaudia Kaiser, alle Eyrichshof, zu ihren Sprechern erkoren hat, in einer ausführlichen Pressemitteilung Stellung. Sie erhebt darin harsche Vorwürfe gegen Bürgermeister Jürgen Hennemann und prangert die Kompromisslosigkeit an, mit der die Firma Uniwell bei Gesprächsrunden an den Dimensionen des geplanten Hochregallagers festhalte.

"Verdrehte Tatsachen"

"Wir fragen uns in den letzten Monaten immer wieder: In welcher Gemeinde leben wir eigentlich? Nach welchen Regeln wird hier entschieden, wer oder was ist wichtig?", fragen die Verfasser des Schreibens, die dem Bürgermeister vorwerfen, Tatsachen zu verdrehen und Sichtweisen immer für sich am günstigsten auszurichten. "Warum steht ein Bürgermeister nicht hinter seinen Bürgern, sondern bauchpinselt einen Großunternehmer, indem sämtliche wichtigen Umwelt-, Landschafts- und Menschlichkeitsaspekte außer Acht gelassen werden?", fragt die Bürgerinitiative.

Der beabsichtigte Standort befinde sich in deren unmittelbarer Nachbarschaft und so hätten die Eyrichshöfer Bürger gezwungenermaßen eine Bürgerinitiative gegründet: "Nicht, weil wir keinen anderen Zeitvertreib haben, sondern weil uns die Firma Uniwell und die Stadt Ebern keine andere Wahl gelassen haben."

Ein Schreibfehler?

Die geplante Bebauungsplanänderung, so ein Rückblick, habe mit einer Information im Mitteilungsblatt der VG Ebern (Nr.10) im April 2019 begonnen. "Eine Kurzbeschreibung und ein Minibild ließen auf den ersten Blick einen Schreibfehler vermuten", schildern die Eyrichshöfer: "Es war jedoch kein Schreibfehler, sondern man will allen Ernstes ein Hochregallager mit 21 Meter Höhe zulassen!"

Ausdrücklich weist die Bürgerinitiative darauf hin, dass ein engagierter Eyrichshöfer Bürger zuerst Kontakt mit Hellmuth Fischer, Geschäftsführer der Firma Uniwell, aufgenommen habe. Erst als dieser eine Aufklärung für die Eyrichshöfer Bürger ablehnte, sei die Bürgerinitiative gegründet worden.

"Neben zahlreichen Zusammenkünften haben wir an zwei Veranstaltungen in Eyrichshof und zwei Treffen mit dem Bürgermeister und unserem Landrat teilgenommen", berichten die Autoren des Pressetextes. Bei einem Treffen seien auch Vertreter der Firma Uniwell zugegen gewesen. "Besonders das gemeinsame Treffen mit allen Beteiligten war von Vorwürfen, Unterstellungen und Unwahrheiten geprägt."

Zweierlei Darstellungen

Anders als dies Bürgermeister Hennemann im Mitteilungsblatt vom 1. November dargestellt hatte, sei nicht die Bürgerinitiative kompromisslos, sondern die Firma Uniwell. Der Bürgermeister schilderte die Entwicklung aus seiner Sicht wie folgt: "Die Stadt Ebern, Bürgermeister Hennemann und der Landrat Wilhelm Schneider versuchten im September und Anfang Oktober vermittelnde Gespräche zu führen und zu einem Kompromiss zu kommen. Das war aber leider nicht möglich. Eine im letzten Gespräch von der Firma Uniwell ins Gespräch gebrachte Rücknahme der Höhe des Hochregallagers um ein Stockwerk um drei Meter wurde von Vertretern der Bürgerinitiative mit Verweis auf die zum Bürgerbegehren gesammelten Unterschriften abgelehnt."

Aus Sicht der Bürgerinitiative aber gibt die Firma Uniwell "keinen Meter in der Höhe des Hochregallagers nach. 21 Meter Höhe sind angeblich notwendig, um das Projekt wirtschaftlich zu betreiben." Auf Nachfrage von Landrat Schneider, ob 18 Meter Höhe ein Kompromiss wären, habe ein Sprecher der Firma Uniwell mitgeteilt, dass dies nicht möglich ist. "Aus uns nicht bekannten Gründen, behauptet unser Bürgermeister aber, dass Vorschläge nur durch die Bürgerinitiative abgelehnt wurden", empören sich die Hochregalgegner: "Hier fragt man sich schon, ob das alles möglich ist. Aber so erklären sich dann auch andere Ausflüchte des Bürgermeisters von selbst."

"Untragbarer Koloss"

Auch wenn 18 Meter Höhe für die Bürgerinitiative keinen Kompromiss darstellen würden, "sondern immer noch einen Koloss, der untragbar ist", seien die Aspekte Lkw-Aufkommen, Parken, Sanitärgebäude für Tag und Nacht, Straßenbreite usw. nicht geklärt. Selbst wenn täglich nur 70 Lkw (die Anzahl werde immer nach unten beschönigt) die Firma Uniwell anfahren, stelle dies eine untragbare Situation für die Anwohner und anliegenden Firmen dar.

Fast täglich campieren laut Bürgerinitiative Lkw - teilweise sogar ganze Wochenenden - auf dem Gehsteig, auf Privatgrundstücken. Abgesehen davon, dass dies nicht erlaubt ist, hinterlassen sie den Angaben zufolge Müll und Fäkalien. Die Verantwortlichen, so der Vorwurf der Eyrichshöfer, würden schulterzuckend wegsehen. "Was müssen wir uns eigentlich noch alles bieten lassen?", fragt die Bürgerinitiative.

"Die Krönung"

Sie kommt zu dem Fazit: "Die Treffen mit Bürgermeister und Landrat waren zu keiner Zeit ein Versuch, eine gütliche Lösung zu finden, sondern die Pläne der Firma Uniwell mit Biegen und Brechen durchzusetzen. So stellen wir uns jedenfalls ein intaktes Miteinander nicht vor."

"Krönung des Ganzen" sei die Stadtratssitzung am 24.Oktober gewesen, bei der in vier Stunden 89 Seiten an Bedenken der Behörden und Eingaben durch den Bürgermeister "abgeschmettert" worden seien. "Müde und mürbe haben die Stadträte - die im Übrigen die meisten von uns vor fünfeinhalb Jahren mitgewählt haben - alle Beschlussvorschläge abgenickt", schildern die Verfasser "ein Schauspiel, das man nicht für möglich gehalten hätte, wenn man es nicht live erlebt hat". Bis auf kurze Zwischenfragen eines einzigen Stadtrates und der Ortssprecherin aus Eyrichshof sei alles "nach Bürgermeisterwunsch" durchgegangen.

Um die Bürger entscheiden zu lassen, seien am 15. Oktober genügend Unterschriften für ein Bürgerbegehren bei der Stadt eingereicht worden. "Der Bürgermeister und unsere Stadträte können dadurch endlich mal die Bevölkerung anhören, für die sie da sein sollten!", so die Autoren des Textes, die ein "bürgernahes Umdenken" fordern, "bevor noch mehr Fehlentscheidungen getroffen werden!" eki

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren