Kloster Banz
Konzert

Exzellente Solisten verbinden sich zu einem extrastarken Ensemble

Mit der Verpflichtung des "Ensembles Clarezza" hatte der künstlerische Leiter der Kammerkonzerte auf Kloster Banz, Achim Melzer, erneut eine geschickte Hand bewiesen. Julia Müller-Bohn, Christoph Müll...
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Das Klarinettenensemble "Clarezza" begeisterte im Kaisersaal (von links): Andrea Steinberg, Julia Müller-Bohn, Christoph Müller, Claudia Mendel. Foto: Andreas Welz
Das Klarinettenensemble "Clarezza" begeisterte im Kaisersaal (von links): Andrea Steinberg, Julia Müller-Bohn, Christoph Müller, Claudia Mendel. Foto: Andreas Welz
Mit der Verpflichtung des "Ensembles Clarezza" hatte der künstlerische Leiter der Kammerkonzerte auf Kloster Banz, Achim Melzer, erneut eine geschickte Hand bewiesen. Julia Müller-Bohn, Christoph Müller, Andrea Steinberg und Claudia Mendel lieferten in ihrer Formation mit Klarinetten, Es-Klarinette, Bassetthorn und Bassklarinette ein musikalisch absolut überzeugendes Programm beim 6. Konzert im Kaisersaal.
Auf dem Programm standen Werke zeitgenössischer Komponisten und der Romantik. Mit Tänzen, Suiten oder Milieubeschreibungen wurde das Konzert dem Titel der diesjährigen Konzertreihe "Folklore" gerecht. Dass sich mit dem "Ensemble Clarezza" exzellente Solisten zu einem hervorragenden Kammermusikensemble zusammengefunden haben, merkte das Stammpublikum mit vielen neuen Gesichtern beim Einstieg in die sechs rumänischen Volkstänze von Béla Bartók (1881-1945). Nach verhaltenem Allegro, Moderato und Andante steigerte sich das Quartett zum Allegro vivace, im schnellen Tanz des letzten Stückes.
Die "Tangomanie" erfasste den ehrwürdigen Saal, als Astor Piazollas (1921-1992) "l'histoire du tango" den mächtigen Kronleuchter zum Schwingen brachte. Mit den drei Sätzen "Bordell", "Café" und "Night-Club" erweckten die vier Musiker authentisch den Geist des argentinischen Tangos. Die Tempi wechselten von beschaulich-harmonisch bis hin zum rasenden Schluss. Es folgte das einzige Originalwerk des Abends: die Tarnov-Suite des 1967 geborenen Alexis Ciesla. Hier gab es wohlig-tonale Klezmer-Klänge zu hören, Trauer um die untergegangene Welt der osteuropäischen Schtetl. Die Suite begann mit einer Einleitung, Doina, gefolgt von einem humorvollen nostalgischen Walzer. Den krönenden Abschluss bildete der sowohl fragile als auch festliche Tanz. Berühmtheit sicherte sich der spanische Komponist Isaac Albéniz (1860-1909) mit dem umfangreichen Zyklus "Iberia". Das Klarinettenensemble wählte aus den vier Bänden "El puerto" aus. Die klar strukturierte, aber feinfühlig ausmusizierte Interpretation stellte höchste Anforderungen an die Musiker, schließlich hatte Albéniz den Zyklus für das Klavier geschrieben. "Ensemble Clarezza" spielte den ganzen Schwung, die ganze Walzerseligkeit des Werks voll aus, und siehe da: Auch für vier Klarinetten eignete sich "Cordoba" aus "Chants d'Espagne" ganz ausgezeichnet. Die Tempi waren teilweise recht forsch, die Themeneinsätze deutlich konturiert. Langer Atem war nötig, auch großes Durchhaltevermögen, bis die Schlüsse fein und geschmackvoll austrudeln durften.Eine Auswahl aus den Czernowitzer Skizzen von Alexander Kukelka (geb. 1963) beendete das Kammerkonzert. Es stimmte heiter, wirkte herzerfrischend und verspielt, auch mal zupackend, immer leicht und luftig perlten und kullerten die Töne zum köstlichen Hörgenuss in den Saal. Alles tänzerisch Betonte, alles Schwungvoll-Energische vermochten die Instrumente bestens wiederzugeben.
Das Spiel der Clarezzaner war kaum zu toppen. Natürlich ließ das begeisterte Publikum die Musiker nicht ohne eine Zugabe ziehen. Sie wählten das 6. Stück aus den Czernowitzer Skizzen und rundeten damit ein hervorragendes Konzert ab.


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