Bamberg
Interview

Experten für frühe Bildung, Germanistik, Statistik und Iranistik nehmen ihre Arbeit auf

Frühe Bildung in Kitas, Autoren in der Öffentlichkeit, große Datenmengen und persische Literatur: Zu diesen und weiteren Themen forschen die vier neuen Professoren an der Universität Bamberg. Seit Sep...
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Christoph Werner
Christoph Werner
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Frühe Bildung in Kitas, Autoren in der Öffentlichkeit, große Datenmengen und persische Literatur: Zu diesen und weiteren Themen forschen die vier neuen Professoren an der Universität Bamberg. Seit September arbeiten Yvonne Anders und Christoph Jürgensen in Bamberg, seit Oktober Anne Leucht und Christoph Werner.

Yvonne Anders ist Inhaberin des Lehrstuhls für Elementar- und Familienpädagogik, Christoph Jürgensen Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Literaturvermittlung. Christoph Werner arbeitet am Lehrstuhl für Iranistik in den Bereichen Sprachen, Geschichte und Kultur, Anne Leucht ist Professorin für Mathematik in den Wirtschaftswissenschaften. Wir haben die vier Wissenschaftler zu ihren Werdegängen und Zielen befragt.

Wo sind Sie geboren und aufgewachsen?

Yvonne Anders: In Herford, das ist in Ostwestfalen in der Nähe von Bielefeld. Christoph Jürgensen: Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. Bis zum Beginn des Studiums habe ich dort auch gelebt. Christoph Werner: Das ist gar nicht so einfach. Ich bin in Linz in Österreich geboren und im Schwäbischen aufgewachsen. Abitur habe ich in Baden gemacht. Anne Leucht: Geboren und aufgewachsen bin ich in Oelsnitz, einer Kleinstadt im sächsischen Teil des Vogtlandes.

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

Yvonne Anders: Tierärztin. Christoph Jürgensen: Ich glaube, dass ich den Wunsch hatte, den alle hatten: Ich wollte Bauarbeiter werden. Christoph Werner: Irgendwas mit Büchern - wobei das nicht wirklich konkret war. Bei den Büchern bin ich geblieben. Anne Leucht: Ganz unterschiedliche Wünsche. Ich dachte, Tierärztin oder etwas Soziales sei gut. Die Mathematik hat sich sehr spät herauskristallisiert. Mathematik hat mir schon immer gefallen, aber das ist natürlich kein Berufswunsch, den man als Kind hat. Was haben Sie studiert?

Yvonne Anders: Ich habe Psychologie studiert, weil mich Menschen interessieren. Meine Nebenfächer waren Soziologie und Mathematik. Zunächst habe ich in der kognitiven Psychologie promoviert und mich mit visueller Wahrnehmung beschäftigt. Zur Bildungsforschung bin ich unter anderem über mein Nebenfach Soziologie gekommen. Anne Leucht: Vor dem Studium der Wirtschaftsmathematik in Jena war ich mir nicht sicher, ob ich in der reinen Mathematik gut genug bin, um darin in die Tiefe zu gehen. Deswegen habe ich mich für eine breitere Aufstellung von Mathematik und Wirtschaft entschieden. Ich habe es nicht bereut, beide Seiten kennenzulernen, weil ich gerade bei anwendungsorientierten Fragen das Wirtschaftswissen einbringen kann - meine Leidenschaft gilt aber der Mathematik. Christoph Werner: Es begann mit Islamwissenschaft und Geschichte in Freiburg. Ich habe das ergänzt mit Deutscher Literatur. Dann bin ich nach einer Auslandsstation in Kairo nach Bamberg gekommen. Hier habe ich Iranistik statt Deutscher Literatur hinzugenommen. Außerdem war ich für einen weiteren Auslandsaufenthalt in Teheran. Christoph Jürgensen: Ich habe in Kiel Germanistik und Philosophie bei Heinrich Detering studiert, der mittlerweile einer der bekanntesten Germanisten Deutschlands ist. Er hat jetzt die Professur für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Göttingen inne.

Wie kam es dazu, dass Sie letztendlich Professor geworden sind?

Christoph Jürgensen: Zwischen den beiden Stationen liegen ungefähr 40 Jahre. Ich habe erst Lehramt studiert, aber dann hat mir schon im Studium die Forschung so gut gefallen, dass ich erstmal an der Uni bleiben wollte - und dann ja geblieben bin.

Zu welchen Themen forschen Sie?

Yvonne Anders: Ich beschäftige mich mit Qualität und Auswirkungen früher Bildung. Wie wirkt es sich zum Beispiel auf Kinder aus, wenn sie in einer Kindertageseinrichtung betreut werden? Was sind Merkmale guter Kitas? Einen besonderen Fokus lege ich darauf, wie man bildungsbenachteiligte Kinder und Familien unterstützen kann.

Christoph Jürgensen: Mich interessiert vor allem Literatur als sozialer Gesamtzusammenhang. Ich beschäftige mich nicht nur mit literarischen Texten, wie das Literaturwissenschaftler eigentlich tun, sondern mit allem, was um die Texte herum passiert: Was Autorinnen und Autoren machen, welche Bilder sie von sich entwerfen, wie sie in der Öffentlichkeit auftreten, wie sie rezipiert werden. Christoph Werner: Ich forsche sehr stark zu historischen Themen im Iran, vor allem von der Frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dafür arbeite ich viel im Bereich Archivwesen, Dokumentenkunde und Quellenkunde. Darüber hinaus arbeite ich zunehmend zu der Persischen Literaturwissenschaft - sowohl klassisch als auch modern. Anne Leucht: Mein Fachgebiet ist die mathematische Statistik. Es geht darum, Modelle aufzustellen, die gewisse Zusammenhänge in der Wirtschaft beschreiben. Aktuell spielt das Thema Data Science eine große Rolle: Wie kann man aus großen Datenmengen mit komplexer Abhängigkeitsstruktur wichtige Informationen herausziehen? Was war Ihr erster Eindruck von der Universität Bamberg?

Yvonne Anders: Ich war bereits von 2009 bis 2012 als wissenschaftliche Mitarbeiterin hier, bin also eine Rückkehrerin. Der erste Eindruck von der Universität war im positiven Sinne schön, historisch und herzlich. Anne Leucht: Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden, schon bei den Berufungsgesprächen. Meinen allerersten Eindruck hatte ich, als ich das Gebäude in der Feldkirchenstraße betrat. Es hat mich beeindruckt, dass es sehr viele studentische Arbeitsräume gibt, was für Studentinnen und Studenten sicher angenehm ist. Christoph Werner: Was mich als Student damals fasziniert hat und immer noch fasziniert, ist das familiäre, freundliche und offene Umfeld und das angenehme Arbeiten hier. Das war für mich auch einer der Gründe, hierher zurückzukommen. Was mögen Sie an Bamberg?

Christoph Jürgensen: Ich kenne hier noch gar nicht so viel. Aber wenn ich in Gesprächen erwähnt habe, dass ich nach Bamberg gehe, haben alle, die hier waren, ähnlich reagiert: Sie loben sowohl die Stadt als auch das kollegiale Umfeld an der Universität. Anscheinend ist jeder gerne hier gewesen, und das ist erstaunlich. Das habe ich noch nie erlebt. Alle sind neidisch. Fast alle.

Yvonne Anders: Durch die Größe der Stadt ist alles eng miteinander verbunden. Ich habe Bamberg immer als herzlich und offen empfunden. Gleichzeitig finde ich es beeindruckend, dass es in einer vergleichsweise kleinen, historischen Stadt so viel moderne Bildungsforschung gibt. Christoph Werner: Hoffentlich darf man das sagen: Ich mag das gute Bier. Anne Leucht: Was mir sehr gut gefällt, ist die schöne historische Altstadt. Es ist sehr viel Leben in der Stadt, vor allem durch die Studierenden, die zwischen den Universitätsstandorten pendeln. Außerdem ist sie im fränkischen Raum landschaftlich schön gelegen.

Was möchten Sie in Bamberg unbedingt noch erreichen?

Yvonne Anders: Ich möchte es schaffen, dass ich den Kaulberg irgendwann mit Leichtigkeit mit dem Fahrrad befahren kann und nicht immer neidisch auf die E-Bikes schauen muss.

Christoph Jürgensen: Hier freue ich mich auf eine möglichst forschungsbezogene Lehrtätigkeit. Ich möchte mit den Studierenden gerne literarisches Leben kennenlernen. Und ich hoffe, dass ich so viele wie möglich für ein Leben im Kulturbetrieb begeistern kann. Wenn es gut läuft, möchte ich auch helfen, dass sie dort unterkommen.

Anne Leucht: Zuletzt habe ich vor allem theoretische Fragestellungen bearbeitet. Das macht unendlich viel Freude und das will ich auch fortführen. Aber hier in der Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften möchte ich wieder mit einem stärker anwendungsorientierten Bezug forschen.

Christoph Werner: Was ich in den nächsten Jahren gerne tun möchte, ist, der Iranistik in Bamberg ein neues Profil zu geben. Ich möchte die Bamberger Iranistik noch stärker auf der Landkarte verankern. Mir geht es vor allem darum, die persische Literaturwissenschaft in den Vordergrund zu rücken. Das Gespräch führte Patricia Achter.

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