Memmelsdorf

Experiment in luftiger Höhe

Die Funkamateure Haßberge ließen einen Wetterballon in Memmelsdorf in den Himmel steigen.
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Nach langer Vorbereitungszeit wurde der Wetterballon bei Memmelsdorf auf die Reise geschickt. Robert Bauersachs, Dieter Puchinger und Timm Böhm (von links) waren bei der Aktion dabei, die die Funkamateure als erfolgreich bezeichnen. Foto: Haßbergfunker
Nach langer Vorbereitungszeit wurde der Wetterballon bei Memmelsdorf auf die Reise geschickt. Robert Bauersachs, Dieter Puchinger und Timm Böhm (von links) waren bei der Aktion dabei, die die Funkamateure als erfolgreich bezeichnen. Foto: Haßbergfunker

Helmut Will Spannend war es für die Funkamateure des Deutschen Amateur-Radio-Clubs des Ortsverbandes Haßberge, als ihr Wetterballon mit etwa vier Metern pro Sekunde bei Memmelsdorf aufwärts stieg. Wetterballons, sogenannte Stratosphärenballons, werden in Deutschland fast ausschließlich vom Deutschen Wetterdienst und von der Bundeswehr gestartet, um die meteorologischen Bedingungen bis in die Stratosphäre zu erfassen.

"Diese sind für die modernen Wettervorhersagen inzwischen unverzichtbar", sagt Attila Kocis, Ortsvorsitzender der Funkamateure. Gelegentlich komme es vor, dass auch Funkamateure einen solchen Wetterballon starten und damit auch funktechnische Experimente durchführen, wie bei den Haßberge-Funkamateuren in Memmelsdorf geschehen ist.

Nach mehrmonatiger Vorbereitung und der Einholung etlicher Genehmigungen konnte das Ballonexperiment durch die Funkamateure durchgeführt werden. Sie ließen einen Wetterballon aufsteigen, bestückt mit ganz spezieller Funktechnik. Der Ballon sendete im digitalen Übertragungsverfahren APRS etwa alle 15 Sekunden unter anderem seine genaue GPS-Position, seine Fluggeschwindigkeit und die Flugrichtung über eine Amateurfunkfrequenz im 70-Zenitmeter-Band aus. Im Vorfeld haben die Funkamateure alle anderen Funkamateure aufgerufen, an diesem Tag ihre Empfänger einzuschalten, um die Signale des Senders zu empfangen und mit spezieller Software zu decodieren. Diese Daten wurden dann über das Internet an eine Plattform weitergeleitet, welche die empfangenen Datenpakete sammelt und auf einer Karte darstellt. Somit konnte der Flug des Wetterballons dank der Unterstützung vieler anderer Funkamateure in Echtzeit auf einer Karte im Internet verfolgt werden. Aber: "Schon bald wurde klar, dass der Ballon trotz sorgfältiger Berechnung aller Parameter nicht so schnell aufstieg, wie er sollte", sagt Attila Kocis. Geplant war, dass der Ballon in einer Höhe von 20 Kilometern platzen sollte, was bedeutet, dass er einen deutlich längeren Weg zurücklegen würde als vorgesehen.

Flug fast bis nach Chemnitz

Der Weg des Ballons führte nordöstlich über den Frankenwald und den östlichen Thüringer Wald, bis er in einer Höhe von etwa 19 Kilometern in der Nähe von Zeulenroda platzte. Luftlinie vom Aufstiegsort in Memmelsdorf bis dorthin sind es etwa 100 Kilometer. Die Ballonreste segelten samt der Nutzlast an einem Fallschirm dann weiter in das thüringisch-sächsische Grenzgebiet zwischen Altenburg und Chemnitz. Das sind von Zeulenroda nochmals etwa 70 Kilometer. "Dort landete das Fluggespann interessanterweise direkt neben dem Segelflugplatz bei Göpfersdorf; welch eine Ironie", sagt Kocis. Die Landung ist von den sich dort aufhaltenden Segelfliegern beobachtet worden und das Gespann wurde von ihnen geborgen. Ein "Verfolgerteam" der Haßbergfunker mit zwei Fahrzeugen traf nur wenige Minuten später an der Landestelle ein und konnte das Gespann in Empfang nehmen.

Viele Erkenntnisse gewonnen

Mit der Bergung der Nutzlast hatte das erste Wetterballonexperiment der Haßberge-Funkamateure somit einen erfolgreichen Abschluss gefunden. Bereits die ersten Erkenntnisse des Experiments daraus sind erstaunlich. So wurde das Funksignal, welches mit nur 40 Milliwatt Sendeleistung ausgesendet wurde, stellenweise noch in über 250 Kilometern Entfernung erfolgreich empfangen und decodiert. Moderne "Walkie-Talkies", wie sie im Fachhandel zu kaufen sind, haben mit ihren 500 Milliwatt eine rund zwölffach höhere Sendeleistung als der verwendete Sender der Haßberge-Funkamateure. Angespornt von dem Erfolg planen die Funkamateure ein nächstes Wetterballonexperiment. Dann mit noch wesentlich mehr Technik an Bord, etwa einer Videokamera. Ein ausführlicher Bericht mit vielen Bildern und Videos erscheint demnächst auch auf der Webseite des Ortsverbandes unter www.bravo37.de.

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