Herzogenaurach

Experiment hat nicht geklappt

Romy Greiling schließt ihr kleines Ladenlokal "Fritz Royal" am Türmersturm. Ihre Idee sei gut gewesen, doch die Nachfrage war zu gering, sagt die Quereinsteigerin. Stadtmarketing-Chefin Judith Jochmann: "Uns wird sie fehlen."
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Am Sonntag schließt das "Fritz Royal" am Türmersturm in der Hauptstraße.  Foto: Bernhard Panzer
Am Sonntag schließt das "Fritz Royal" am Türmersturm in der Hauptstraße. Foto: Bernhard Panzer

bernhard Panzer Am Ende blieb immerhin die Erfahrung, es versucht zu haben. "Ich weiß, dass die Idee was geworden ist. Ich hab's umgesetzt", sagt Romy Greiling. Auch wenn's letztlich nicht funktioniert hat.

Gemeint hat die 31-jährige Erlangerin das kleine Ladenlokal "Fritz Royal" am Türmersturm. In Herzogenaurach berühmt geworden als "Wein und Fein" und später als "Turmkämmerla" bekannt, sollte es jetzt mit einem völlig anderen Konzept überzeugen. Die junge Frau bot Takeaways an, also den Snack für die Mittagspause oder zwischen den Meetings. Sandwiches und Suppen, Salate und Cookies und was Fruchtiges danach schwebten der Gastro-Quereinsteigerin vor.

Auf die Idee sei sie bei einem Aufenthalt in Chicago gekommen, wo sie auf diese Art der Mittagsgastronomie stieß. Mittags hätten ja die wenigstens Zeit, lange zu warten. Dort habe das Prinzip gut geklappt, das auf Schnelligkeit ausgerichtet ist. Schnell und gesund - so sollte es werden. Sie legte dabei großen Wert darauf, frische Ware mit wenig Fleisch anzubieten, wie Greiling jetzt im FT-Gespräch bilanziert.

Eröffnet hat "Fritz Royal" im März, und zum 30. September ist schon wieder Schluss. Das Experiment ist gescheitert. Denn das Lokal sei nicht so angenommen worden, wie es erforderlich gewesen wäre. "Das war wie eine Fieberkurve", sagt Romy Greiling. Es habe gute, aber auch schlechte Tage gegeben. Und das sei das Problem. "So kann ich nicht kalkulieren", meint die junge Frau, die darauf verweist, dass sie stets frische Ware anbot und da schon eine gewisse Kontinuität gebraucht hätte. "Ich hab ja viel handgemacht", auf Fertigprodukte habe sie verzichtet.

Fleischlastige Franken

Aufgefallen ist der 31-Jährigen auch, dass das Essverhalten der Franken wirklich sehr fleischlastig sei. Das bot sie so halt nicht an. "Meine Philosophie ist anders", sagte sie. "Das wäre nicht mehr ich". Deshalb hat die studierte Betriebswirtschafterin "schweren Herzens" die Entscheidung getroffen, jetzt aufzuhören. Es sei eine reine Zahlentscheidung gewesen.

Sie habe die Erfolgsaussichten anders eingeschätzt, auch wegen der großen Firmen und ihrer vielen Mitarbeiter in der Stadt. Sie habe gehofft, dass die Neugierde überwiegt, doch letztlich habe die Skepsis überwogen.

Beendet wird damit auch ihr Abenteuer Food-Truck. Sie hatte sich einen solchen in Großbritannien anfertigen lassen und hier in der Region eingesetzt. "Der Truck lief deutlich besser", stellte sie fest. Aber sie will ihn dennoch verkaufen und wieder etwas ganz anderes machen: Greiling wechselt ins Online-Marketing.

Zwischennutzer gesucht

Das Kulturfestival an diesem Wochenende nimmt sie freilich noch mit. "Da steht ich auf dem Flyer mit drauf." Der Mietvertrag läuft indes noch einige Zeit. Sie könnte sich vorstellen, dass sich jemand findet, der die Räume belegen möchte, quasi als Zwischennutzung. Das müsse keine Gastronomie sein.

Für Hausbesitzer Jürgen Bauer kam die Information des Abschieds relativ kurzfristig. Er habe deshalb noch keine Überlegungen anstellen können, wie es weitergehen kann, sagte er. Jetzt folgt zunächst ein Gespräch mit der Mieterin.

Wagnis Start-up

Sehr schade findet auch Judith Jochmann, die Stadtmarkting-Beauftragte im Herzogenauracher Rathaus, Greilings Entschluss, aufzuhören. Schließlich sei es ein tolles Angebot gewesen, eine Bereicherung für die Innenstadt. Jochmann: "Sie wird uns auf jeden Fall fehlen."

Jochmann schätzt es schon auch als sehr wichtig ein, mal etwas Neues auszuprobieren. Ein Start-Up-Unternehmer gehe freilich ein Wagnis ein. Daher appelliert Judith Jochmann auch daran, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, beispielsweise bei der Mietdauer.

Sie selbst habe sehr positive Erfahrungen mit der jungen Frau gemacht. Beim Ideenamt der Stadt habe sie die Räume unkompliziert zur Verfügung gestellt. Und auch bei "hin&herzo" sei sie ja dabei.



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