Forchheim

Event-Gmbh statt Kulturzentrum

Forchheimer Kulturschaffende haben sich zum "Kulturpuls" zusammengeschlossen. Eine Veranstaltungs-GmbH soll Auftritte in verschiedenen städtischen Einrichtungen sichern. Kulturausschuss ist enttäuscht.
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Josef Hofbauer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) überraschte die Mitglieder des Kulturausschusses mit der Nachricht, dass unter dem Namen "Kulturpuls e.V." eine Organisation für alle Kulturschaffenden gegründet wurde. Eine noch zu gründende städtische Kulturstätten GmbH soll die Ausrichtung von Veranstaltungen des Forchheimer Brettla, des Jungen Theaters, des Liedervereins und all der anderen Kulturschaffenden sicherstellen. Die Stadt Forchheim ist für die Finanzierung dieser GmbH zuständig.

Neben Lob gab es für das Vorpreschen des Oberbürgermeisters auch kräftige Schelte. Stadtrat Manfred Hümmer (FW) räumte ein, das vorgestellte Modell könne ein Meilenstein in der Kulturarbeit der Stadt sein. Er vermisste aber ein Mitspracherecht der Stadt bei der Gestaltung des Kulturprogrammes. Zumindest eine beratende Funktion müsse dem Finanzier, der Stadt, eingeräumt werden.

Nur mit Rettungsschirm

CSU Fraktionschef Udo Schönfelder pochte darauf: "Wir haben's erfunden". Die Idee zu einem Kulturzentrum im Kolpinghaus stamme von der CSU. Wenngleich Oberbürgermeister Kirschstein daran erinnerte, die inhaltliche Ausgestaltung der Kulturstätten-Betriebs GmbH sei noch offen, übte Karl-Heinz Fleckenstein (CSU) heftige Kritik am vorgelegten Konzept. Der Status und das Aufgabengebiet des Geschäftsführers seien völlig ungeklärt, ebenso wie die Höhe der finanziellen Verbindlichkeiten, die seitens der Stadt zu schultern seien. So sei völlig unbekannt, welche Summe für Veranstaltungstechnik ausgegeben werden müsse. "Wir können die Gesellschaft nicht einfach so in fremde Hände geben. Ein Rettungsfallschirm muss da sein", forderte Fleckenstein.

Vor den Kopf gestoßen

Parteikollege Thomas Werner hakte nach. "Von wie vielen Beschäftigen der GmbH reden wird und wie viel verdienen die?", wollte er wissen. Der Kulturausschuss sei das zuständige Gremium, in dem geklärt werden müsse, wie viel die Stadt in Kultur investieren will. Gerade deshalb müsse auch der Einfluss der Stadt im Ablaufdiagramm der Kulturarbeit dargestellt werden. Annette Prechtel, Fraktionschefin der Forchheimer Grünen Liste (FGL) fühlte sich durch die Vorgehensweise des Stadtoberhauptes vor den Kopf gestoßen. Deshalb wollte bei ihr keine so rechte Begeisterung für das Konzept aufkommen. "Unsere Vorstellung war ein Kulturzentrum, was Sie uns präsentieren ist eine Verwaltungs-GmbH. Das ist etwas vollkommen anderes". Es sei nicht ersichtlich, ob es in Forchheim ein Kulturzentrum geben könne. "In der vorgelegten Struktur können wir das nicht sehen." Der Kulturausschuss, so Prechtel, sei jedenfalls viel zu spät ins Boot geholt worden.

"Wäre der Kulturausschuss früher informiert worden, hätten sich die Kollegen über ein fehlendes Konzept beklagt", resümierte Sebastian Platzek (FDP), der die Sache gelassen sah.

Cool bleiben

"Heute muss keine Entscheidung getroffen werden, also bleibt cool Jungs", fordert er die Kollegen auf. Doch so locker konnte Karl-Heinz Fleckenstein die Sache nicht sehen. "Da wird monatelang verhandelt und wir sind außen vor. Das ist nicht so prickelnd", kritisierte er. Ulrich Schürr (Junge Bürger) gestand, mit der Einbeziehung der Kulturschaffenden sei ein Anfang gemacht. "Äußerst unerfreulich ist aber, dass wir eine Tischvorlage hingelegt bekommen, zu der wir uns binnen zehn Minuten äußern sollen." Ohne nähere Kenntnisse könne die Situation nicht beurteilt werden.

Gisela Steinlein, stellvertretende Vorsitzende des Kulturpuls e.V. versuchte Begeisterung für das Projekt zu entfachen. Die Stadt Forchheim könne mit dem Modell Trendsetter sein. Und die Aufsichtsräte der GmbH aus dem Kreis der Kulturschaffenden seien nichts anderes als Ideengeber.

Annette Prechtel beharrte darauf: "Dieser Vorschlag hat mit der ursprünglichen Idee nichts zu tun." Ihre Enttäuschung konnte Oberbürgermeister Kirschstein nicht nachvollziehen, was Manfred Hümmer auf die Palme brachte.

Verhandlungen im Alleingang

"Die Idee hat Charme, zweifellos", räumt Hümmer ein. Das ändere aber nichts daran, dass der Fachausschuss über Monate nicht eingebunden wurde. Zudem seien bei den Kulturschaffenden Erwartungen geweckt worden. Sie glaubten, das Konstrukt sei in trockenen Tüchern. Der Kulturausschuss werde zu einem Zeitpunkt ins Boot geholt, wo es bereits randvoll mit Wasser gelaufen sei. "Wir sollen es wieder leer schöpfen", kritisierte Hümmer, der Kirschstein vorwarf, er sei für die Verhandlungen nicht autorisiert gewesen. "Und wenn Sie die Enttäuschung in diesem Gremium nicht verstehen, muss ich Ihnen sagen, Sie sind ein Technokrat. Das ist keine Beleidigung", so Hümmer.

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