Evangelien werden neu erfahrbar

In einem ökumenisch ausgerichteten Projekt von Pfarrer Heinrich Marcher stellen Schüler und Erwachsene Sonntagsevangelien in Bild, Druckgrafik oder Fotografie dar.
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"Das Wort im Bild" - so lautet der Titel der neuen Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg. Gezeigt werden Bilder von Künstlern aus dem Einzugsgebiet des Pastoralverbundes St. Michael Hohe Rhön (Hilders), die im Bezug auf verschiedene Sonntagsevangelien entstanden sind. Es handelt sich um ein ökumenisch ausgerichtetes Projekt von Pfarrer Dr. Heinrich Maicher, der zur Ausstellungseröffnung seine Gedanken zum Projekt mit den Anwesenden teilte.


Große Resonanz

Vielen Christen sei es ein Anliegen, der Glaubenskultur der Sonntage und Feste des Kirchenjahres eine sichere Grundlage zu geben. Aus diesem Wunsch heraus sei 2014 der Gedanke entstanden, die Evangelientexte des Lesejahres B in 69 Bildwerken darzustellen. Dabei sei es darum gegangen, dem Geheimnis des Wortes Gottes, das Mensch geworden ist, auf die Spur zu kommen, in dem das jeweilige Sonntagsevangelium mittels Malerei, Zeichnung, Druckgrafik oder Fotografie kommentiert wurde.
Wegen der großen Resonanz sei im Folgejahr die Projektarbeit am Evangeliar des Lesejahres C fortgesetzt worden. Das Evangeliar für das Lesejahr A wurde dann in 2015/16 mit Schülern der Grundschulen aus dem Einzugsbereich des Pastoralverbundes umgesetzt. Sowohl die Schüler wie auch die erwachsenen Künstler haben die Sonntags-Evangelientexte jeweils nach dem Zufallsprinzip erhalten.
Durch die Beschäftigung mit den Kunstwerken sollte Vorfreude auf die Begegnung mit dem Wort Gottes geweckt werden, erklärte Pfarrer Dr. Maicher. Die in den Projektjahren entstandenen Evangeliare wurden gesegnet und stehen im Pastoralverbund zur Bereicherung der liturgischen Feiern sowie für die Begegnung der Gläubigen und der Suchenden zur Verfügung.
Die Ausstellung im Bruder-Franz-Haus sei die erste Ausstellung der Kunstwerke außerhalb des Pastoralverbundes und gehe auf die Anregung von Künstler Lothar Reichardt (Dörmbach) zurück, so Maicher. Pfarrer Maicher sieht es als eine gute Möglichkeit, die Evangelientexte einem breiten Publikum ins Bewusstsein zu heben und zur Beschäftigung mit dem Wort Gottes anzuregen. "Der Betrachter wird unmittelbar in das Bildgeschehen einbezogen und mit seiner Auslegung konfrontiert."
Der Guardian des Klosters Kreuzberg, Pater Martin Domogalla, zeigte sich von den inhaltlich dichten und den künstlerisch so unterschiedlich und ansprechend dargestellten Szenen sehr angesprochen. Im Johannes-Evangelium heiße es gleich zu Beginn: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. ... Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,1.14). So erkläre sich auch der Titel der Ausstellung "Das Wort im Bild".


Jeder auf seine Art

"Mit der Menschwerdung Jesus Christi ist Gott darstellbar geworden", verwies Pater Martin auf den Bilderstreit der alten Kirche und der Auffassung aus dem Alten Testament, dass der unbegreifliche Gott nicht dargestellt werden dürfe. Die gezeigten Bilder illustrieren und erklären die sonntäglichen Evangelien auf eine ganz eigenen Art und Weise. Für Pater Martin ist das Projekt ein erfolgreicher Versuch, die Evangelien neu erfahrbar zu machen.
Lob und Anerkennung gab es auch vom stellvertretenden Landrat Josef Dema, und von Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert, der sich freute, dass Künstler aus der hessischen Rhön auf dem Kreuzberg ihre Werke ausstellen, denn, wie er sagte, der Kreuzberg sei ja schließlich der zentrale Ort der Rhön.
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