Laden...
Thurnau
Infektionsketten

Europäische Studie über den Weg des Virus

Im Zug des Klimawandels dringen von Mücken übertragene Viruserkrankungen immer weiter nach Europa vor. Ein von der Universität Bayreuth koordiniertes Verbundprojekt untersucht jetzt erstmals, wie dies...
Artikel drucken Artikel einbetten

Im Zug des Klimawandels dringen von Mücken übertragene Viruserkrankungen immer weiter nach Europa vor. Ein von der Universität Bayreuth koordiniertes Verbundprojekt untersucht jetzt erstmals, wie diese Entwicklung durch biologische Vielfalt innerhalb der Infektionsketten beeinflusst und gesteuert wird.

Im Fokus der Forschungsarbeiten steht daher die Biodiversität von Viren, Krankheitsüberträgern und infizierten Organismen. Das europäische Forschungsnetzwerk "BiodivERsA" fördert das Vorhaben in den nächsten drei Jahren mit knapp einer Million Euro.

Am neuen Forschungsprojekt sind neben der Universität Bayreuth vier weitere Einrichtungen beteiligt: das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, das Institut für Tropenmedizin in Antwerpen, das Institut für Entwicklungsforschung in Montpellier und die Nationale Autonome Universität von Mexiko. Anfang März fand im Iwalewahaus der Universität Bayreuth ein erstes Treffen der Projektpartner statt.

In öffentlichen Debatten wird der Begriff "Biodiversität" meist auf den Artenreichtum in der Tier- und der Pflanzenwelt angewendet. Der ökologische und wirtschaftliche Nutzen dieser durch den Klimawandel bedrohten Vielfalt ist durch die wissenschaftliche Forschung eindeutig belegt.

Aber bisher ist nur sehr wenig darüber bekannt, wie sich biologische Vielfalt beispielsweise im Bereich von Erkrankungen auswirkt, die durch Arboviren verursacht werden. Das sind Viren, die insbesondere von Mücken, Zecken, Flöhen oder Gnitzen übertragen werden.

"In unserem Forschungsprojekt wollen wir daher der Frage auf den Grund gehen, wie sich Infektionsketten - angefangen von Arboviren bis hin zu erkrankten Organismen - unter dem Einfluss biologischer Vielfalt herausbilden. So gewinnen wir genauere Erkenntnisse darüber, aus welchen Ursachen und auf welchen Wegen sich von Mücken übertragene Viruserkrankungen von den Tropen bis nach Europa ausbreiten. Auf der Basis dieser Forschungsergebnisse lassen sich dann gut begründete Handlungsempfehlungen entwickeln, beispielsweise für die Gesundheits-, die Umwelt- oder die Entwicklungspolitik", erklärt Carl Beierkuhnlein, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Biogeografie innehat.

Angestrebt ist ein thematisch breit angelegter, wissenschaftlich fundierter Leitfaden. Er wird sich an alle richten, die dazu beitragen können, von Mücken übertragene Infektionskrankheiten zu verhüten.

Dazu zählen nicht zuletzt die Erkrankungen, die durch das West-Nil-Virus und das Chikungunya-Virus ausgelöst werden. Überträger des Chikungunya-Virus ist die Asiatische Tigermücke, die über den internationalen Warenverkehr bis nach Deutschland vorgedriungen ist. Der geplante Leitfaden wird daher sowohl die heutigen klimatischen Verhältnisse als auch Projektionen des künftigen Klimawandels berücksichtigen.

Ein zentrales Ziel des Forschungsprojekts ist es, belastbare Risikoeinschätzungen zu erarbeiten. Hierfür sollen mit Hilfe von Computersimulationen unterschiedliche Zukunftsszenarien entwickelt und verglichen werden. In diese Berechnungen werden die ermittelten Auswirkungen von Biodiversität auf Infektionsketten sowie z. B. auch die Vielfalt von Landschaften und sozioökonomischen Verhältnissen einfließen.

Kompetenzen gebündelt

"Gerade an diesem Punkt wird deutlich, wie wichtig die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb unseres Projekts ist. Die beteiligten Partnereinrichtungen bringen ganz unterschiedliche Kompetenzen in die Forschungsarbeiten ein - aus der Medizin, den Natur-, Umwelt- und Geowissenschaften, aber auch aus den Sozialwissenschaften", sagt Stephanie Thomas von der Universität Bayreuth. red